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Wer ist «il turco»? Die Spur führt vom Tessin zur Terrorhelferszene

Legende: Audio Wer ist «il turco»? abspielen. Laufzeit 3:08 Minuten.
3:08 min, aus Echo der Zeit vom 24.02.2017.

Bei der gross angelegten Polizeirazzia im Tessin wurde am Mittwoch auch ein türkisch-schweizerischer Doppelbürger verhaftet. Tessiner Medien beschreiben den Mann als eher unauffällig. Unterlagen aus Italien legen allerdings nahe, dass Verbindungen zu einer IS-Unterstützerszene in Norditalien bestehen.

Legende: Video Tessin: Möglicher IS-Rekrutierer verhaftet abspielen. Laufzeit 3:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 22.02.2017.

Denn letzte Woche hat ein Gericht in Mailand ein Urteil gefällt: Schuldig wegen internationalem Terrorismus, sechs Jahre Haft.

Der Hauptbeschuldigte ist ein Kickboxmeister, der auch in einem Club nahe Lugano trainierte, bis die Schweizer Behörden im März 2016 ein Einreiseverbot gegen ihn ausgesprochen haben. Drei weitere Personen wurden verurteilt. Sie lebten alle in Norditalien nahe der Grenze zur Schweiz und gehörten zu einer IS-Zelle in der Lombardei und im Piemont.

«Der Türke» als Randfigur in Mailänder Prozess

Mit dieser Szene stand der vorgestern in Lugano verhaftete türkisch-schweizerische Doppelbürger offenbar in Kontakt. Mehr noch: Er soll sie unterstützt haben, steht im Erlass des Haftrichters in Mailand. Er erscheint in den Unterlagen vom 26. April 2016 als Randfigur: Einmal bezeichnet das Gericht den Mann mit seinem bürgerlichen Namen, ein anderes Mal ist es ein Aliasname oder einfach «il turco» («Der Türke»).

Dieser sogenannte Türke in Lugano war Thema bei einem abgehörten Gespräch zwischen dem Kickboxer und einem weiteren IS-Sympathisanten. Die beiden wollten als Krieger und Märtyrer nach Syrien reisen. Der Türke in Lugano könne eine Syrienreise ohne besondere Probleme aufgleisen, heisst es in einem Abhörprotokoll.

Offenbar Kontakte zu einem Dschihadreisenden

Auch in einem zweiten Zusammenhang taucht der Name des vorgestern in Lugano verhafteten Mannes im Hafturteil aus Mailand auf: Er soll jener Schleuser gewesen sein, welcher einem Kämpfer des IS die Reise nach Syrien ermöglicht habe. Nach einer Wegweisung aus Italien war der nachmalige Kämpfer zu seiner Frau ins Tessin gezogen, erhielt erst eine Aufenthaltsbewilligung, wurde dann aber weggewiesen. Daraufhin reiste er im August 2015 in den Krieg und starb.

Bundesanwaltschaft: «Unschuldsvermutung gilt»

Seither wird er in der norditalienischen Islamistenszene als «Märtyrer» verehrt. Die Bundesanwaltschaft äussere sich nicht weiter zu dem hängigen Strafverfahren, heisst es auf Anfrage. Und sie betont, dass weiterhin die Unschuldsvermutung gelte.

Das Urteil aus Mailand legt nahe, dass von Lugano aus Hilfe geleistet worden ist bei der Reise des Märtyrers in den heiligen Krieg. Dass der Kickboxer und der Märtyrer sich zeitweise im Tessin aufgehalten haben, ist erwiesen. Dies sind eine ganze Reihe von Spuren: Sie alle führen von Lugano zur Terrorhelferszene in Norditalien.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Sorry, niemand kann zwei Herren gleichzeitig dienen. Konsequenterweise dürfte somit eine Doppelbürgerschaft nur in Ausnahmefällen erlaubt werden. Hier ist die Politik gefordert. Wer Kreti und Bleti die Staatsbürgerschaft gibt, der desavouiert seinen eigenen Staat.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    NEIN ! An solche Zustände sollten wir uns gewöhnen, nochmals NEIN. Was wir aber schnellstens tun sollten, ist endlich die BR und Politiker, die uns diesen Schlamassel täglich bescheren endlich zum Teufel jagen! Mit meinen bald 82 Jahren habe ich vieles erlebt, und es war sicher nicht alles gut. Aber was zur Zeit und in den letzten Jahren in der Schweiz passiert, hat es noch nie gegeben.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Weil die EU Polit-Elite Europa vollständig "umändern" will und alle, die das verhindern wollen, als gefährliche Populisten (ja sogar als "Nationalisten") verunglimpfen, haben Sie, Frau Rüegg, mit Ihrem Kommentar voll ins "schwarze" getroffen! Nur, es ist erst der Anfang! Wer Geschichtsbücher liest, weis, dass jede hochstehende, arbeitswillige und innovative Gesellschaft früher oder später "ausgenommen" und "zerstört" wurde (zuletzt die alten Römer!).
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    2. Antwort von Gregor Doppmann (Rücksicht UND Eigenverantwortung)
      Was passiert denn in der Schweiz? Schlage vor, dass all jene, die Hasskommentare tagtäglich hier niederschreiben, mal ihren PC runterfahren und nach draussen gehen. Es ist wunderschön und sicher in der Schweiz. Und das verdanken wir primär unserer Regierung. Und das alles möchten Sie Frau Rüegg zum Teufel jagen? Wie soll es dann ohne Regierung funktionieren?
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Am Ende werden alle mangels Beweisen laufen gelassen. Danach kommts noch dicker....! Es werden typische Vorwürfe erhoben.
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