Die Polizei schickt Brückenbauer in die Moscheen

Der Kanton Zürich versucht, Radikalisierung in Moscheen vorzubeugen. Die Kantonspolizei besucht muslimische Kulturvereine und baut eine Beziehung zu den Verantwortlichen auf. Das sei der einzige Weg, um über heikle Themen sprechen zu können.

Innerhalb der Zürcher Kantonspolizei gibt es 15 so genannte Brückenbauerinnen und Brückenbauer. Sie gehören zur Abteilung Gewaltschutz. Um eigentliche Gewalttaten gehe es bei ihrer Arbeit aber nur selten, sagt Claudia Brandenberg. Die 42-jährige Polizistin ist Brückenbauerin im Bezirk Meilen. Bei ihrer Arbeit sei in erster Linie ein guter Kontakt zwischen der Polizei und der muslimischen Bevölkerung wichtig, etwa zu Präsidentinnen und Präsidenten der Kulturvereine und zu Imamen: «Ein Erstkontakt läuft über das Telefon. Wir machen einen Termin ab und gehen vorbei.»

Die Türen der Vereinslokale, Moscheen und Gebetsräume stünden offen, so Brandenberg. Misstrauen gegenüber der Polizei sei nicht zu spüren. Die Brückenbauer seien auch dazu da, um Vorurteile abzubauen. Sie wollen zeigen, dass die Polizei in der Schweiz keine Bedrohung sei.

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Bildlegende: Der Kontakt zu muslimischen Kulturvereinen soll verhindern, dass sich Menschen unbemerkt radikalisieren. SYMBOLBILD. Keystone/Archiv

Einladung zum Fastenbrechen

So organisiert die Polizei Informationsveranstaltungen, zum Beispiel zum Thema Sicherheit im Alter und im Gegenzug laden die Vereine die Brückenbauer zu Festen wie dem Fastenbrechen ein. «Es war eine sehr herzliche Einladung. Wir sind in zivil hingegangen. Wir wurden begrüsst und vorgestellt. Es herrschte eine grosse Ehrlichkeit und Offenheit. Alle wussten, dass wir von der Polizei sind.»

So entstehe mit der Zeit eine Vertrauensbasis zwischen der Polizei und den Vertretern der muslimischen Gesellschaft. Erst dann sind laut Brandenberg mit den Imamen und Vereinspräsidenten auch Gespräche über heiklere Themen möglich: «Der Punkt Radikalisierung kommt immer zur Sprache, bei jedem Besuch. Wir möchten wissen, ob sie wissen, welche Gäste in ihren Räumen ein- und ausgehen. Sie halten deshalb die Augen und Ohren offen, um es möglichst früh zu erkennen, falls das Thema in ihrem Verein konkret wird.»

Die Brückenbauer selbst ermitteln nicht bei Hinweisen auf Radikalisierungen, aber sie sollten die ersten Ansprechpartner sein, ergänzt Thomas Gerber, der Leiter der Fachstelle Brückenbauer. Wichtig sei, dass ein Gegenüber nicht gleich polizeiliche Konsequenzen befürchten müsse: «Man kann auch mal einen Fall anonym besprechen, in einem präventiven Sinn. Das tun wir, wenn wir erkennen, wo es nötig ist, dass wir eingreifen.»

Erhalten die Brückenbauer konkrete Hinweise, zum Beispiel auf eine Radikalisierung, übernehmen die Spezialisten der Präventionsabteilung. Diese schätzen das Radikalisierungs-Potenzial mittels eines Fragebogens ein. Besteht tatsächlich ein Risiko, spricht die Kantonspolizei die gefährdeten Leute direkt darauf an.

Effiziente Wachsamkeit

Dies ist besonders effektiv, wenn beispielsweise Jugendliche noch am Anfang ihrer Radikalisierung stehen. Es lasse sich nicht alles verhindern, sagt Thomas Gerber, aber mit den Brückenbauern habe die Polizei den besten Draht zu den Verantwortlichen in den Moscheen und Kulturvereinen. «Wenn die Leute plötzlich zu uns kommen und uns fragen, wie sie uns in unserer Arbeit unterstützen können, dann sind das sehr positive Schritte, die zu einer gemeinsamen Verantwortung führen.» So trage die Arbeit der Brückenbauer dazu bei, dass der Kanton Zürich sicherer sei.