Zum Inhalt springen

Digitale Demokratie Die Schweiz hinkt hinterher

Die Digitalisierung hat die Demokratie noch nicht erfasst. Politiker und Forscher wollen dies ändern.

Legende: Audio Stimmen aus Politik und Forschung wollen die Demokratie digitaler machen abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
01:58 min, aus HeuteMorgen vom 12.12.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz habe sich zu sehr auf das Abstimmen per Internet konzentriert und dabei andere Themen der digitalen Demokratie vernachlässigt, sagt eine Politologin.
  • Laut einem Informatikprofessor könnten durch die Digitalisierung mehr Menschen in die Demokratie einbezogen werden.
  • FDP-Ständerat Damian Müller fordert jetzt mit einem Vorstoss, dass sich der Bundesrat mit der digitalen Demokratie befasst.

In einer Zeit, in der alle online einkaufen oder mit dem Handy kommunizieren würden, sei es wichtig, dass Schweizerinnen und Schweizer auch per App die Session des Parlaments mitverfolgen oder mit Parlamentariern chatten könnten. Das findet die Politologin Adrienne Fichter. Sie hat ein Buch zur Demokratie im Smartphone-Zeitalter geschrieben.

Die Schweiz habe Nachholbedarf, weil man sich zu sehr auf das E-Voting, also das Abstimmen über das Internet, konzentriert habe, sagt Fichter. «Aber digitale Demokratie umfasst viel, viel mehr.» Es gehe auch um das Teilnehmen an der Politik und um viele Prozesse, die durch die Digitalisierung effizienter gestaltet werden könnten.

Mehr Leute einbeziehen

Der Bund solle mutiger sein und die teilweise veralteten politischen Prozesse anpassen, sagt auch Informatikprofessor Abraham Bernstein von der Universität Zürich. «Man könnte Diskussionen öffnen und online durchführen und damit mehr Personen in die Debatte einbeziehen.» Das sei für den Fortbestand unseres Landes «so zentral und wichtig».

Bei der digitalen Demokratie geht es auch um die Teilnahme an der Politik und um viele Prozesse, die wir durch die Digitalisierung effizienter gestalten könnten.
Autor: Adrienne FichterPolitologin

Gemeinsam mit weiteren Forschern aus Informatik und Politikwissenschaft hat Bernstein ein sogenanntes Manifest für digitale Demokratie verfasst. Die Wissenschaftler sammeln Ideen, wie man der digitalen Demokratie mehr Schub verleihen könnte.

Politischer Vorstoss

Im Parlament sind die Stimmen aus der Forschung bereits angekommen. Der Luzerner FDP-Ständerat Damian Müller fordert mit einem Vorstoss, dass der Bundesrat prüft, wie bestehende politische Vorgänge stärker digitalisiert werden können – «damit man nicht das Gefühl hat, die Politik ist weit weg». Wenn die Bevölkerung von Anfang an beim politischen Prozess mit dabei sei, könne man die Abstimmungsvorlagen einfacher, klarer und besser kommunizieren, sagt Müller.

Der Bund zeigt sich offen gegenüber neuen Formen der Beteiligung. Einen gesetzlichen Auftrag habe man derzeit jedoch nur für das E-Voting. Deshalb wolle man in erster Linie diesen Bereich vorantreiben, heisst es.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    "Die Schweiz habe sich zu sehr auf das Abstimmen per Internet konzentriert und dabei andere Themen der digitalen Demokratie vernachlässigt, sagt eine Politologin". Das mag alles sein - aber wenn man schon hier im Forum, die geistige Auseinandersetzung scheut und alles weg zensiert, was nicht in die Meinung des Mainstream und von nicht qualifizierten Zensoren passt - wie soll da eine digitale Demokratie denn funktionieren ? Zensur ist immer das Dümmste was ein Staat verordnen kann - Klarsicht !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Heinz Hugentobler (hevrins)
    Die Digitalisierung bringt wohl Vorteile, Annehmlichkeiten, aber auch Probleme. Z.B. wie verwalte ich das digitale Erbe? Wie werden Zugriffe zu persönlichen Daten beim Ableben "verwaltet", vor allem wenn der Tod plötzlich eintrifft? Verstorbene leben in sozialen Netzwerken weiter. Daten zu löschen wird für Erben zu einer beinahe unlösbaren Aufgabe. Ist sich unsere Gesellschaft darüber bewusst? Also Digitalisierung so viel wie nötig und nicht so viel wie möglich, vor allem im privaten Gebrauch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Man muss einen Algorithmus kreieren mittels dem sämtliche Daten eines Benutzers sich spätestens nach 10 Jahren durch den Zeitindikator selbst im Nichts auflösen .
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Natürlich, DIE Schweiz hinke wieder mal den "progressiven" Trends hinterher. Wir leiden ja tagtäglich Mangel an Top-News (nicht fundierte Inhalte!) zur Tages-Politik. Noch mehr Oberflächliches ist gefragt, möglichst schnell, ohne Bedacht, eignet sich insbesondere für's Anprangern von fundierter Rechts-Politik (nicht links-rechts ist hier gemeint) basierend auf Verfassung und direkter Demokratie, und nicht links-grün opportunistischer Relativierer-Politik.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen