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Maya Graf erklärt ihre Meinung zum Unterstützungsmodell
Aus Tagesschau am Vorabend vom 14.09.2021.
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Debatte um Rentenreform Maya Graf: «Frauenrenten sind nicht existenzsichernd»

Die Diskussionen um die AHV-Reform läuft im Parlament heiss. Ein Knackpunkt ist die finanzielle Unterstützung jener Frauen, die von der Erhöhung des Rentenalters auf 65 direkt betroffen sind. Hier zeigt sich der Ständerat spendabler als der Nationalrat. Wobei das einigen Vertretern und Vertreterinnen in der kleinen Kammer immer noch zu wenig ist – wie etwa Maja Graf.

Maya Graf

Maya Graf

Ständerätin (Grüne/BL)

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Maya Graf sitzt seit 2019 für den Kanton Basel-Landschaft im Ständerat. Die Grüne-Politikerin ist Miteigentümerin eines Biobauernbetriebs und u.a. Co-Präsidentin der Frauenorganisation Alliance F.

SRF News: Heute wurde viel über das Pensionsalter gesprochen. Wissen Sie schon, wann Sie sich pensionieren lassen wollen?

Maya Graf: Wenn ich eine tolle Arbeit habe, und die habe ich, dann arbeite ich auch gerne über mein Pensionsalter hinaus. Das würden viele Frauen auch gerne tun, aber die Bedingung ist, dass sie eine Arbeit haben, die ihnen Freude macht und die gut bezahlt ist, um die Rente aufzubessern.

Leider hat sich bei dieser AHV-Reform aus Frauensicht nichts verbessert.

War das heute ein guter oder ein schlechter Tag für Sie?

Leider hat sich bei dieser AHV-Reform aus Frauensicht, und da spreche ich jetzt von den Übergangs-Generationen, den Frauen 50+, nichts verbessert. Der Ständerat hat jetzt zwar ein Modell gewählt, das etwas fairer ist als vorher...

Es sind immerhin eine Milliarde Franken mehr. Vorher ging es um 2.2 Milliarden, jetzt sind es 3.2 Milliarden Abfederung. Das ist ja nicht wenig.

Es sind 10 Milliarden Franken, welche die Frauen durch die Rentenalter-Erhöhung bis 2030 an die Sanierung beitragen. Und die Übergangsjahrgänge erhalten etwa 32 Prozent davon zurück, um das abzufedern.

Man muss das Gesamtpaket anschauen: 26 Jahre nachdem das letzte Mal das Rentenalter für Frauen angehoben wurde und damals fast 80 Prozent der Mittel, die eingespart wurden, für Verbesserungen eingesetzt wurden, sind wir heute an einem Punkt, wo wir feststellen müssen: Eine AHV-Rente reicht nicht zum Leben.

Es ging aber heute nicht um das Rentenalter 65. Es ging nur um die Kompensation, und Sie haben dieser Kompensation zugestimmt im Rat. Und trotzdem sagen Sie jetzt, es ist eine schlechte Lösung. Das verstehe ich nicht.

Wir diskutieren bei der Differenzberatung immer die Thematik als Ganzes. Und die Thematik ist nach wie vor die, dass nicht die Rentenalter-Erhöhung das Problem ist, sondern dass die Frauenrenten nicht existenzsichernd sind.

Aber die Frauenrenten sind nicht in der AHV ein Problem, das wissen Sie noch besser als ich. Herr Müller von der FDP hat heute im Rat vorgerechnet, dass die Frauen in der AHV sogar im Durchschnitt leicht höhere Renten bekommen als die Männer.

Wir haben ein Rentensystem, in dem die erste, zweite und dritte Säule zusammengezählt werden müssen. Da muss das Gesamtresultat aufgehen. Und das tut es nicht. Wir wissen ja noch nicht, wie die Revision in der zweiten Säule herauskommt, dort haben wir ein Drittel weniger Rente für die Frauen.

Da muss das Gesamtresultat aufgehen. Und das tut es nicht.

Einer ihrer Kollegen hat gefragt: Wie erklären Sie, wenn Sie die Reform ablehnen – und das tun Sie im Moment –, den Frauen mit tiefem Einkommen, dass Sie dann die 240 Franken Zustupf pro Monat nicht bekommen würden?

Diese Frauen würden, wenn es so bleibt wie heute, mit 62 oder 63 schon vorzeitig in Pension gehen können, zum Beispiel die Kassiererin, oder Frauen, die sehr hart arbeiten. Und sie haben, weil sie nicht bis 65 arbeiten müssen, nicht diese Benachteiligung, es geht ihnen nichts verloren.

Ich finde es ein wenig zynisch, wenn man von den Frauen, die schon geringere Renten haben, 10 Milliarden für die AHV-Sanierung nimmt, und dann eine halbe Stunde später bei den Erträgen aus den Negativzinsen der Nationalbank, die bereitliegen, sagt: Nein, die wollen wir nicht, wir lassen lieber die Frauen die AHV sanieren.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau am Vorabend, 14.09.2021, 18:00 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Barrer  (Barrer)
    Das AHV System ist geschlechtsneutral. Dass viele Frauen eine kleine Rente erhalten ist durch deren Erwerbsverhalten verursacht, i.e. Teilzeitarbeit, Unterbrüche in der Erwerbstätigkeit, Arbeit im Niederlohnsektor etc. Verhalten sich Männer entsprechend, gibt es auch für diese nur eine kleine Rente. Statt über kleine Frauenrenten zu jammern, sollten diese das Erwerbsverhalten optimieren.
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Wir haben in der Schweiz das Dreisäulensystem: AHV, PK und private Vorsorge. Hinter allem stehen eine Unzahl von AHV-Kassenstellen, Versicherungen und Banken mit einer Unzahl von Direktionen und überdurchschnittlich bezahlten Managern. Wir täten gut daran, die Altersvorsorge endlich über eine einzige öffentliche Einheitsversicherung zu regeln. Neben der Uebersicht könnte allein schon mit den eingesparten Direktionen einiges zur Sanierung beigetragen werden.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Walter Matzler: Die AHV/ALV/EO ist bereits eine Einheitsversicherung. Aber auch eine AHV braucht Geschäftsstellen, sonst müssten man in Bern einen riesigen Verwaltungsmoloch aufbauen, an den sich alle Einwohner der Schweiz wenden müssten, wenn sie Probleme haben. Den Pensionskassenwildwuchs kann man ganz einfach über freie Pensionskassenwahl lösen. Damit würden die Kleinstkassen verschwinden und es würden sich über den Markt starke effiziente Kassen mit genügend grosser Anlagesumme etablieren.
    2. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Dass die AHV Geschäftsstellen braucht habe ich nicht bestritten, aber auch diesbezüglich ist Handlungsbedarf vorhanden. Jüngstes Beispiel Spesenskandal in der Waadt. Bei der PK kann längst nicht jedermann selber wählen wo er versichert sein will und Wenigverdiener fallen ganz durch die Maschen. Ich würde eine existenzsichernde AHV für alle und Wegfall der PK vorziehen.
    3. Antwort von Susanna Guggisberg  (Seeland0)
      AHV ist eidgenössisch geregelt, jedoch sind regionale Zweigestellen nötig.
      Private Vorsorge: wie die Bezeichnung aussagt, ist privat. Jede Person versichert sich nach eigenem Ermessen.
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Das gilt nicht nur für Frauenrenten, sondern für alle diejenigen mit Einkommen unterhalb der Eintrittsschwelle in die Pensionskassen. Deshalb braucht es ja dringend eine Reform bei der auch das Rentenalter der gestiegenen Lwbenserwartung angepasst wird. Tun wir das nicht werden die Renten immer tiefer ausfallen, was dann genau die ärmsten, um die es ja geht, am härtesten trifft. Lieber 2 Jahre länger arbeiten und dafür eine sichere Rente erhalten, als früher in Pension; dafür mit tiefer Rente.