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Schweiz Die Schweiz diskutiert die Einführung des «Chlorhuhns»

Schweizer Pouletfleisch ist oft stark belastet – mit Antibiotika-resistenten Keimen. Experten schlagen Alarm und rütteln an einem Tabu: Pouletfleisch soll nach der Schlachtung chemisch behandelt werden, zum Beispiel mit Chlor.

Legende: Video Chlordusche für Geflügelfleisch abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.11.2016.

Die neuesten Zahlen, die heute veröffentlicht wurden, sind alarmierend: 65 Prozent von allen Schweizer Pouletfleischproben sind mit sogenannt ESBL-bildenden Bakterien belastet. Diese zerstören wichtige Antibiotika. Das Problem ist seit Jahrzehnten erkannt. Aber die Situation hat sich eher verschärft.

Vor allem Pouletfleisch ist mit vielen gefährlichen Keimen belastet. Einer der Gründe: Die Schlachtmethode, die das Problem verschärft. Die Bakterien sind ursprünglich im Darm und gelangen dann beim Schlachten überall hin.

Chlor ist ein wirksames Mittel

Hier will Professor Roger Stephan, Direktor des Instituts für Lebensmitteltechnologie von der Universität Zürich ansetzen. «Wir sollten am Schluss des Schlachtprozesses das Fleisch behandeln, um die Kontamination zu reduzieren», sagt Roger Stephan im Interview mit SRF. In Frage kommen auch chemische Substanzen wie Chlor oder Peressigsäure, sagt der Experte. Damit fordern Fachleute in der Schweiz eine Massnahme, die in den USA bereits üblich ist – in Europa jedoch vielen als Sinnbild einer verfehlten Fleischproduktion gilt.

Aber Stephan hält fest: Untersuchungen an seinem Institut hätten ergeben, dass Chlor zu den wirksamsten Mitteln zählt und richtig angewendet keine gesundheitsschädliche Folgen hat.

Gefährliche Keime oder Chlor?

Grundsätzlich müsse man in der Tiermedizin Antibiotika möglichst sparsam einsetzen. Das Problem müsse auch an der Wurzel angegangen werden. Doch was die Übertragung dieser gefährlichen Keime auf den Menschen betrifft, müsse man nun endlich einen Schritt vorwärts machen. «Wir können nicht jedes Jahr wieder klagen, dass sich das Problem nicht verbessert», fordert Roger Stephan. Unter den gegeben Umständen müssten wir uns entscheiden: «Wollen wir Fleisch kaufen, das mit Krankheitserregern oder resistenten Keimen belastet ist? Oder wollen wir eine Art von chemischer Behandlung akzeptieren.»

Bundesrat verschärft Hygienekriterien

Auch in der EU laufen Diskussionen, die chemische Behandlung zuzulassen. Eine Arbeitsgruppe, an der auch die Schweiz beteiligt ist, diskutiert die Einführung von Peressigsäure als Dekontaminationsmittel. In der Schweiz wird mit dem neuen Lebensmittelrecht neu ein Hygienekriterien bei Geflügel einführt. Die Schlachtbetriebe müssen dieses Kriterium überprüfen und bei einer Überschreitung Massnahmen ergreifen. Eine mögliche Massnahme kann die chemische Dekontamination sein. Das bestätigt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen auf Anfrage.

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58 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Geil! Huhn bleibt drecksbillig dank Chlor! Super, sonst müsste der Konsument noch studieren...
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    durch den starken Einsatz von Chlor, in der chemischen Industrie, kommt das Chlor ins Grundwasser und ist sehr schwer oder gar nicht mehr abbaubar. Auch in Injektizieten t ist Chlor. Von irgend einer Seite werden wir immer mit Chlor in Verbindung kommen.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Mr. Ferrara verwechselt da Schweizer Poulet mit jenem aus Deutschland, Italien und Ungarn. Und: Gegen TTIP ist man, weil Gerüchte umgehen, dass US-Bauern ihre Kühe mit Hormonspritzen aufpeppen.............. derweil die "sauberen" (und subventionierten) Bauern hierzulande anderweitige "Mittelchen" reinmischen....
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