Armeechef Blattmann Der oberste Offizier tritt ab

Kalter Krieger für die einen, Modernisierer für die anderen: Nach 100 Monaten wird André Blattmann an der Spitze der Armee abgelöst.

André Blattmann hat als oberster Offizier über 125'000 aktive Armeeangehörige soeben eine grosse Reform ins Trockene gebracht. Und trotzdem bleibt in der Erinnerung vieler wohl vor allem eines haften: Die 300 Liter Mineralwasser, die er für den Notfall bunkert. Vor zweieinhalb Jahren vertraute der Schweizer Armeechef dies der Zeitung «Schweiz am Sonntag» an.

Porträt-Aufnahme von Blattmann im Hemd mit Schulterpailletten, er blickt zur Seite. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: André Blattmann war während mehr als acht Jahren Korpskommandant. Keystone

«Ein Kämpfer der alten Garde»

Dies zeige, dass mit Blattmann ein «Kämpfer der alten Garde» abtrete, beschreibt ihn SP-Sicherheitspolitikerin Priska Seiler-Graf. «Etwas verhaftet in der Zeit des Kalten Kriegs.»

Dem widerpricht SVP-Ständerat Alex Kuprecht: «Er brachte sehr moderne Gedanken in die Weiterentwicklung der Armee hinein», so der frühere Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission. Sein Fazit: «Ein Kalter Krieger war Herr Blattmann mit Sicherheit nicht.»

WEA war Blattmann wichtig

Tatsächlich: Ziel der Weiterentwicklung der Armee (WEA) war eine kleinere, schneller einsetzbare Armee. Sie sollte auch auf die Bedrohungen des 21. Jahrhunderts ausgerichtet sein.

Dass die Armee in diese Richtung umgebaut wurde, sei auch Blattmanns Verdienst, sagt Corina Eichenberger. «Er musste Geduld haben, aber seine Beharrlichkeit hat sich gelohnt», so die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats.

Kommando an Rebord übergeben

Kommando an Rebord übergeben
Am 8. Dezember hat André Blattman das Kommando über die Armee an seinen Nachfolger, Divisionär Philippe Rebord übergeben. Korpskommandant Blattmann stand seit 2009 an der Armeespitze. Rebord wird sein Amt offiziell am 1. Januar 2017 antreten.

An der Stabübergabe sagte Verteidigungsminister Guy Parmelin, Blattmann habe die grosse Verantwortung während seiner Amtszeit nicht nur mit Qualität, sondern mit einer enormen Überzeugung und persönlichem Einsatz wahrgenommen. Der Korpskommandant habe die verteilten Stücke der Armee XXI zusammenfügen müssen, die wegen des Mangels an Mitteln nicht richtig habe loslegen können. Trotzdem habe er es geschafft, daraus ein vertrauenswürdiges Instrument zu schaffen.

In Konkurrenz mit dem Zivildienst

Eine gewisse Beharrlichkeit zeigte der Chef der Armee aber auch, wenn es um den Zivildienst ging. Mehrfach warnte er, dieser sei für die jungen Männer zu attraktiv. Wenn zu viele Soldaten zu Zivildienstleistenden würden, bedrohe das den Bestand der Armee.

Diese Haltung sei betrüblich, so SP-Frau Seiler-Graf. Man müsse sich nicht fragen, wieso der Zivildienst attraktiv sei. Vielmehr müsse man die Frage stellen, wieso die Armee so unattraktiv sei: «Wieso schafft sie es nicht, die jungen Männer zu überzeugen?»

Mann in Tarnuniform an einem Rednerpult, er hat die linke Hand erhoben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Philippe Rebord wird als Nachfolger Blattmanns neuer Chef der Schweizer Armee. Keystone

Brückenbauer Blattmann

Blattmann gelang es, Brücken zum zivilen Leben und zur Wirtschaft zu bauen, wie CVP-Sicherheitspolitiker Jakob Büchler seinerseits betont.

So habe der Armeechef stets den Kontakt zu Wirtschaftsvertretern gesucht. Ihnen habe er «seine» Armee vorgestellt und für Verständnis darum geworben, dass die jüngeren Angestellten während einigen Wochen pro Jahr statt im Geschäft in der Armee seien.

Rundschau-Bericht zu Bodluv

8:03 min, aus Rundschau vom 13.4.2016

Die Nerven verloren

Einigkeit herrscht zur Einschätzung, Blattmann sei eigentlich eine ausgeglichene Person gewesen – bis er zuletzt die Nerven verlor: Vor Offizieren verunglimpfte der Chef der Armee «Rundschau»-Moderator und Journalist Sandro Brotz als «Sandro Kotz».

Dieser hatte in der Polit-Hintergrundsendung von SRF auf für Blattmann unliebsame Art über das Luftabwehrsystem Bodluv berichtet. Später entschuldigte sich Blattmann in aller Form für den verbalen Ausrutscher.

Rebord wird neuer Armeechef

3:35 min, aus 10vor10 vom 16.9.2016

«Weniger kritikfähig»

Tatsächlich sei Blattmann zuletzt zunehmend dünnhäutig geworden, stellt SVP-Ständerat Kuprecht fest. «Er war zuletzt weniger kritikfähig als zu Beginn seiner Amtszeit.» Doch Kuprecht zeigt auch Verständnis und sagt, dies bringe der Job als Armeechef wohl mit sich. Auch andere Parlamentarier bringen zum Ausdruck, dass sie sich angesichts der grossen WEA-Reform in Blattmann hineinfühlen könnten.

Und so richten sie das Licht wieder auf das Grosse – weg vom scheinbar kleinen wie dem Mineralwasser-Notvorrat.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Stabübergabe des Armeechefs

    Aus Tagesschau vom 8.12.2016

    Nach sieben Jahren als Chef der Armee übergibt Korpskommandant André Blattmann das Kommando seinem Nachfolger Divisonär Philippe Rebord. Im September hat ihn der Bundesrat gewählt, Amtsantritt ist am 1. Januar.