Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Dashcam-Aufnahmen von gefährlichen Überholmanövern abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.01.2019.
Inhalt

Dashcams gegen Strassenrowdys Datenschutzbeauftragter warnt vor «Bürgerüberwachung»

Der höchste Datenschützer der Schweiz will keine Dashcam-Hilfssheriffs auf den Strassen.

Eine Privatperson filmt mit ihrer Auto-Kamera, einer sogenannten Dashcam, ein gefährliches Überholmanöver eines anderen Automobilisten. Und übergibt dann die Bilder der Polizei. Das kommt heute immer häufiger vor – ist aber höchst umstritten.

Der Datenschutzbeauftragte des Bundes, Adrian Lobsiger, sieht darin eine Verletzung der Daten- und Persönlichkeitsrechte. Dashcams seien keine Mittel, um Verkehrssünder zu bekämpfen. Lobsiger äussert sich in der «Rundschau» zu den privaten Beweisvideos. Für den Datenschützer sind solche Aufnahmen datenschutzwidrig.

«Der einzelne Bürger hat keinen Auftrag den anderen Bürger zu überwachen», so Lobsiger. «Deshalb ist der Einsatz von Dashcams für solche Zwecke zu unterlassen.» Private Dashcam-Videos sollten nicht generell zu einem Beweismittel bei Verkehrsdelikten werden.

Legende: Video Datenschützer Lobsiger: «Bürger sollen sich nicht gegenseitig überwachen» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.01.2019.

Staatsanwalt setzt auf Dashcam

Dezidiert anderer Meinung ist der Zürcher Staatsanwalt Jürg Boll. Mit Dashcam-Aufnahmen erhalte die Staatsanwaltschaft entscheidende Beweise, um die Gefährlichkeit eines schweren Strassenverkehrsdelikts zu belegen. In der «Rundschau» erklärt Boll, die Strafverfolger seien auf solche Beweismittel angewiesen, um schwere Delikte aufzuklären.

«Ein Gutachter kann ausrechnen, wie schnell ein Überholender war und wie knapp der Abstand beim Wiedereinbiegen war. Der Abstand ist in diesem Fall entscheidend», so Boll. Und das könne in vielen Fällen nur durch Videoaufnahmen festgestellt werden.

Legende: Video Staatsanwalt Boll: «Wir brauchen die Aufnahmen als Beweismittel» abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.01.2019.

«Hilfssheriffs» mit Dashcam

Rentner Hansueli Würmli verunfallte vor Jahren mit dem Velo, weil ein Automobilist ihm den Weg abschnitt. Seitdem hat er in seinem Auto eine Dashcam installiert. Er will, dass Strassenrowdys aus dem Verkehr gezogen werden – wenn nötig auch dank privater Dashcam-Aufnahmen. Darum schaltet er seine Dashcam beim Fahren immer ein.

Legende: Video Riskantes Überholmanöver eines Lernfahrers abspielen. Laufzeit 00:05 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.01.2019.

Der Rentner hat in einem Fall bereits Aufnahmen der Polizei weitergegeben. Das sei nach einem riskanten Überholmanöver eines Lernfahrers (siehe oben) gewesen. Würmli zur «Rundschau»: «Ein solcher Automobilist gefährdet Leben und darf einfach nicht ungeschoren davonkommen. Deshalb wollte ich, dass die Polizei genau weiss, was da läuft und den ganzen Fall untersuchen kann.»

Legende: Video Dashcam-Besitzer: «Will die Leute anzeigen können, die so herumfahren» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.01.2019.

Datenschutz gegen Überwachung

Datenschützer Adrian Lobsiger hat zwar Verständnis dafür, dass Dashcam-Aufnahmen bei schwerwiegenden Delikten verwendet werden sollen. Doch die Folge dürfe nicht sein, dass solche Aufnahmen dann auch bei alltäglichen Verkehrsdelikten als Beweismittel verwertet würden. «Das wäre inakzeptabel», sagt er. «Dann wird das datenschutzwidrige Beschaffen im Prinzip salonfähig und dann wird Bürgerüberwachung salonfähig.»

Bundesgericht entscheidet

In diesem Jahr wird das Bundesgericht darüber urteilen müssen, ob eine Lenkerin für ein riskantes Manöver auf der Autobahn aufgrund von privaten Dashcam-Aufnahmen verurteilt werden kann. Datenschützer und Strafverfolger warten mit Spannung auf das Urteil. Denn das Bundesgericht äussert sich dabei erstmals zur umstrittenen Dashcam-Frage.

Lobsiger reagiert auf die zunehmende Überwachung auf Strassen durch Privatpersonen. Auf der Internetseite des eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten wurden diese Woche die Erläuterungen zur Problematik der Dashcam-Verwertung aktualisiert. So heisst es: «Eine Hilfs-Sheriff-Mentalität gilt es zu vermeiden». Es sei Sache der Polizei, für die Sicherheit im Strassenverkehr zu sorgen.

Legende: Video Datenschützer Lobsiger: «Die Bürgerüberwachung wird salonfähig» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.01.2019.

«Rundschau»

«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

63 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Martin Tanner (mikado5034)
    Ganz offensichtlich ist es allerorts ein grosses Bedürfnis, mit Dashcams Aufnahmen zu machen. Ich fahre selber mit einer Kamera im Auto herum. Nicht um andere anzuzeigen. Solange nichts passiert, ist mir das Verhalten anderer egal. Aber bei einem Chlapf habe ich wenigstens einigermassen etwas parat um zu dokumentieren, wie es abgelaufen war. Das ist mein Beitrag zur Prävention von Schaden auf meiner Seite.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Schade, diese eher egoistische Haltung "Hauptsache es hilft mir und wenn z.B. ein Raser andere zu Tode fährt, ist mir dies egal".
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Heimberg (tomfly)
    An all die Überwachungsfanatiker und Möchtegern-Sherifs: Ich hoffe, ihr verhaltet euch im Strassenverkehr perfekt, macht nie, gar nie einen Fehler. Denn ich werde auch eine Cam montieren und beim kleinsten Vergehen zur Polizei gehen. Und bei all denen, die wieder mal nicht wissen wo's lang geht, da vielleicht nicht ortsunkundig, kommt das Filmchen ins Internet unter dem Motto "Schaucht euch diesen Trottel an, hat keine Ahnung wie's geht". Diese Selbsgerechtigkeit ist ätzend.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Hoffentlich versteckt dieser "Datenschützer" sich auch hinter seine Daten wenn er durch eine Unfall selber das Opfer ist. Das leben ist mehr Wert als die Daten!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen