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Schweiz Deutsche ärgern sich über Schweizer Einkaufstouristen

Baden-Württemberg will den Einkaufstourismus eingrenzen und fordert eine sogenannte Bagatellgrenze. In Zukunft sollen Schweizer für Einkäufe unter 50 Euro nicht mehr die Mehrwertsteuer zurückfordern können. Am Freitag entscheidet der deutsche Bundesrat.

Legende: Video Mehrwertsteuer-Rückerstattung soll begrenzt werden abspielen. Laufzeit 4:02 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.02.2016.

Die Stimmung in Lörrach oder Konstanz droht allmählich zu kippen. Trotz des grossen wirtschaftlichen Profits für die lokale Wirtschaft ärgern sich viele über die negativen Auswirkungen des Einkaufstourismus:

Staus an den Grenzübergängen, verstopfte Strassen und Parkhäuser in den Innenstädten, Schlange stehen in den Kaufhäusern. Alina Räuber aus Schopfheim bringt den Konflikt auf den Punkt: «Die Wirtschaft profitiert natürlich. Aber für uns Konsumenten ist das echt ätzend.»

Druck auf Finanzminister Schäuble machen

Abhilfe schaffen soll eine Bagatellgrenze. Nur wer pro Einkauf mehr als 50 Euro ausgibt, soll einen grünen Zettel kriegen und damit die Mehrwertsteuer – oft 19 Prozent – zurückfordern können.

Die Wirtschaft profitiert natürlich. Aber für uns Konsumenten ist das echt ätzend.
Autor: Alina RäuberEinwohnerin von Schopfheim

Das fordert nicht irgendwer, sondern die rot-grüne Regierung von Baden-Württemberg. Schon vor einem Jahr war das Bundesland in Berlin mit dieser Forderung abgeblitzt, jetzt versucht man über die Länderkammer, den Bundesrat, Druck auf Finanzminister Schäuble zu machen.

Das Gewerbe ist dagegen

Eine Umfrage in Lörrach zeigt: Viele Einwohner wünschen sich weniger Einkaufstouristen. Ganz anders die Ladenbesitzer: Für die 50-Euro-Grenze ist kaum einer, obwohl der administrative Aufwand gross ist.

Die Kunden aus der Schweiz sind zu wichtig fürs Geschäft. Das Schuhhaus Werdich zum Beispiel rechnet, dass jeder zweite Kunde aus der Schweiz kommt. Die Ladenbesitzer befürchten darum stattliche Umsatzeinbussen.

Die Zollbeamten leiden

168 Zollbeamte sind mittlerweile in Baden-Württemberg mit dem Abstempeln der grünen Zettel beschäftigt. Bundesratsminister Peter Friedrich aus Konstanz, der die Bagatellgrenze initiiert hat, rechnet vor, dass die Hälfte aller Mehrwertsteuerzettel Einkäufe unter 50 Euro betrifft. Das heisst: die Bagatellgrenze würde die Zollbeamten massiv entlasten.

Diese sind nicht nur gestresst, sondern werden laut Gewerkschafter Wolfgang Kailer auch zunehmend von ungeduldigen Schweizer Einkaufstouristen angepöbelt. Kailer fordert seit längerem eine Bagatellgrenze. Für ihn könnte diese auch gerne bei 100 Euro liegen.

In Lörrach, Weil am Rhein und Konstanz wartet man nun gespannt, ob der Bundesrat am Freitag die Klagen aus Baden-Württemberg erhört.

63 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Ja, auch wir können uns täglich über die oftmals unglaubliche Arroganz vieler hier wohnenden Deutschen aufregen! Nur, das mit dem Einkaufstourismus, stört auch mich: Es ist eine egoistische und arbeitsplatzvernichtende Unsitte in der Konsum- und Spassgesellschaft "Schweiz", die Bauern zu kritisieren, gegen die Masseneinwanderung zu sein, mehr zu verdienen im Job, als in Deutschland und dann im Ausland möglichst günstig einzukaufen! Wasser predigen und Wein saufen, nennt man dieses Verhalten!
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      R.B., wetten, dass praktisch in jedem Gegenstand, den sie erwerben, im Ausland hergestellte Komponenten enthalten sind? Wetten, dass ihr Auto, Fernseher, Computer, Kleider & grosse Teile ihres täglichen Bedarfs ausländischen Ursprungs sind? Wetten, dass ihre Bauern im Ausland Maschinen & Düngemittel kaufen?-Es ist heuchlerisch & weltfremd, hier dem kleinen Mann das vorzuwerfen,was die Industrie & Generalimporteure längst tun. Ein Witz! Das. R.B. nennt man Globalwirtschaft, auch für den Bürger!
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    2. Antwort von K. Räschter (K. Räschter)
      @Niklaus Bächler (parteilos!!), Winterthur: Das ist wieder einmal typisch für Sie. Völlig am Thema vorbei ein bisschen bla, bla ins Forum schreiben. Hier geht es um den Einkauf des End-Kunden, nicht wo etwas produziert wurde. Das ist logisch, dass nicht alles in der Schweiz gemacht wird (Bsp. Autos). Aber zum Bsp. bleibt der Arbeitsplatz in der Schweiz, wenn ich mein Shampoo im Laden in der Schweiz kaufe und nicht im Ausland, nur weil es billiger ist. Das Verkaufspersonal hat so schon schwer.
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  • Kommentar von K. Räschter (K. Räschter)
    Ich begreife einfach nicht unsere Einkaufstouristen, welche nach Deutschland zum Einkauf reisen. Wir bringen denen Geld und Jobs ins Land zulasten unserer Arbeitsplätze und werden dafür noch beschimpft. Geht's eigentlich noch. Falls es viele noch immer nicht bemerkt haben, werden die deutschen "geiz-ist-geil" Preise von ganz Europa quer-subventioniert, nicht nur in der Schweiz. Geht mal Griechenland, Spanien, usw. Dort findet ihr zum Bsp. für Nivea die gleich hohen Wucherpreise wie bei uns.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Ist doch gut, wenn Deutsche ihrem Ärger über Schweizer Luft machen, das mache ich schliesslich auch hier in der Schweiz, wenn mich die Arroganz gewisser Deutschen nervt.
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    1. Antwort von K. Räschter (K. Räschter)
      Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, bringen gerade die Leute, über welche sich die Deutschen so ärgern, Geld und Arbeit in ihr Land. Das ist wohl ein Unterschied, über das was Sie sich ärgern. Ich ärgere mich auch vielmals über die Grenzgänger von (D)rüben, welche alles besser wissen wollen; aber eben nicht können.
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