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Schweiz «Die Neonazi-Szene ist für junge Männer nicht mehr attraktiv»

Rechtsextreme machen Schlagzeilen: Nach den beiden Konzerten in der Ostschweiz sorgen jetzt Hasssongs gegen Prominente für Gesprächsstoff. Für Neonazis aus dem Ausland ist die Schweiz zwar attraktiv. Doch hierzulande findet die braune Szene kaum mehr Zulauf.

Springerstiefel, aufgenommen einer Neonazi-Demo in Deutschland.
Legende: Rechtsextremes Gedankengut ist nicht auf dem Vormarsch – trotz der aktuellen Schlagzeilen. Keystone

Mit Morddrohungen gegen die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch oder Moderator Kurt Aeschbacher hetzen Schweizer Neonazi-Bands gegen Prominente. «Das ist verabscheuungswürdig, aber leider nicht neu», sagt Hans Stutz, Kenner der Schweizer Rechtsextremen-Szene.

Zahlreiche ähnliche Songs habe die Neonazi-Szene bereits in der Vergangenheit produziert. Die Hasslieder gegen Mauch seien zudem bereits drei Jahre alt. Nach dem Toggenburger Nazi-Grosskonzert stehe die rechtsextreme Szene wieder vermehrt im Fokus. Deshalb seien die Lieder wieder in den Medien aufgetaucht.

Szene nicht mehr gewachsen

Von einem neuen Neonazi- oder Skinhead-Boom kann man laut Stutz aber nicht sprechen. Im Gegenteil, in der Deutschschweiz ist die Subkultur der Nazi-Skinheads nicht gewachsen, da sie keine neuen Mitglieder gewinnen konnte. «Sie scheint nicht mehr so attraktiv zu sein für junge Männer.»

Deshalb liegt der Altersdurchschnitt bei den aktiven Neonazis heute bei deutlich über 30 Jahren, wie Stutz weiter sagt. 1200 Mitglieder – vorwiegend Männer – werden laut dem Schweizer Nachrichtendienst der Szene zugerechnet.

Auch deutsche Szene stagniert

Auch in Deutschland ist die Neonazi- und Skinhead-Szene seit Jahren in etwa gleich gross. Der Verfassungsschutz zählt 20‘000 bis 25‘000 Personen dazu. Die Flüchtlingsproblematik sowie der Aufstieg der ausländerfeindlichen Pegida habe der ultrarechten Szene keine neuen Anhänger gebracht, sagt Fabian Wichmann. Er ist Mitarbeiter von Exit Deutschland, einer Organisation, die Aussteiger aus der rechten Szene unterstützt.

Allerdings hätten die Straftaten durch Neonazis und Skinheads in Deutschland deutlich zugenommen, was einen Zusammenhang mit Pegida und der Flüchtlingspolitik habe.

Deutsche organisieren Konzerte im Ausland

Deutsche Neonazis führten zudem immer mehr Konzerte im Ausland durch, so Wichmann: «Wir sehen, dass rechtsextreme Konzerte insbesondere auch aus Deutschland in benachbarten europäischen Ländern organisiert und umgesetzt werden. Wir haben ein ganzes Geflecht an Kooperation, und da ist die Schweiz ein Land.»

Aber auch in Italien und Frankreich fänden häufig Veranstaltungen von Skinheads mit deutscher Beteiligung statt. Die deutschen Neonazis weichen laut Wichmann auf andere Länder aus, weil in Deutschland strengere Gesetze gelten. Komme hinzu, dass der deutsche Verfassungsschutz und die Polizei die rechtsextreme Szene permanent überwachten. «Die Bands, die dort auftreten, werden von den Veranstaltern so ausgesucht, dass es keine Probleme gibt.»

Laschere Gesetzesanwendung in der Schweiz

Ein Konzert in der Grössenordnung von Unterwasser und mit solchen Bands wäre in Deutschland ziemlich sicher verboten worden, so Wichmann. Dem stimmt sein Schweizer Kollege Hans Stutz zwar zu, betont aber, dass es in der Schweiz keine strengeren Gesetze brauche. Laut Stutz würde es reichen, die bestehenden konsequent anzuwenden. «Das Problem ist, dass die Gesetzesverstösse gar nicht dokumentiert werden.»

Auch in Unterwasser sei die Polizei wieder passiv geblieben. Deshalb plädiert Stutz für die konsequente Anwendung der bestehenden Schweizer Gesetze. Wenn klar sei, dass man auch in der Schweiz bei Verstössen gegen das Antirassismusgesetz mit Sanktionen rechnen müsse, würden sich Neonazis und Skinheads aus Deutschland zweimal überlegen, ob es sich wirklich lohnt, solche braunen Konzerte in die Schweiz auszulagern.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Salafisten, Links- und Rechtsextreme, kriminelle Grossfamilien, bildungsferne Gewalttäter aus der Reitschule, Hassprediger- und Terrorfinanzierer, Unterstützer des Daesh (IS), Schwarzer Block, Syrienrückkehrer und jetzt auch noch Terrorclowns! Oder vielleicht wird man einfach älter...
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  • Kommentar von paul waber (sandokan)
    Die Neonazis sind die Spitze des Eisbergs. Dass sich aber in der Bevölkerung still und heimlich eine latente Fremdenfeindlichkeit breit macht, kommt nicht von ungefähr und ist bedeutend gefährlicher....
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Ich bin sehr erfreut darüber, dass sie diese Gefahr nun auch zu erkennen scheinen.Genau gegen diese gefährliche Tendenz kämpfe ich seit Jahren und warne vor diesem schlummernden Fremdenhass.Und ja, diese stille geradezu schleichende Fremdenfeindlichkeit klage ich an.Helfen sie mit, genau diese Tendenzen zu unterbinden.
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    2. Antwort von paul waber (sandokan)
      @Bächler. Meine besten Freunde sind Secondos und die regen sich am meisten über die zügellose Einwanderung auf. Es ist eben kontraproduktiv, alle, die gegen Masseneinwanderung sind, in den Rassistentopf und in die Schwachkopfecke zu werfen. Genau diese undifferenzierte Haltung vieler Multikultis treibt die Leute in die Fremdenfeindlichkeit. Wenn man die Bedenken der Bevölkerung nicht ernst nimmt, rächt sich das....
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    3. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Sie irritieren mich nun aber doch etwas.Es geht eben bei dieser Frage nicht nur um die Secondos,sondern um viele Einzel-,bzw. Massenschiksale.Ihre Haltung widerspricht sich nun etwas.Für mich beginnt das Problem der Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass eben nicht erst beim Afrikaner,sondern auch schon bei ihren Freunden.Dies alles ist eine generelle Frage der Respektierung der Menschenwürde,der Religionsfreiheit & des Geschlechtes.Relativieren wir also nicht & kämpfen gegen diesen Hass!
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    4. Antwort von paul waber (sandokan)
      @Bächler. Zu Ihrer Beruhigung: Ich bin kein Ausländerhasser, erkenne aber dass die Immigrationsproblematik eine Frage des Masses ist. Meiner Meinung nach ist die Einwanderung nach Europa viel zu hoch und genau das befeuert die Fremdenfeindlichkeit. Schuld daran, sind die Wirtschaft, die Multikultis und die Linken, welche diese Zusammenhänge nicht sehen oder bewusst in Kauf nehmen....
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  • Kommentar von Walter Schmid (W. Schmid)
    Macht nur so weiter mit der uferlosen Zuwanderung, Flüchtlingen und Asylbewerber. Der Zulauf zur Neonazi-Szene wird irgendwann schlagartig erfolgen, mehr als uns lieb sein wird. Aber die Politik der Linken ist der Förderer der rechten Szene. Nur die Linken und Gutmenschen wollen dies einfach nicht einsehen. So lange die Welt besteht, ein extremes System (zur Zeit massiv linkslastig) wird durch das Gegenteil abgelöst.
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    1. Antwort von Martin Ebersold (wederLinksnochRechts)
      die Erde ist rund. Geht man ganz nach rechts, kommt man ganz links wieder raus
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    2. Antwort von Hans Hämmerli (Hans Hämmerli)
      Man kann auch an allem den Ausländern die Schuld geben bei euch stramm Rechten. Ausländer sind Schuld, dass Sie geschlagen werden? Manche Leute biegen sich alles so zu recht bis es ihnen ins Bild passt.
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    3. Antwort von M. Fretz (MFretz)
      Es sind immer die anderen schuld, wenn die Rechten zu Nazis werden..Selbstverantwortung und Selbstachtung sind wohl Fremdwörter für Sie. Wer Nazis wählt oder selbst einer ist, ist dies aus eigener Dummheit, aber nicht weil andere politische Meinungen ihn dort hin schieben.
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