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Schweiz Der Wert der Bilateralen: Das kostet die Kündigung

Der Bundesrat möchte die Zuwanderungsinitiative umsetzen, ohne dabei die bilateralen Verträge mit der EU zu gefährden. Denn die Wirtschaft, so der Tenor der wichtigsten Verbände, braucht das Vertragswerk. Ob das zutrifft, hat nun die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich untersucht.

Legende: Video Was bringen die Bilateralen unserer Wirtschaft? abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 03.02.2015.

Wenn Jan-Egbert Sturm die Bedeutung der bilateralen Verträge in eine einzige Zahl packen muss, dann kommt er auf 0,2 Prozentpunkte. Laut Sturm, dem Leiter der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH, würde ein Aufkündigen der Bilateralen I das Schweizer Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte schmälern.

Das höre sich erst einmal nach nicht so viel an, erklärt der ETH-Ökonom: «Wenn man das aber über Jahre hinweg kumuliert und von einem langfristigen, alljährlich wiederkehrenden Effekt ausgeht, dann geht es um Milliarden und Abermilliarden.» Und Sturm doppelt nach: Diese 0,2 Prozent seien vorsichtig berechnet.

Technologieschub durch Hochqualifizierte?

Zudem zeigten gewisse Kapitel der Studie, dass die Zahl der Hochqualifizierten in der Schweiz durch die Bilateralen zugenommen hätte – mit folgen für den Wirtschaftsstandort Schweiz: «Es ist dadurch auch wahrscheinlich, dass wir technologisch Schübe bekommen haben.» Schübe – also Fortschritte in der Industrie, im Dienstleistungssektor, in der Forschung, die ohne die zugewanderten hoch qualifizierten Europäer so unter Umständen in der Schweiz nicht möglich gewesen wären, vermutet Sturm.

Wenn die Zuwanderer aus der EU andere verdrängt haben, dann – laut der KOF-Studie – vor allem Zuwanderer aus Übersee: etwa aus Amerika oder Asien. Inländische Fachkräfte seien hingegen kaum vom Arbeitsmarkt verdrängt worden, sagen die ETH-Forscher. Sie wiederholen damit den Befund früherer Studien.

«Zitterpartie» um Bilaterale verunsichert Unternehmen

Sorgen bereitet Sturm derweil die anhaltende Zitterpartie um die bilateralen Verträge. Solange das Verhältnis zur EU nicht geklärt sei, hielten sich Unternehmen tendenziell mit Investitionen zurück. Das zeigen Umfragen, die die KOF im letzten Jahr bei Unternehmen gemacht hat.

Der Konjunkturexperte betont deshalb, wie wichtig eine rasche Einigung mit der EU sei. Je schneller die Situation geklärt werden kann, desto geringer fällt der Kollateralschaden in der Schweizer Wirtschaft aus.

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71 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zekger, 6370 Stams
    Die MEI wird wegen der Aufgabe des Mindestkurses überflüssig. Man muss mit einem massiven Abwanderung von Firmen und Auslaender rechnen. Bals können wir wieder schnaufen in unserem Land.
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    1. Antwort von Niklaus Bächler, Winterthur
      Ihre Analyse kann durchaus wahr werden. Ich bin mit ihnen einverstanden, dass die MEI überflüssig wird. Denn seit dem 15.1. haben sich die Vorzeichen dieser Initiative massgeblich verändert. Glaubt man hingegen den Aussagen der SVP-Meinungsmacher, so hat man diese Gefahr dort noch nicht erkannt. Weiter wird standhaft auf die Regierung eingeprügelt, obwohl die ersten Firmen bereits schon in grossen Schwierigkeiten stecken. Bleibt zu hoffen, dass hierzu die richtigen Schlüsse gezogen werden.
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  • Kommentar von Michael Ende, Zürich
    Die "Bilateralen" sind unilaterale Kolonialverträge, die dem Schweizer Volk ausser immensen Kosten, Menschenmassen und falsche Abhängigkeiten rein gar nichts gebracht haben. Das Schweizer Volk ist frei und muss die EU internen Regeln wie PFZ nicht übernehmen. Alle Handelsbeziehungen sind über die WTO geregelt. Alles andere ist unwichtig. Wir sind und bleiben unabhängig !
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    1. Antwort von Alfred Speiser, Münchenstein
      Wir Leben nicht mehr im Mittelalter und die Schweiz ist keine Insel; das sollte dem Schweizervolk und vor allem den gescheiten Politikern endlich einleuchten.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Doch, wir sind eine Insel. Eine Insel nicht nur der hohen Preise, sondern eben auch eine Insel für Zuwanderer, denn betreffend Sicherheit, Stabilität, guter Löhne, einem sehr gut ausgebautem Sozialwerk, guter Infrastrukturen usw. sind wir eben in Europa tatsächlich eine Insel. Deshalb wollen ja auch so viele hierher kommen. Und Sorry, wenn für Sie Herr Speiser bis 2007 das Mittelalter gewesen ist, sollten Sie die Geschichtsbücher lesen, gell!
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    3. Antwort von Michael Ende, Zürich
      @Alfred Speiser: Solche Märchen haben die deutschen Kaiser den Schweizern schon im Mittelalter einzureden versucht. Damals hiess es, modern ist, wer zum deutschen Reich gehört und das was sich heute in der Schweiz mit "wir" bezeichnet, spricht nicht mehr in jedem Fall zum Wohle der Schweiz !
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    4. Antwort von Urs Müller, Liestal
      Wenn man alle aussenstaatliche Verträge ausser den WTO-Handelsverträgen kündigen würde, dann wäre alles gut? Wie wär es denn, wenn Sie Herr Ende, den Hebel an der Ursache ansetzen würden? Erst mit einem Arbeitsvertrag darf ein EU-Bürger in der Schweiz leben und arbeiten. @ E. Waeden Von welchem gut ausgebauten Sozialwerk sprechen Sie? Viele Länder der EU sind in ihren angesprochen Punkten genauso gut oder sogar besser.
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    5. Antwort von A.Käser, Zürich
      U.M./Ihr Kommentar ist die halbe Wahrheit und "verhebt" nicht.Das wissen Sie selbst am Besten.
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    6. Antwort von Urs Müller, Liestal
      A. Käser Wo habe ich nur die halbe Wahrheit geschrieben? Können Sie mir das etwas ausführlicher beschreiben?
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  • Kommentar von Marlene Zekger, 6370 Stans
    Im "Echo der Zeit" werden die gravierenden Folgen der Aufgabe des Mindestkurses sehr deutlich dargestellt, wie die Reportage über eine Textilfirma zeigt. Sollten wirklich immer mehr Stellen abgebaut und Produktionen ins billige Ausland verlagert werden, dann gute Nacht, Masseneinwanderung !! Es wäre jetzt wirklich unverantwortlich, mit einer neuen Abstimmung die PFZ aus Liebe zur EU rückgängig zu machen. Unsere Regierung trägt eine grosse Verantwortung für die Zukunft unseres Landes.
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    1. Antwort von Niklaus Bächler, Winterthur
      Geschätzte M.Z, würde die MEI wie durch die Initianten gefordert, umgesetzt, dann hiesse es gute Nacht! Die MEI erscheint nach der Aufgabe des Mindestkurses in einem völlig anderen Lichte.Die Arbeitsplätze dürften drastisch gekürzt werden müssen, da der Export markant an Fahrt verliert. Kommt jetzt noch die SVP mit ihrer MEI hinterher, dann entzieht sie diesem Land auch noch einen weiteren Trumpf. Die SVP trägt jetzt eine grosse Verantwortung, nicht die Regierung, wie sie immer darstellen mögen!
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @N. Bächler: Weshalb erscheint die Mei nach Aufhebung des Mindestkurs, wo ja alle Unternehmer genau wussten, dass er nur temporär ist, jetzt in einem anderen Licht. Wenn, denn für die Unternehmer, die Wirtschaft, welche durch die Umsetzung der Mei jetzt wirklich endlich über ihre Bücher gehen müssen. Fertig mit dem Schlendrian, halt einfach mal rasch Arbeitnehmer aus dem Ausland zu ordern, welche, stagniert ein Unternehmen dann einfach verantwortungslos in unsere Sozialsystem entlassen werden.
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    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      Ehr geehrte Frau Zelger oder Zekger(?)hat sich in Ihrem Text nicht ein Widerspruch eingeschlichen?Wollen wir die PFZ aus Lieber zur EU rückgängig machen?Meinten Sie nicht eher die Annahme der MEI?
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    4. Antwort von A.Käser, Zürich
      E.W./Abgesehen davon,dass es gut war die Stützung des EURO aufzugeben,kann man diese Art der "Devisen-Manipulation" auch in Richtung einer Strategie analysieren.Welche damit tatsächlich"gefahren"wird,bleibt abzuwarten.Diverse Komponenten(Insiderwissen)liegen noch nicht offiziell auf dem Tisch.Allem zum Trotz,darf die Hauptstossrichtung,die Wahrung unserer Selbstbestimmung,nicht aus den Augen verloren werden.Das ganze"Spiel"erinnert an die Flucht eines Hasen,der Haken schlägt.
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