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Schweiz Dienstverweigerer wollen eine Entschuldigung

Kein Bock auf Militärdienst? Kein Problem, es gibt eine Alternative: den Zivildienst. Das war nicht immer so. Vor 1996 wurde Verweigerern das Leben schwer gemacht. Betroffene fordern nun eine Wiedergutmachung.

Rekrut salutiert
Legende: Heute kann der Rekrutendienst einfach abgelehnt werden – im Gegensatz zu früher. Keystone

Wer vor 1996 den Militärdienst verweigerte, musste mit harten Sanktionen rechnen: Es drohten Gefängnisstrafen, Bespitzelungen und andere Repressionen.

Nun fordern Betroffene, dass dieses Kapitel Schweizer Geschichte aufgearbeitet wird. Piet Dörflinger ist ein Betroffener. Er hat die Rekrutenschule absolviert und dann den Militärdienst verweigert. Es kam zum Prozess. Anfang der 90er Jahre profitierte er von einer ersten Entkriminalisierung der Dienstverweigerer. Anstelle einer Haftstrafe musste er 11 Monate Dienst für die Gemeinschaft leisten.

Höchste Zeit für Rehabilitation

Heute ist Piet Dörflinger Geschäftsführer des Vereins und der Beratungsstelle zivildienst.ch. So wie ihm sei es Tausenden ergangen. «Ja, noch viel schlimmer!», sagt er. Und jetzt sei es höchste Zeit, über eine Wiedergutmachung zu sprechen. «Es haben sehr viele Menschen massiv darunter gelitten, sowohl psychisch wie auch materiell. Und darum ist es höchste Zeit, dass diesen Menschen eine Wiedergutmachung geschieht.»

Heiraten verboten

Haftstrafen, Berufsverbote – zwischen den Weltkriegen bekamen Verweigerer sogar ein Heiratsverbot. Sie seien drangsaliert, gesellschaftlich geächtet, bespitzelt und fichiert worden. Der lange Arm der Behörden und des Geheimdienstes habe bis weit ins Privatleben gereicht.

Ehemalige Militärdienstverweigerer lancieren nun eine Online-Petition, wollen einen offenen Brief an den Bundesrat schreiben und künden politische Vorstösse im Parlament an. Um Geld gehe es nicht – noch nicht, sagen sie.

SVP: Kein Verständnis

SVP-Nationalrat Thomas Hurter setzte sich vor zwei Jahren mit Erfolg für eine Verschärfung der Zulassungsbestimmungen in den Zivildienst ein. Dies, nachdem die Zahl der Zivildienstleistenden bis gegen 7000 pro Jahr anstiegen.

Hurter zeigt gar kein Verständnis für die Forderung der ehemaligen Dienstverweigerer: «Wenn Fehler gemacht wurden, dann kann man die korrigieren, oder sie wurden korrigiert. Es ist nicht nötig, dass zusätzlich Stimmung gemacht werden muss.»

Bundesrat mit ablehnender Haltung

Bundesrat und Parlament haben sich vor über zehn Jahren letztmals mit der Forderung nach einer Rehabilitierung  auseinandergesetzt – und sie deutlich abgelehnt. Der Bundesrat betonte damals, dass die Beurteilung von Dienstverweigerern immer demokratisch abgestützt gewesen sei.

Das Volk selbst habe in zwei Abstimmungen in den 1970er und 1980er Jahren noch deutlich Nein zur Einführung des Zivildienstes gesagt, so der Bundesrat. Das Strafrecht orientiere sich an gesellschaftlichen Verhältnissen und eine politische Rehabilitation dränge sich deshalb nicht auf. Es sei denn, es handle sich um ein besonderes historisches Ereignis.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Wuhrmann, Amriswil
    Wie Hunderttausende Andere wurde auch ich über hunderte Diensttage unzimperlich behandelt. Dazu kam der Erwerbsausfall als Selbständiger, mit der lächerlichen EA. Lasset uns mal fröhlich fordern!
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  • Kommentar von T. Bischofberger, Brugg
    Ich hätte gerne eine Wiedergutmachung für meine 365 Tage im Dienste der Armee................... Wo leben wir hier eigentlich?
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  • Kommentar von peter beutler, beatenberg/ leissigen
    Ich habe Militärdienst geleistet. Trotzdem sehe ich Dienstverweigerer als Opfer. Bis in die 1990-er wurden sie kriminalisiert. Viele von ihnen haben aus ethischen Gründen gehandelt.Sie wurden bis zu einem Jahr eingesperrt, oft zusammen mit Kriminellen. Auf der andern Seite fasste man höhere Offiziere bei schweren Delikten mit Glacéhandschuhen an. Etwa den Oberstleutnant, der im Suff zwei Menschen bei einem Verkehrsunfall tötete. Bundesrat Villiger hatte ihn kurz danach zum Obersten befördert.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Herr Beutler, was Sie hier schreiben, ist nicht einmal ein Prozent von dem, was früher geschah. Auch ich habe solche "Fälle" immer als Riesen..... empfunden. Ja, wir hatten einst eine Kastenarmee, dementsprechend waren viele Offiziere gesinnt, so nannten in unserer RS nicht wenige die Armee einen Naziverein. Auch ich wäre bei einer Verweigerung beruflich diskriminiert worden. ABER: Wir haben uns alle durchgekämpft - und heute ist vieles besser als früher, auch bei den Offizieren.
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Herr Beutler, nennen Sie konkret die Fälle und stehen Sie vollumfänglich hinter Ihrer Aussage. - Ich jedenfalls habe solches was Sie da beschreiben, so nie erlebt, gesehen noch mitbekommen. - Mir scheint ob all den gezielten und verleumderischen Storys "GSoA & Co.-Schauermärchen" sollte man doch bei der Wahrheit bleiben können. Oft war da nämlich noch "Anderes" mit im Spiel, was nicht an die Oeffentlichkeit gehörte!!!!
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    3. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @H. Haller: Ich teile mit Herrn Beutler nicht immer die gleiche politische Meinung, aber ich kann seine Worte bestätigen. Das sind KEINE "GSoA-Schauermärchen" - ich hatte und habe mit diesen Leuten nie etwas zu tun -, sondern gelebte Wirklichkeit. Konkrete Fälle hier zu nennen würde unsere Madame Netiquette überfordern, das heisst unsere Beiträge würden gar nicht durchkommen. Ich wiederhole es: Wir HATTEN eine Kastenarmee, aber heute nicht mehr - wir haben einiges erreicht.
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