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Diskussion um Airbnb im Luzerner Stadtparlament
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 04.02.2021.
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Diskussion im Stadtparlament Airbnb: Wie Luzern die Plattform einschränken will

Luzern will Airbnb stärker regulieren, da die Plattform die Mieten in die Höhe treibt. Andere Städte reagierten bereits.

Das Luzerner Stadtparlament sollte am Donnerstag einschränkende Regeln für Online-Plattformen wie Airbnb beschliessen. Das Problem: In den letzten Jahren wurden immer mehr Wohnungen kommerziell für Touristen oder als Übergangswohnungen vermietet. Langzeitmieter ziehen den Kürzeren. Obwohl alle Parteien im Parlament gewissen Handlungsbedarf sahen, konnten sie sich aber noch nicht auf eine Regelung einigen.

Verschiedene Ideen

Ein Vorstoss kam aus den Reihen der SP. Sie verlangte, dass Wohnungen künftig an lediglich 90 Tagen im Jahr über Airbnb vermietet werden dürfen. Dem restlichen Rat war dies zu radikal. Auch die Grünen und Grünliberalen hatten eine Idee: Lediglich ein Prozent aller Wohnungen eines Quartiers dürfen per Airbnb oder ähnlicher Plattform vermietet werden.

Airbnb und die Coronakrise

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Die Coronakrise hat die Tourismusbranche hart getroffen. Darunter litt auch Airbnb. Wegen des Einbruchs des globalen Tourismus hat der Konzern im Frühling 2020 fast 2000 Mitarbeiter entlassen, was knapp einem Drittel der gesamten Belegschaft entspricht.

Auch in der Schweiz ist das Angebot auf der Plattform geschrumpft, wie Zahlen des Analytik-Tools Airdna zeigen. Während in Luzern im Dezember 2019 noch knapp 1000 Mietobjekte ausgeschrieben waren, waren es ein Jahr später noch 820. In Zürich sank das Angebot von etwas über 3000 Objekten auf 2300.

Eine spannende Erkenntnis: Die städtischen Kantone waren dabei stärker vom Rückgang betroffen als ländliche, die vom Inland-Tourismus profitierten. Das Angebot in Graubünden blieb in etwa gleich gross und in Uri ist es sogar angewachsen – von knapp 90 auf 120 Objekte.

Die bürgerlichen Parteien wollten diese Grenze eher auf zwei Prozent anheben, so wie es auch die Stadtregierung empfohlen hatte. An ihrem Widerstand scheiterte also auch der Vorstoss der grünen Parteien.

Nun geht das Thema zurück an den Stadtrat. Dieser will die Regelungen zu Airbnb in die Bau- und Zonenordnung nehmen, welche nächstes Jahr neu aufgelegt wird. Nach der Diskussion im Parlament läuft es nun darauf hinaus, dass es eine Prozentregelung geben wird – in welcher Höhe ist noch offen.

Genf geht vor

Luzern ist mit den Sorgen um Airbnb nicht allein. Auch in anderen Schweizer Städten sind reihenweise Miet-Wohnungen vom traditionellen Markt verschwunden und auf Airbnb wieder aufgetaucht. Jüngst wurde deswegen sämtlichen Mietern einer Liegenschaft im Zürcher Letzigrund-Quartier gekündigt.

Wie in Luzern ist die Politik deshalb auch in anderen Gemeinden daran, Gesetze zu erlassen, die diesem Trend etwas entgegenhalten. Sie sehen ähnliche Lösungen vor. So hat in Interlaken das Parlament im Dezember eine neue Zonenordnung verabschiedet, die festlegt, wie viele Wohnungen als Erstwohnungen benutzt werden müssen und deshalb nicht für Airbnb-Gäste reserviert sein dürfen. Im Zentrum ist dies ein Viertel der Wohnungen, auf dem restlichen Gemeindegebiet die Hälfte.

Oder Genf: Da ist bereits ein Gesetz in Kraft, welches vorschreibt, dass Wohnungen an maximal 60 Tagen im Jahr auf Airbnb vermietet werden dürfen.

Airbnb wird bleiben

Doch wirken diese neuen Regeln überhaupt? Dafür müsse man den Blick ins Ausland richten, sagt Marcus Roller, Leiter der Forschungsstelle Tourismus an der Universität Bern. Da es hierzulande noch wenige solcher Gesetze gebe, fehle auch die Datengrundlage für entsprechende Statistiken. «Andere Länder kennen ähnliche Regelungen bereits etwas länger und da gibt es auch schon erste Erkenntnisse. Die Auswertungen zeigen deutlich, wie die Miet- und Immobilienpreise wieder gesunken sind.»

Die Gesetze aus Luzern, Interlaken oder Genf versprechen also eine wirkungsvolle Regulierung von Airbnb. Den Siegeszug der Plattform könne dies jedoch nur bedingt bremsen, ist Marcus Roller überzeugt. «Der Trend zur Entprofessionalisierung des Tourismus hält an.» Dies habe auch die Coronakrise gezeigt. «Der Drang auf Zweitwohnungen war gross.» Gebucht wurden diese häufig auch über Airbnb.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 04.02.2021, 17:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Eigentlich kann die Politik dieses Treiben einfach verbieten. Die Politik ist doch die Regierung? Also die Schweizer Politiker in der Schweiz zu Gunsten des Schweizer Volkes. Wo genau das Problem liegt nähme mich schon wunder?
  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Wird eine Wohnung in eine "Absteige" ungewandelt kommt sofort Gewerbepolizei und verbietet dies! Aber Mietwohnungen in "Hotel-Betrieb" umzufunktionieren ist völlig normal? Gohts no?
  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Leider versagt auch hier die Politik mal wieder! Zuwarten bis es keine Trendumkehr mehr gibt! Geld verdienen ist wichtiger als Lebensqualität beizubehalten. Und die Schere noch zu vergrössern zwischen Arm und Reich, wie gehabt und gestern im DOK Film auf SRF eindrücklich dargestellt!