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Spitex-Angestellte sollen Corona-Tests selber zahlen
Aus Espresso vom 03.09.2021.
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Druck auf Ungeimpfte Spitex-Angestellte sollen Coronatests selber zahlen

Eine Spitex-Organisation will die ungeimpften Angestellten zur Kasse bitten. Spitex Schweiz distanziert sich deutlich.

Die Schweiz kämpft aktuell mit täglich vielen Neuansteckungen, vielen Hospitalisationen und ausgelasteten Intensivstationen. Die Impfquote liegt bei knapp 52 Prozent. Entsprechend gross ist der Druck auf die Pflegenden im Land. In diesem Artikel geht es nicht um die Frage, ob man sich impfen lassen soll oder nicht. Es geht um die Art und Weise, wie mit Angestellten umgegangen wird. Wie viel Druck darf ein Arbeitgeber ausüben? Wann ist die Schmerzgrenze erreicht?

Nur noch geimpfte neue Mitarbeiter

Es geht um ein Beispiel einer Spitex-Organisation. Ein «Espresso»-Hörer hat uns zwei E-Mails weitergeleitet, die deutlicher kaum sein könnten: Zwar wird betont, dass die Impfung sehr empfohlen, aber freiwillig bleibe. Aber: «Die Verantwortung in Form von Auflagen und finanziellen Folgen» habe jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter selber zu tragen. Schliesslich hätten ja alle die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.

Mehrere Punkte werden als Konsequenzen aufgeführt. So könne es beispielsweise sein, dass künftig Tests in der Freizeit gemacht und selber bezahlt werden müssten. «Das hiesse, dass alle ungeimpften Mitarbeiter mit Kosten von rund 200 Franken pro Monat auf unbestimmte Zeit rechnen müssen.» Ausserdem stelle man neue Mitarbeiter nur noch ein, wenn diese geimpft seien.

2020 interessierte es niemanden, ob man sogar Covid hatte oder nicht. Bei milden Verläufen musste man zum Teil trotzdem arbeiten. Jetzt, 2021, heisst es fast: Ohne Impfung keine Arbeit. Das finde ich einfach nicht fair.
Autor: Mitarbeiter Spitex

Spitex Schweiz distanziert sich

Druck sei das letzte, was Pflegefachpersonen jetzt gebrauchen könnten, warnt Roswitha Koch vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen SBK. Die Stimmung sei aktuell schwierig: «Viele sind müde und ausgebrannt.» Der SBK stehe klar hinter der Impfstrategie des Bundes, Druck sei aber das falsche Mittel.

Auch Spitex Schweiz distanziert sich vom Vorgehen dieser Spitex-Organisation. Auf die Frage, ob es in Ordnung sei, dass Angestellte künftig Tests selber zahlen müssen, sagt Marianne Pfister, Geschäftsführerin von Spitex Schweiz: «Nein, das ist nicht ok.» Die Kosten für Tests, welche für die Arbeit gefordert würden, dürften nicht auf die Angestellten abgewälzt werden, so Pfister. Ganz so klar sei es rechtlich aber nicht, sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich. Die Rechtsgrundlage fehle aktuell noch.

Bei Spitex Schweiz ist ganz klar die Haltung: Impfen ist wichtig, aber freiwillig.
Autor: Marianne Pfister Geschäftsführerin Spitex Schweiz

Impfstatus darf abgefragt werden

Klarer ist die Situation bei der Anstellung neuer Angestellten. Nur noch geimpfte Angestellte einzustellen, sei kaum durchsetzbar, so Arbeitsrechtsexperte Roger Rudolph. Dazu bräuchte es eine rechtliche Grundlage. Ausserdem handelt es sich um sehr persönliche Daten, die bei einem Bewerbungsgespräch nicht zwingend preisgegeben werden müssen.

Die Situation sei aber bei Gesundheitsberufen eine besondere. Der Impfstatus ist gerade bei Pflegefachleuten relevant für den Arbeitgeber, um Einsätze zu planen. «Es gibt eine sachliche Rechtfertigung, den Impfstatus abzufragen», erklärt Roger Rudolph. Deshalb müsse es möglich sein, die Frage nach der Corona-Impfung im Bewerbungsprozedere zu stellen. Spitex-Schweiz-Chefin Pfister winkt in Bezug auf Neuanstellungen ab: «Nein. Bei Spitex Schweiz ist ganz klar die Haltung: Impfen ist wichtig, aber freiwillig.»

Spitex Schweiz betont, man informiere alle Spitex Organisationen laufend über Neuerungen und Änderungen und leite Informationen des Bundesamts für Gesundheit weiter.

Espresso, 03.09.21, 08:13 Uhr

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Katharina Bleuer  (Blk)
    Gibt es eigentlich rechtliche Konsequenzen für Spitex-MAs, wenn sie jemanden ansteckend? Eine Haftung oder so?
    1. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      Gegenfrage haben sie jemals gehört das jemand wegen einer Verbreitung einer Infektionskrankheit angeklagt wurde?
      Und ja wie stellen sie sich das vor? Das Virus befragen von wem es den her kommt;-)?
    2. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Herr Gion, ich frage, weil ich es nicht weiss, nicht weil ich es weiss.

      "haben sie jemals gehört das jemand wegen einer Verbreitung einer Infektionskrankheit angeklagt wurde?" --> ja, es wurden in der Schweiz schon Leute wegen Körperverletzung verurteilt, nachdem sie jemanden mit HIV angesteckt hatten.
    3. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Es scheint ja sehr schwierig, zu ergründen, wer sich wo angesteckt hat. Das ist jetzt wirklich nicht so "einfach?" wie bei Aids. Es gab Wochen, da waren die zu betreuenden Menschen zu Hause nicht geimpft und haben andere angesteckt. Dann gab es eine Zeit, da waren die Spitex-Mitarbeitenden zum Teil noch gar nicht zum Impfen zugelassen und haben sich trotzdem bemüht, ihren Job gut zu machen. mMn ist ein Grossteil gerade der Spitex-Menschen geimpft; tippe weiter hinauf als Frau Stämpfli: über 60%
  • Kommentar von Daniel Seeberger  (Aquarius)
    Die Gründe, die Impfunwillige vorbringen,sind vielschichtig; wurzeln aber im gemeinsamen Glauben, nicht Opfer der Pandemie zu werden. Diese Geisteshaltung teilen sich alle Impfunwilligen, egal welcher Bevölkerungs- und Bildungsschicht sie angehöhren. Da verwundert es nicht, daß auch Teile des Gesundheitspersonals, daß die Folgen der Pandemie doch hautnah miterlebt, immun sind gegen die Fakten, die für die Impfung sprechen. Überzeugen kann auch das Bezahlen der Tests nicht; die Ohnmacht bleibt.
  • Kommentar von Paul Bannwart  (Baniappezöll)
    Hat es zu viel Spitex-Personal dass jemand diese Idee haben kann?
    1. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Vielleicht braucht auch die Spitex einfach Personal, das sie verlässlich einplanen kann und das nicht jede zweite Woche für 10 Tage in Quarantäne muss.