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Schweiz Die Frage nach der Sicherheit

Nach der Messerattacke in einem Zug nahe Salez (SG) sitzt der Schock tief. Gleichzeitig tauchen erste Fragen nach der Sicherheit auf. Lässt sich eine solche Tat verhindern? Und wenn ja: Was muss allenfalls geändert werden?

Legende: Audio Ruf nach mehr Polizei im Zug abspielen. Laufzeit 03:23 Minuten.
03:23 min, aus Echo der Zeit vom 14.08.2016.
  • Securitrans-Chef Martin Graf: Sicherheitskonzepte überdenken

Der Messerangriff in einem Zug im Kanton St. Gallen stellt nach Einschätzung von Experten das bisherige Einsatzkonzept von Bahnsicherheitsfirmen infrage. Das jedenfalls meint Martin Graf, Geschäftsführer der Sicherheitsfirma Securitrans.

Er selber habe seinen Auftraggebern bei der Bahn schon früher geraten, dass man «die Bahnhofspräsenzen» des Sicherheitspersonals «auf 24 Stunden verteilen» müsse, stellt Graf gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» fest.

An grossen Bahnhöfen sei seine Firma schon heute rund um die Uhr präsent. Anders ist die Situation an den kleineren. Dort sollten seine Leute nicht nur nachts, sondern auch tagsüber präsent sein, fügt Graf hinzu. Das sei auch ohne Personalaufstockung möglich: «Es braucht aber den Mut, die Präsenz in einzelnen Nächten zu reduzieren.»

Die Sicherheitsleute von Securitrans kommen nach Informationen des Blattes in jenen Zügen zum Einsatz, für die das Personal der SBB-Transportpolizei nicht ausreicht. In den Zügen und Bahnhöfen um Salez waren die Dienste der Sicherheitsfirma hingegen bisher nicht gefragt. «Das ist eine sehr ruhige Gegend», sagt Graf.

  • VöV-Direktor Stückelberger: «Wichtig, dass sich die Passagiere sicher fühlen»

Bestürzt hat Ueli Stückelberger, der Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV), auf den Angriff auf Zugpassagiere reagiert. Er könne sich an einen ähnlichen Fall nicht erinnern, betont er gegenüber «Schweiz am Sonntag»: «In diesem Ausmass ist das neu.»

Nach seiner Auffassung ist die objektive Sicherheit im öffentlichen Verkehr unvermindert hoch. Doch es gebe auch die subjektive Sicherheit: «Es ist wichtig, dass sich die Menschen in unseren Verkehrsmitteln sicher fühlen. Das müssen wir sehr ernst nehmen». Dazu beitragen würden saubere Züge und vor allem eine genügende Präsenz von Personal, insbesondere am Abend. Hier habe es in den letzten Jahren Verstärkungen gegeben.

Dennoch: Die meisten Regionalzüge tagsüber fahren unbegleitet durchs Land. «Das wird der Normalfall bleiben und lässt sich nicht ändern», erklärt Stückelberger gegenüber dem Blatt. Und fügt hinzu: «Unser öffentliches Verkehrssystem lebt davon, dass es keine Spinner und kein Terror gibt. Es könnte nicht mehr funktionieren, wenn man das Schienennetz oder die Tunnels sichern oder bei den Passagieren Gepäckkontrollen durchführen müsste.»

  • Hans Altherr, VR-Präsident der Südostbahn: Keine voreiligen Schlüsse

Nach dem Vorfall war auch Hans Altherr, Verwaltungsratspräsident der Südostbahn, am Tatort. Auch er habe «schon bedrohliche Situationen erlebt, aber noch nie an einem Samstagnachmittag», erklärt er gegenüber «Schweiz am Sonntag».

Vor allem nachts habe es bisher manchmal Probleme gegeben. Er wisse, dass die Sicherheitsmassnahmen in der Nacht verstärkt worden seien. Nach dem Vorfall wolle er das Sicherheitskonzept nicht auf den Kopf stellen: «Ich würde im Moment alles lassen wie gehabt. Wir müssen nun abwarten.»

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Kranke Leute wird es immer geben. Die Gesellschaft bringt sie hervor. Komplett falsch ist es, die Sicherheitsschraube anzuziehen, das bringt nichts (wäre aber eine typische Leuthard-Symptombekämpfung). Vielmehr muss das Vertrauen in die Gesellschaft vorhanden sein. Genau dieses Vertrauen wird mit übermässiger Zuwanderung, verdichtetem Bauen und volksfremden Politikern zerstört. Letztendlich fängt der Fisch am Kopf an zu stinken und dieser Kopf sind unsere politischen Parteien....
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Was das verdichtete Bauen mit dem Vertrauen in die Gesellschaft zu tun haben soll, erschliesst sich mir leider nicht, Herr Ducrey. Gewisse Politiker hingegen arbeiten unablässig darauf hin, dieses Vertrauen zu vermindern, indem sie die Organe dieser Gesellschaft angreifen, schlecht reden und ihre Vertreter verunglimpfen. Nein, Frau Leuthard gehört da nicht dazu. Das Anziehen der Sicherheitsschraube ist übrigens vor allem ein Anliegen der äusseren Rechten...
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    2. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      JP Ducrey, bin zwar auch der Meinung, diese widernatürliche Massenkäfighaltung in öder Betonwüste, Elektroniksucht, synthetischen Freizeitbeschäftigungen usf sind speziell für unsere Jugend keine guten Voraussetzungen für ein qualitätvolles Leben. Aber gegen mehr oder minder korangetreue Erziehung+Indoktrination ist kein Kraut gewachsen. Das kann auch nicht als krank bezeichnet werden, eher als Kultur, denn umgekehrt ist in ihren Augen unsre Gesellschaft abtrünnig und eh nicht vertrauenswürdig.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Kuscheljustiz" für wirkliche Gewalttäter!! Rigides Strassenverkehrsgesetz!! Verhältnismässigkeit wehr als fragwürdig???
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Das "rigide Strassenverkehrsgesetz" war ja mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ausschlaggebend für die Motivation des Täters! Man sollte es sofort verkuscheln! Wenn man sich im Zug nicht sicher fühlen kann, sollte das auch im Strassenverkehr nicht der Fall sein! *facepalm*
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  • Kommentar von Lucas Schweizer (Ama et fac quod vis!)
    Sicherheitsdienste können nichts gegen Amokläufer oder Terroristen ausrichten, weder haben sie die Ausbildung noch die Ausrüstung, nur die Polizei alleine braucht mehr Waffen und mehr Polizisten ! Es ist noch nicht lange her, als die Schweiz so dumm war und die Sicherheitspolizei mit Sturmgewehre und Gepanzerten Fahrzeuge abgeschaft hat.
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