Zum Inhalt springen

Header

Audio
Gosteli-Archiv: Überraschende Unterstützung aus der Politik
Aus Echo der Zeit vom 30.01.2020.
abspielen. Laufzeit 05:13 Minuten.
Inhalt

Digitalisierung des Bestandes Frauenrechts-Archiv braucht dringend Geld

Der Fortbestand des Marthe-Gosteli-Archivs ist ungewiss. Es fehlt an Geld. Nun schaltet sich die Politik ein.

Knapp drei Jahre nach dem Tod der Frauenrechtlerin Marthe Gosteli ist die Zukunft ihres Archivs alles andere gesichert. Das Vermächtnis zu bewahren, weiterzuentwickeln und zu digitalisieren, koste etwa zwei Millionen Franken pro Jahr, sagt Silvia Bühler, die Leiterin des Archivs der Gosteli-Stiftung.

Fehlende Sichtbarkeit der Frauen

Gleiche Rechte für Frau und Mann, das war das zentrale Thema ihres Lebens, ihre Mission, der sie alles andere unterordnete. 1982 begann Gosteli in ihrem Elternhaus im Berner Vorort Worblaufen die Geschichte der Schweizer Frauen zu dokumentieren. Sie gründete eine Stiftung, steckte ihr Vermögen hinein.

«Sie hat das Archiv gegründet, weil sie erkannt hat, dass die Geschichte der Schweizer Frauen in den staatlichen Archiven nicht sichtbar war», erzählt Bühler. Das lag auch an den fehlenden politischen Rechten. «Sie hat die Unterlagen gesichert. Ohne diese wäre ein wesentlicher Teil der neueren Schweizer Geschichte verloren.»

Unter dieser Vielzahl an Dokumenten sind zum Beispiel die Akten des Frauengefängnisses Hindelbank oder der Nachlass der Diplomatin Gertrud Lutz-Fankhauser, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit ihrem Mann Carl Lutz in Ungarn Zehntausenden Juden das Leben gerettet hatte.

Die Geschichtsschreibung sei immer noch vorwiegend männlich geprägt, Frauen und ihre Leistungen würden immer noch viel zu wenig gewürdigt, sagte die damals 99-Jährige 2017 gegenüber Radio SRF: «Die Frauen haben eine Geschichte in unserem Land. Das ist lange nicht berücksichtigt worden.»

Marthe Gosteli
Legende: Das Archiv von Marthe Gosteli ist von nationaler Bedeutung. Sie war als Vizepräsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Schweizerischen Frauenverbände mitentscheidend dafür, dass 1971 das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Keystone/1991

Gosteli starb am 7. April 2017. Seither laufen Bemühungen, das Archiv zu bewahren. Im Parlament wurden fünf gleichlautende Postulate zum Erhalt des Archivs angenommen. Die Gosteli-Stiftung reichte ein Gesuch um finanzielle Unterstützung beim Bund ein. Ein Vorentscheid wird demnächst erwartet.

Kommission schaltet sich ein

Nun macht auch die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats Druck: Letzte Woche reichte sie eine Motion ein und fordert damit den Bund explizit auf, der Gosteli-Stiftung das benötigte Geld zu sprechen.

Das Vorgehen sorgt für Kritik: SVP-Nationalrat Peter Keller etwa war in der Kommission dagegen. Auch er sehe den Wert des Archivs, doch: «Es gibt bestimmte Kriterien, die erfüllt werden müssen, damit ein Archiv oder ein Museum in den Genuss von Bundesmitteln kommt. Es ist nicht an der Politik, so ein Verfahren auf den Kopf zu stellen und selber zu entscheiden.»

Regal im Archiv
Legende: Briefe von Unternehmerinnen, Notizen von Politikerinnen, Jahresberichte von Frauenorganisationen: Im Archiv von Marthe Gosteli liegt die Geschichte der Schweizer Frauen und Frauenorganisationen. Keystone

Eigentlich habe Keller recht, gibt SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der ebenfalls in dieser Kommission sitzt, zu. Was die Kommission da gemacht habe, sei tatsächlich etwas unschön – aber: «Das Gosteli-Archiv ist einzigartig, dort wird die Geschichte der Frauen in der Politik archiviert.»

Ohne Hilfe vor dem Aus

Nun stehe die Digitalisierung an: «Das kann man in Freiwilligenarbeit nicht leisten. Deshalb ist die Mehrheit der Kommission der Meinung, dass der Bund dort einsteigen soll.» Falls der Bund ab 2021 tatsächlich einsteigt, gibt es auch Geld vom Kanton Bern, das ist schon beschlossene Sache. Dann hätte das Archiv eine Zukunft, sagt Archivleiterin Bühler. Und was, wenn nicht?

Dann würde es wahrscheinlich aufgelöst, sagt sie. Denn wie bisher, ohne finanzielle Unterstützung, könne sich das Archiv nicht mehr lange halten.

Echo der Zeit, 30.01.2020, 18.00 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Was ist passiert? Die Stiftung Marthe Gosteli fast oder pleite? Vielleicht bin ich falsch orientiert. Die Verstorbene Stifterin war Besitzerin des Altikofegutes heute alles überbaut. Bereits 2017 mindestes 1000.-/m2 war die Stiftung nicht Alleinerbin? dass die Eidg und BE helfen ist schön und gut, dass dies aber nötig ist ist unschön
    gibt Fragen
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Ob die Stiftung pleite ist oder nicht, sollte wirklich nicht die Frage sein.
      Wenn sie die Aufarbeitung nicht mehr tragen können, müssen sie vom Bund unterstützt werden. Wir sollten dankbar sein, dass sie es bis jetzt aus den Geldern erhalten konnten. An bedeutende Archive werden
      Förderungsgelder gezahlt oder wenn sie sich in grossen Bibliotheken
      befinden, werden sie auch aus den Geldern der Bibliothek eingearbeitet.
      Das so etwas solche Fragen aufwirft, ist einfach unverständlich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Frau Wüstner, wäre es ein Sammlung von Boliden oder von irgendwelchen Attributen männlicher Dominanz .... dann würde Geld keine Rolle spielen. Dass es auch für NichtfeministenInnen und Chauvinisiten zum Humus der eigenen Erinnerung einer Nation gehören könnte, leuchtet einigen partout nicht ein. Was Herr König einbringt, könnte ja eine Thema zum vertiefen für eine Journalistin sein. Das solches Materiel erhalten werden soll sollte selbstverständlich sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      wie Recht Sie haben Frau Kunz. Aber ich bin mir sehr sicher, dass trotz aller
      Proteste, ein Weg gefunden wird. Das Schlimmste wäre, es wird nichts mehr eingearbeitet ohne Gelder, aber den Erhalt müsste die Landesbibliothek übernehmen. In jedem Land sind Nationalbibliotheken dafür mitverantwortlich Schrifttum des eigen Landes und über das Land zu sammeln.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stephanie Hunziker  (St. Hunziker)
    Es gibt andere Dinge und Menschen welche Geld mehr brauchen als solche Papiere zu digitalisieren oder auf zu bewahren
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Die wären, Frau Hunziker?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Das sind nicht irgend welche Papiere. Das sind Zeitzeugen und die sollten späteren Generationen erhalten bleiben.Eine in Bibliotheken und besonders Archiven sehr wichtige Arbeitsweise.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Was ich nicht verstehe, wenn nachgefragt wird, was gibt es da zu dysliken? .... ja, ja, ja es ist so einfach Daumen runter. Fragt doch einfach nach oder kommentiert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Es ist Pflicht des Bundes in's Archiv ein zu steigen. Es kann ja nicht sein, dass Jahr für Jahr Millionen Steuergeschenke an in- und ausländische Megakonzerne verteilt werden und die Schweizer Geschichte darunter begraben wird.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Der Bund hat 2019 drei Varianten zur Weiterführung vorgeschlagen. Sind mir leidet nicht bekannt. Nur wenn der Bund nicht in das Projekt einsteigt,
      Gibt es auch keine Fördergelder. Und damit wäre Schluss.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen

Mehr aus SchweizLandingpage öffnen

Nach links scrollen Nach rechts scrollen