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Dem Leben ein Ende setzen Verwahrter mit Todeswunsch: «Das Leben hat keinen Sinn mehr»

Legende: Video Verwahrter Sexualtäter will sterben abspielen. Laufzeit 09:32 Minuten.
Aus Rundschau vom 10.10.2018.
  • Der verwahrte Peter Vogt wird bis zum Ende seines Lebens hinter Gittern sitzen.
  • Er will aber mit dieser Perspektive nicht weiterleben und plant deshalb, mit Hilfe von Exit im Gefängnis zu sterben.
  • Das ist ein Präzedenzfall. Die Behörden sind im Dilemma, weil es dafür keine rechtlichen Grundlagen gibt.
Legende: Video Peter Vogt: «Das Leben hat doch gar keinen Sinn mehr» abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.10.2018.

Peter Vogt ist in der interkantonalen Strafanstalt Bostadel im Kanton Zug inhaftiert. Er ist 68 Jahre alt, geht an Krücken, atmet schwer und muss 17 Tabletten am Tag schlucken. Er leidet nach eigenen Angaben unter einer Lungenkrankheit. Die Psychiater attestieren ihm, er sei immer noch gefährlich.

Vogt hat in den 1970er und 1980er Jahren über ein Dutzend Frauen gewürgt und vergewaltigt. Er kam mehrmals ins Gefängnis und wurde viermal verwahrt. Er wird bis zu seinem Lebensende als Verwahrter hinter Gittern sitzen müssen.

Jetzt hat Vogt den Entschluss gefasst, begleiteten Suizid zu begehen. Gegenüber der «Rundschau» spricht er zum ersten Mal über seinen Todeswunsch: «Das Leben hat keinen Sinn mehr», sagt er mit Entschlossenheit. «Was soll ich am Leben bleiben, damit man mich einsperren kann? Die Gesellschaft hat ihre Genugtuung gehabt.»

Legende: Video Laszlo Polgar: «Dem Sühnegedanken der Gesellschaft Rechnung tragen» abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.10.2018.

«Sühnegedanken der Gesellschaft Rechnung tragen»

Die Suizidabsichten von Vogt stellen die Justizbehörden vor ein Dilemma. Denn es bestehen keine rechtlichen Grundlagen. Das schweizerische Kompetenzzentrum für den Justizvollzug hat deshalb von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) den Auftrag erhalten, Grundlagen für den begleiteten Suizid im Gefängnis auszuarbeiten.

Legende: Video Theke: Laszlo Polgar abspielen. Laufzeit 08:21 Minuten.
Aus Rundschau vom 10.10.2018.

Der zuständige Leiter für Justizvollzug (ad interim) im Kanton Bern, Laszlo Polgar, ist skeptisch: «Es kann nicht sein, dass ein Straftäter nach einem Jahr Haft sagt: ‹Mir gefällt das nicht, ich scheide aus dem Leben›». Er betont: «Dem Sühnegedanken der Gesellschaft muss Rechnung getragen werden.» Allerdings deutet Polgar an, dass er sich noch keine abschliessende Meinung gebildet habe.

Der verwahrte Vogt will den begleiteten Suizid notfalls juristisch erstreiten: «Ich habe keine Lust zu ersticken», sagt Peter Vogt im Gefängnis. «Mir geht die Kraft aus. Mein Umfeld kann meinen Wunsch nachvollziehen.» Vogt sagt, ihm seien mehrere Häftlinge bekannt, welche die gleiche Absicht hätten.

Legende: Video Peter Vogt: «Vier Bekannte hier sind auf dem gleichen Weg» abspielen. Laufzeit 00:13 Minuten.
Aus News-Clip vom 09.10.2018.

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87 Kommentare

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  • Kommentar von ursula aaroe (ursulaaaroe)
    Wir sollten ihn unbedingt sterben lassen. Jeder soll über sein leben und sterben entscheiden können. Auch ein häftling. In den usa z.b. ist die todesstrafe die krasseste und höchste bestrafung. Bei uns will einer die todesstrafe freiwillig entgegennehmen! Also lasst ihn es doch tun.
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  • Kommentar von Marianne Burgener (Marianne Burgener)
    Bedenklich, dass so einer eine derart prominente Plattform erhält! Er soll für sich entscheiden, ob er nicht mehr leben will und freiwillig und selber aus dem Leben scheiden. In seiner Zelle, unbemerkt von der Öffentlichkeit. So einer hat es nicht verdient, dass wir über ihn nachdenken. Er hat über seine Opfer wohl bis heute keine Sekunde nachgedacht oder für sie im Nachhinein Empathie empfunden - ist aus seinen Kommentaren gut zu entnehmen. Wahrlich kein Verlust für die Menschheit.
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  • Kommentar von Sharon Ulrich (ulricsha)
    Verwahrung ist keine Strafe, sondern eine Massnahme zum Schutz der Bevölkerung. Deshalb meine ich, dass man in diesem Fall nicht (mehr) von einem Sühnegedanke sprechen soll. Den Todeswunsch müsste er meiner Meinung nach auch als einer in Freiheit lebender Mensch hegen und somit müsste der Ursprung seines Wunsches tatsächlich seiner unheilbaren Krankheit zuzuschreiben sein und nicht dem Fakt ein lebenslang eingesperrter Mensch zu sein. Dies Bedarf meiner Ansicht nach noch einigen Abklärungen...
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