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Schweiz «Der Klimawandel wird uns nicht kalt lassen»

Häufigere Hochwasser, Hitzewellen, sommerliche Wasserknappheit und vermehrter Schädlingsbefall: Das sind gemäss dem neusten Bericht von Schweizer Klimaforschern die Folgen des Klimawandels. Für Skigebiete in mittleren Lagen wird es eng.

Legende: Video Klimawandel trifft auch die Schweiz abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.11.2016.

Schon jetzt ist der Klimawandel in der Schweiz deutlich zu spüren: Seit 1850 stieg die Jahresdurchschnittstemperatur um 1,8 Grad Celsius. Das ist rund doppelt so viel wie die 0,85 Grad im globalen Mittel. Die Folgen: Die Gletscher schwinden, die Schneefallgrenze steigt, es kommt häufiger zu extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, Starkniederschlägen und Hochwassern.

Ein neuer Bericht des Forums ProClim der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz listet nun die zu erwartenden Folgen im Detail auf. Er beleuchtet die Herausforderungen, denen sich speziell die Schweiz im Zuge des Klimawandels gegenüber sieht. Zudem zeigt er Handlungsfelder und Chancen auf, die sich aus der Abkehr von fossilen Brennstoffen ergeben.

Schneefallgrenze steigt

Besonders hart wird es den Tourismus treffen: Bis Ende des Jahrhunderts werde sich die Schneesaison um vier bis acht Wochen verkürzen und die Schneefallgrenze um 500 bis 700 Meter höher liegen als heute, erklärte Klimaforscher Reto Knutti von der ETH Zürich in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Der Mitautor des ProClim-Berichts prognostiziert schwierige Zeiten für viele Skigebiete in mittleren Lagen, beispielsweise im Berner Oberland.

Aber auch die Landwirtschaft wird sich auf grosse Herausforderungen einstellen müssen. Neben der Wasserknappheit werden Pflanzenkrankheiten zum Problem. Schädlinge können sich wegen der wärmeren Temperaturen länger vermehren und stärker ausbreiten. Der Anbau von Winterweizen und Kartoffeln wird durch die Erwärmung erschwert.

Sommerliche Trockenheit

Auch die Städteplanung wird sich künftig auf Hitzewellen einstellen und Wärmeinseln in Städten mildern müssen. Die Hitzewelle im Sommer 2003 führte Schätzungen zufolge zu rund 1000 vorzeitigen Todesfällen in der Schweiz. Im Zuge des Klimawandels wird künftig häufiger mit solch extremen Wetterereignissen gerechnet werden müssen.

Durch das Schmelzen des Permafrosts in den Alpen kommt es zu mehr Steinschlägen und Erdrutschen. Mit dem Rückgang der Gletscher geht zudem ein wichtiger Wasserspeicher zunehmend verloren, was Alternativen nötig macht, um die zunehmende sommerliche Trockenheit zu überbrücken.

Welche Zukunft hat die Schweiz?

«Wir müssen handeln», betonte OcCC-Präsidentin und CVP-Nationalrätin Kathy Riklin an einer Medienkonferenz in Bern, an der der Bericht vorgestellt wurde. Der Klimawandel werde die Schweiz nicht kalt lassen. Zwar müssten die CO2-Emissionen global gesenkt werden, es brauche aber auch das Engagement lokaler Akteure. Besonders auch, um Anpassungen an die veränderten Bedingungen vorzunehmen.

Die Empfehlungen der Forscher und Gutachterinnen reicht von der Förderung energieeffizienter Technologien über bessere Raumplanung, um Pendelwege zu verkürzen, bis hin zu klimabewusstem Konsum. «Dieser Bericht setzt einen neuen Massstab. Er ist ein Muss für jede Person, die sich mit der Zukunft der Schweiz auseinandersetzt», so der Berner Klimaforscher Thomas Stocker.

Mit dem Klimaabkommen von Paris hat sich die Staatengemeinschaft geeinigt, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dafür müssen die Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts jedoch global auf Netto Null gesenkt werden. Derzeit sind durchaus Zweifel angebracht, ob dieses ambitionierte Ziel erreicht wird.

Das sagt SRF-Redaktor Klaus Ammann zum neuen Bericht:

«Die Forscher hoffen, dass die Menschen, wenn sie nun sehen, welche Folgen der Klimawandel in ihrer Region ganz konkret hat, eher bereit sind, beispielsweise eine CO2-Abgabe zu akzeptieren. Die Wissenschaftler sind auch überzeugt, dass sich die Schweiz ohne grössere wirtschaftliche Folgen von fossilen Energieträgern lösen könnte. Die Klimaforscher wollen künftig auch stärker mit der Bevölkerung kommunizieren und versuchen mitzulelfen, reale Probleme klimafreundlich zu lösen.»

«Brennpunkt Klima Schweiz»

Am Papier «Brennpunkt Klima Schweiz» hat ein Netzwerk aus mehr als 70 Klimaforschern und -experten mitgearbeitet. Sie sammelten die für die Schweiz relevanten Daten aus dem letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC und ergänzten sie durch neuere Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Alpenraum.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Mich stimmt die Klimaerwärmung betroffen; dies vor allem, weil der Mensch hier nachweislich das Klima erwärmen hilft. Noch nachdenklicher stimmt mich, dass Leute z. T. die Klimaerwärmung als (fast rein) zyklisch apostrophieren und sich damit selber aus der Mitverantwortung stehlen, zur Verringerung des Treibhausgasausstosses beitragen zu wollen. Materieller und egozentrischer Opportunismus hat hier längst keinen Platz mehr! Besser z. B. in Freizeit weniger Motorfahrzeug und Flugzeug benutzen.
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Hier noch ein Gedanke zum Nachdenken. Interessanterweise konnte man in allen erforschten Warmphasen (kalt und warm wechselt fleissig und zyklisch!) eine erhöhte CO2-Konzentration feststellen, aber niemals zu Beginn, sondern am Ende. Heisst, sie war nicht der Auslöser.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Bei diesen Zyklen haben nicht nur die Treibhausgase ihre Finger im Spiel. Das ist ein sehr komplexer Vorgang. Allerdings hat sich beim letzten Wechsel zur heutigen Warmzeit der Norden erst erwärmt, als die CO2 Konzentration stieg. Sie können gerne mal auf klimafakten(Punkt)de stöbern. Zudem... Bei den letzten Wechseln stieg die CO2 Konzentration sehr selten auf über 300 ppm aber wir haben nun bereits 400 ppm und dies haben wir in gefährlich kurzer Zeit verursacht.
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Ja so denn. Tatsache ist, dass es "dank" der Verbrennung von fossiler Brennstoffe wärmer wird. Für die Gletscher und den Permafrost sieht es nicht gut aus. Aber das ist in Zürich nur halb so tragisch, gellen sie Herr Sand?
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    3. Antwort von Laurent Christen (kritisch bleiben)
      Die zyklischen Klimaschwankungen werden von der Forschung allgemein als Folge der so genannten Milankovic-Zyklen beschrieben und haben in erster Linie wenig mit der CO2-Konzentration zu tun. So weit, so richtig. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Es existieren auch azyklische Klimaschwankungen, und die korrelieren gut mit der Treibhausgaskonzentration. Die theoretische Erklärung für den grosse beobachtbaren Klimaeinfluss dieser Gase liefert die Quantenmechanik.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Die Erwaermung geht auch Euch in der CH nicht am "Arm" vorbei!... Die Extreme werden sich abwechseln..und der Futternapf wird nicht mehr soo voll sein wie bisher... aber das interessiert die Wenigsten, Hauptsache Wirtschaftswachstum..!
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