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Goepfert: «Zivildienst ist tief in der Bevölkerung verankert»
Aus SRF 4 News aktuell vom 19.06.2020.
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Doch kein erschwerter Wechsel «Aussage der Armee zum Bestandsproblem ist schlichtweg falsch»

Mitte-Links legt in der Schlussabstimmung im Nationalrat überraschend das Veto ein: Es gibt keine höheren Hürden für den Wechsel von der Armee in den Zivildienst. Nicola Goepfert, Geschäftsführer des Schweizerischen Zivildienstverbandes Civiva, freut sich über den Entscheid – und erklärt, was dieser mit der Coronakrise zu tun haben soll.

Nicola Goepfert

Nicola Goepfert

Geschäftsführer Civiva

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Nicola Goepfert ist Geschäftsführer des Schweizerischen Zivildienstverbandes Civiva.

SRF News: Der Nationalrat hat überraschend die Änderungen beim Bundesgesetz über den zivilen Ersatzdienst in der Schlussabstimmung abgelehnt. Wie ist Ihre Reaktion darauf?

Wir sind sehr erfreut. Vor allem auch darüber, in welcher Deutlichkeit dieses Gesetz abgelehnt wurde. Das zeigt, wie tief der Zivildienst in der Bevölkerung verankert ist und wie gross die Unterstützung war. Das wurde in den letzten Monaten aufgezeigt – unter anderem mit fast 10'000 Personen, die sich schon bereit erklärt haben, das Referendum notfalls zu unterstützen.

Ich bin überzeugt, dass der Zivildienst in Zukunft verstärkt eingesetzt werden muss. Gerade in schwierigen Situationen.

Bei der Beratung des Gesetzes gab es auch im Nationalrat immer komfortable Mehrheiten. Nun ist die CVP zum Teil umgeschwenkt und hat zu einem Nein verholfen. Wie erklären Sie sich das?

Durch das Gesetz wurde viel über den Zivildienst diskutiert. Und es wurde anerkannt, was der Zivildienst für die Gesellschaft leistet. Gerade die Coronakrise hat gezeigt, dass Zivildienstleistende jeden Tag dort im Einsatz sind, wo sie die Gesellschaft braucht. Im letzten Jahr wurden rund 1.6 Millionen Zivildiensttage geleistet. 80 Prozent davon in der Pflege und Betreuung der Menschen.

Die Aussage, die Armee habe Bestandesprobleme, ist schlichtweg falsch.

Denken Sie, die Coronakrise und die Ablehnung der Vorlage im Parlament führen zu einer Stärkung des Zivildienstes? Könnte er in Zukunft etwa auch zusätzliche Aufgaben übernehmen?

Ich bin überzeugt, dass der Zivildienst in Zukunft verstärkt eingesetzt werden muss. Gerade in schwierigen Situationen. Es gibt auch andere Punkte, wie der Zivildienst weiterentwickelt werden kann. Nun muss geschaut werden, wo die Möglichkeiten liegen.

Gleichzeitig hat die Armee immer gesagt, sie habe Bestandesprobleme. Deshalb müsse man den Zivildienst unattraktiver machen. Wie soll die Armee nun ihre Bestandesprobleme lösen?

Die Aussage der Armee ist schlichtweg falsch. Die Armee hatte im letzten Jahr einen Bestand, der sogar über dem gesetzlichen Maximum liegt. Auch die demografische Entwicklung deutet darauf hin, dass wieder mehr junge Männer dienstpflichtig sein werden. Daher sehe ich kein Problem für die Bestände der Armee.

Das Gespräch führte Philipp Burkhardt.

SRF 4 News, 19.06.2020, 11 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Ralph Geier  (ChiefGeronimo)
    Wenn ich sehe, was Zivildienstleistende während ihrem Einsatz für einen grossen Nutzen für die Gesellschaft bringen, wohingegen das Militär sinnlos seit Jahrzehnten Steuergelder verballert, auf einen Krieg wartend, der so nicht mehr kommen wird, dann ist dieser Entscheid logisch und richtig. Der nächste Schritt ist die Verkürzung der Zivildienst-Zeit, denn er verdient eine Auf- und nicht eine Abwertung im Vergleich mit dem Leerlauf-Militär
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Möcht noch etwas geschichtliches nachreichen zu den Beständen: Bei der Armee 61 war der Sollbestand der Schweizer Armee 880'000 AdA's im Jahr 1962 am höchsten. 1990 war der Sollbestand mit 625'000 Soldatinnen und Solldaten immer noch sehr hoch. Viel höher war in diesem Jahr tatsächlich die Anzahl der NAMENTLICH bei der Armee eingeteilten Schweizerinnen und Schweizer (ca.780'000).
    -- Aktuell hat die Armee noch ca. 100'000 AdA's, davon etwa 30'000 Kampftruppen. Deshalb auch die Sorgen im VBS.
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  • Kommentar von Werner Gubser  (Gubsi0)
    Statt den Zivildienst unattraktiv zu machen, könnte der Militärdienst attraktiver gestaltet werden - und die Probleme um den Bestand wären gelöst.
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    1. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      Super, lieber Herr Gubser! Fangen Sie sofort an mit dem attraktiver gestalten. Ideen sind immer gefragt.
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