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Lawinenprognosen sind ein Gemeinschaftswerk
Aus Regionaljournal Graubünden vom 16.12.2020.
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Die Lawinenwarner aus Davos Das Bulletin, dem die Tourengänger vertrauen, wird 75

Im Dezember 1945 publizierte das SLF in Davos das erste Lawinenbulletin. Viel ist seit dann in der Prognostik passiert.

Das Lawinenbulletin des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos ist für Menschen, die sich im Winter in den Bergen bewegen, nicht mehr wegzudenken. Viele verlassen sich auf die Einschätzungen der Lawinenprognostiker. Die Verantwortung, die sie tragen, ist dementsprechend gross.

Klar sind wir unter Strom.
Autor: Benjamin ZweifelLawinenprognostiker

«Klar sind wir unter Strom, wenn wir schwierige Prognosen haben», erklärt Benjamin Zweifel, er ist Lawinenprognostiker am SLF. «Allerdings», sagt er, «Prognosen sind nie Einzelentscheide, wir stützen sie mit weiteren Personen ab.»

Männer um Karte
Legende: Welche Gefahrenstufe herrscht in welchem Gebiet? Die Lawinenprognostiker besprechen ihre Einschätzungen gemeinsam. SLF

Am Schluss müsse ein Tourengänger oder eine Tourengängerin im Feld aber selbständig einschätzen können, ob er oder sie einen Hang befahren soll. «Diese Entscheidung können wir mit unserer Prognose nicht abnehmen.»

Um die Gefahrenstufe zu beurteilen, greifen die Experten in Davos auf verschiedene Daten zurück, die ihnen rund 200 Beobachterinnen und Beobachter täglich liefern. Das können Bergführer sein, die ihre Eindrücke zur Lawinensituation schildern oder auch Personen, die im Garten ein Messfeld haben und Schneehöhe und Neuschneemenge erfassen und ans SLF senden.

Früher gab es keine detaillierten Prognosen

1945 wurde das erste Lawinenbulletin des SLF publiziert. Davor war die Lawinenwarnung Sache der Armee. Das erste zivile Bulletin wurde am 21. Dezember 1945 in der «Neuen Zürcher Zeitung» abgedruckt. Von detaillierten Prognosen für die einzelnen Regionen war man damals noch weit enfernt.

Es hiess lediglich, die Lawinengefahr im Nordtessin sei sehr hoch und dass man im übrigen Alpengebiet mit Schneebrettlawinen, in tieferen Lagen mit Nassschneelawinen rechnen musste. Auch eine Warnung wurde mit auf den Weg gegeben:

Man lasse sich durch die harmlos erscheinenden aperen Stellen, die infolge der Verwehungen entstanden sind, nicht täuschen!
Autor: Aus dem LawinenbulletinNZZ
Erstes Bulletin
Legende: Das erste Lawinenbulletin wurde am 21. Dezember 1945 in der Neuen Zürcher Zeitung publiziert. NZZ

Damals konnten die Forschenden in Davos auf die Daten von rund 20 Beobachtern zurückgreifen. In den Anfängen wurde ein Lawinenbulletin pro Woche veröffentlicht. Mittlerweile publiziert das SLF in den Wintermonaten zwei Lawinenbulletins täglich. Für rund 100 Teilgebiete in den Alpen wird jeweils die Lawinengefahr eingeschätzt.

Mann mit Kegelsonde
Legende: Für die Schneedeckenuntersuchung kamen in den Anfängen der Lawinenprognostik sogenannte Kegelsonden zum Einsatz. SLF

Ursprünglich sei das Bulletin vor allem für die Sicherheit der Bergbevölkerung gedacht gewesen, erklärt Prognostiker Zweifel. «Es ist darum gegangen zu beurteilen, wann Lawinen Siedlungen treffen könnten oder auch die Verkehrswege.» Heute richtet sich das Lawinenbulletin vor allem auch an die vielen Freizeitsportler, die sich im Winter in den Bergen aufhalten.

Tourengänger
Legende: Tourengängerinnen und Tourengänger in der ganzen Schweiz verlassen sich auf das Lawinenbulletin des SLF. SLF

Auch wenn das heutige Lawinenbulletin bereits deutlich ausführlicher ist als in den Anfängen, kann sich Benjamin Zweifel vorstellen, noch besser zu werden. «Wir wollen noch genauer werden, allenfalls könnten wir auch noch mehr Warnungen publizieren künftig, da gibt es noch Potential.»

16.12.2020 Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von thomas guggisber  (top)
    Backcountryexplorer hiess zu meiner Zeit Zurück zur Natur und eigenes Gemüse anpflanzen .Meiner Menung nach haben ausser Menschen auf der Fluch und in Not ,Wilderer und Maiensäss und Alphüttenverantwortliche im Winter in den unbewohnten Zonen nichts verloren ,auch nicht die Gebirgsgrenadiere.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    "Man lasse sich durch die harmlos erscheinenden aperen Stellen, die infolge der Verwehungen entstanden sind, nicht täuschen!"
    Eine Basisaussage die heute noch gilt! Klar gibt es neueste tools die sogar den Auslaufbereich potentieller Lawinen anzeigen. Nur nützt uns das alles nichts, wenn sich der Aktive, der sich ausserhalb gesicherter Bereiche bewegt, nicht dennoch vertieft mit der Gefahr/dem Risiko auseinandersezt. Und dazu hat das WSL ganz gute Grundlagen im "Angebot". Danke!
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  • Kommentar von tom rosen  (tom rosen)
    Das SLF hat mit seinen Real- und Labor-Wissenschaftlichen Erkenntnissen seit Jahrzehnten eine vielschichtige Betrachtung der winterlichen Bergwelt und ihrer Herausforderungen geliefert. Wir Tourengänger, Bergführer, Sportfilmer und Backcountry-Discoverer (und ...innen) konnten so viele zusätzliche Informationen in unsere erfahrungsbasierte Beurteilung der jew. Situation einfliessen lassen. Danke! Übrigens steht das Beitrags-Bild absolut konträr zu diesen Erkenntnissen. 8er(!)-Gruppe, 0 Abstand.
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