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Sture Jungfrauzeitung: «Auch betagte Menschen können ein Tablet bedienen.»
Aus Espresso vom 08.07.2020.
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Digital statt auf Papier Jungfrau Zeitung bleibt bei Abo-Kosten hart

Die Corona-Krise zwingt die Berner Regionalzeitung in die Knie. Das Nachsehen haben Leserinnen und Leser.

Viele Leser sind teilweise seit 20 oder sogar über 30 Jahren Abonnenten der Jungfrau Zeitung, des Brienzers, des Oberhaslers oder des Echos von Grindelwald. Ein Jahresabo kostet sie gut 200 Franken – für zwei Ausgaben pro Woche, inklusive TV-Programm.

Dann kam die Corona-Pandemie und damit auch für diese Regionalzeitungen die grosse Krise. Die Werbung brach ein und der Verlag stellte vorübergehend den Druck ein. Die Zeitungen erschienen ab Ende März nur noch digital. Zu lesen auf dem Computer, Tablet oder Smartphone. Vorübergehend hiess es damals.

Zwei Wochen später folgte dann die definitive Entscheidung der Verlagsleitung: Die Zeitungen erscheinen ab sofort nur noch online. Kommuniziert wurde der Entscheid in einem Artikel in der Zeitung: «Dass Sie als Abonnentinnen und Abonnenten nun auf eine Zeitung in Papierform verzichten müssen, tut auch uns sehr leid.» Für das Überleben der Zeitung sei der Schritt fundamental. Im Gegenzug erscheine die Zeitung dafür aber künftig sechs statt zwei Mal pro Woche und sie sei neu kostenlos.

«Wir verlangen eine Rückerstattung der Abo-Kosten»

Fast ein Dutzend Abonnenten oder Angehörige von Abonnenten haben sich beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» seither gemeldet. Sie wehren sich für ihre betagten Eltern oder Schwiegereltern, die keinen Computer und auch kein Tablet besitzen würden.

Ein Schwiegersohn beschreibt die Lage wie folgt: «Meine 92-jährige Schwiegermutter ist schlicht nicht in der Lage, ein Tablet oder einen Computer zu bedienen. Gerade während der einsamen Zeit im Lockdown vermisste sie die Informationen aus dem Berner Oberland schmerzlich.» Er und mehrere andere Angehörige verlangen vom Verlag zumindest eine Rückerstattung der Abo-Kosten für die verbleibende Abo-Zeit.

Alle Betroffenen erhalten von den Verantwortlichen des Verlags die gleiche Antwort: Eine Rückerstattung sei nicht möglich. Man wolle kein Präjudiz schaffen und müsse sonst Konkurs anmelden, so die Jungfrau Zeitung.

Rechtlich klar: Abo-Kosten müssen anteilsmässig zurückbezahlt werden

SRF-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner stellt klar: Die Abonnenten haben ein Anrecht auf Rückerstattung. Dies, weil sie ursprünglich eine gedruckte Zeitung gekauft hatten und dies nun eine Vertragsänderung bedeute, welche sie nicht akzeptieren müssten.

«Espresso» spricht auch Verlagsleiter Urs Gossweiler auf die rechtliche Lage an und will wissen, ob er sich um geltendes Recht foutiere. Die Betroffenen müssten halt Ihr Recht einklagen, meinte er dazu. Im Übrigen sei auch eine betagte Person durchaus in der Lage, ein Tablet oder Smartphone zu bedienen, so Urs Gossweiler.

Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

Espresso, 08.07.20, 08:13 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Eine absolute Frechheit, was sich dieser Verlag und deren Verlagsleiter Gossweiler hier gegenüber der älteren Generation leistet. Es sollte diesem „Herrn“ klar sein, dass es seiner Leserschaft ab einem gewissen Alter nur noch möglich ist, eine Zeitung in Papierform zu lesen. Es ist genau diese treue Leserschaft, mit der er über Jahre hinweg Gewinn gemacht hat. Ich würde den Abonennten vorschlagen, das Geld zurückzufordern — Rückforderung, Mahnung, nochmalige Mahnung, Zahlungsbefehl, Betreibung!
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    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Ich wäre etwas Vorsichtig mit solchen Aussagen. Die Jungfrauzeitung ist eine der wenigen noch wirklich unabhängigen Lokalzeitungen. Und deren Existenz ist mehr als gefährdet. Dennoch versuchen Sie gegen den Untergang anzukämpfen und liefern weiter wichtige Reginalinfos. Und das sogar kostenlos Online. Verschwindet diese Zeitung, bleibt dem Berner Oberland nur noch Tamedia Einheitsbrei....
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    2. Antwort von Urs Petermann  (Rhf)
      @Andy Gasser: wir haben im Fricktal 2 informative Gratiszeitungen und erhalten diese trotz Corona-Virus immer noch in Papierform! Man kann in der jetzigen Zeit nicht immer alles auf Corona abschieben. Schliesslich musste der. Verlag der Jungfrau-Zeitung usw. Geld in die Online-Ausgabe stecken und welches Geld verwendete der Verlag? Im weiteren sind die gesetzlichen Bestimmungen klar bei den geprellten Abonnenten.
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