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Moderator Dominik Meier: «Wenn wir keinen Schnelllader finden, sitzen wir stundenlang fest im Nirgendwo»
Aus News-Clip vom 17.08.2021.
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E-Autos Mit dem Elektroauto nach Rom: eine Testfahrt

Acht Prozent. Nur noch acht Prozent Batterieladung bleibt uns. Wir schalten die Klimaanlage aus. Das spart Strom. 33 Grad hin oder her. Noch sind wir nicht in Grosseto. Und noch wissen wir nicht, ob die Ladestation dort auch funktioniert. Es ist Tag drei unseres Roadtrips. Mit voller Anspannung und leerem Akku rollen wir durch die Toskana.

Warum kann man hier nicht laden?

Dabei hat alles so einfach begonnen: Tag eins, in Aosta ist die Ladestation rasch gefunden. Beim Espresso in der Bar nebenan vergeht die kurze Ladezeit im Flug. Erst kurz vor Genua wird uns klar: So einfach wirds nicht bleiben.

Legende: «Ein Abenteuer und manchmal auch Nervenkitzel»: Rundschau-Moderator Dominik Meier an der Ladestation. zvg

Viele Ladestationen sind zu langsam: Stundenlang laden liegt einfach nicht drin auf der Durchreise. Wir erleben, was die Statistik belegt: Italiens Ladenetz liegt im Europa-Ranking des Verbands der deutschen Autoindustrie weit hinten auf Platz 21 von 31 Staaten.

«Ein Totalversagen»

Die EU hat Ladestationen mitfinanziert. Doch manche Staaten bauten planlos drauflos. Es sei nicht umfassend analysiert worden, wo es wie viele Stationen brauche, schreibt der EU-Rechnungshof.

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EU-Parlamentarier Markus Pieper (CDU): «Ich habe dieses Grundvertrauen in die Ladeinfrastrukturen noch nicht.»
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Noch deutlicher wird der EU-Parlamentarier Markus Pieper: «Für mich ist das ein Totalversagen. Einige Mitgliedsländer haben es nicht hingekriegt, mit dem vielen Geld auf vernünftige Projekte zu kommen», sagt der deutsche CDU-Verkehrspolitiker zur «Rundschau».

Ölfirmen als Bremser?

Am ersten Tag, kurz vor Genua, heisst das: Weg von der Autobahn, auf der Suche nach einer schnellen Ladesäule. Auf der schmalen Strasse mit engen Kurven drängeln die Einheimischen hinter uns. Wir fragen uns, weshalb es ausgerechnet an der Autobahn keine Schnellladestation gibt.

Der «Rundschau»-Roadtrip

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Die «Rundschau»-Testfahrt führte über fast 1300 Kilometer von Bern nach Rom.


Tag 1: Bern – Aosta (Laden) – Masone (Laden) – Lavagna


Tag 2: Lavagna – Massa (Laden) – Castellaccia


Tag 3: Castellaccia – Grosseto (Laden) – Bolsena (Laden)


Tag 4: Bolsena – Rom


Unterwegs waren wir mit dem VW ID.3 mit einer Batteriekapazität von 58 KWh. Das ist nach dem Tesla Model 3 das meistverkaufte Elektroauto im ersten Halbjahr 2021 in der Schweiz. Eine volle Ladung reichte auf Italiens Strassen für rund 350 Kilometer. Getreu den Empfehlungen des Herstellers luden wir die Batterie aber jeweils nur zu 80 Prozent.

Das Lobbying der Ölindustrie sei schuld, sagt später am Telefon Mario Grosso, Professor für Umwelttechnologie am Mailänder Polytechnikum. «ENI und die anderen Ölkonzerne wollten keine Elektrokonkurrenz an den Autobahnen. Mit ihrem politischen Einfluss haben sie die Entwicklung gebremst.» ENI betont auf Anfrage, wie stark der Konzern heute in Ladestationen investiere. Druck macht auch Brüssel: Das Klimapaket der EU-Kommission verlangt künftig entlang der wichtigsten Autobahnen Ladestationen alle 60 Kilometer.

Wir waren gewarnt

Zurück in die südliche Toskana. Tag drei unseres Roadtrips, der Akku fast leer. Uns wird bewusst: «Elektrofahrer» sind in Italien immer noch Pioniere. Erst drei von tausend Autos haben einen Stecker. In der Schweiz sind es dreimal mehr. «Weiter im Süden Italiens wird es schwieriger», haben uns Elektroautofahrer gewarnt. Sie hatten recht. Längst bestimmen die Standorte der Schnellladestationen unsere Reiseroute mit.

Wir erinnern uns an das holländische Ehepaar von Tag zwei. Auch sie wollten mit ihrem Elektroauto nach Rom. Kurz vor dem Ziel gaben sie auf und nahmen den Zug: «Italien könnte es besser machen», sagten sie beim Schwatz an der Raststätte.

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Jaspar und Astrid Evertzen, Holländische Touristen: «Wenn man irgendwo hin will, muss man danach planen, wo die Ladesäulen sind. Sonst hat man ein Problem.»
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Ernsthafte Probleme bleiben uns aber auch am Tag drei erspart: Der Akku reicht bis zur Ladestation. Weiter geht's ins Hinterland. Am Abend steuern wir im malerischen Bolsena die einzigen zwei Ladesäulen an. Doch beide sind besetzt. Und bereits wartet ein belgisches Touristenpaar. Wir müssen warten. Erst Stunden später ist die Säule frei.

Nervenkitzel an Bord

Am vierten Tag ist der Weg nach Rom nur noch kurz. Auf den letzten Kilometern ziehen wir Bilanz: Eine Prise Abenteuer schwingt mit beim E-Roadtrip durch Italien. Aber der Nervenkitzel wird zum Teil des Reise-Erlebnisses. Die Anbieter bauen aus. Es tut sich was – wenn auch langsam. Aber Rom wurde schliesslich auch nicht an einem Tag gebaut.

«Rundschau»

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«Rundschau»

Mehr zum Thema in der «Rundschau» um 20.05 Uhr auf SRF 1.

SRF Rundschau, 18.08.2021, 20:05 Uhr

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106 Kommentare

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  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Wenn SRF einen Test macht, sollten sie ein zeitgemässes EV verwenden. Das wäre ein Tesla.

    Man würde ja auch nicht mit einem Ford Model T testen wie brauchbar die Benzinautos heute sind.
  • Kommentar von Hans Schaffner  (Housi)
    E-Fahrzeug Ladestationen müssen zwingend bei normalen Tankstellen gebaut werden.
    Für mich ist nichts logischer als das. Dort hätte man dann auch ein Dach über dem Kopf, und die Möglichkeit etwas zu kaufen oder einen Kaffee zu trinken.
  • Kommentar von Franz Felix  (Felix "der Glückliche")
    Gumperts Methanol-Brennstoffzellenauto löst diese Probleme. 500-800km Reichweite.
    Links eine Klappe zum Elektroladen (Elektroauto), rechts eine Tankklappe zum Methanol tanken. Wenn keine Ladestation vorhanden ist, oder der Fahrer des Elektroautos keine Zeit verschwenden will, fährt das Auto mit Methanol, indem aus Methanol im Auto Wasserstoff gefahrlos hergestellt wird - emissionsfrei. Eignet sich für PKWs, Busse und LKWs. Preis max. 10% höher als für vergleichbare reine Elektrofahrzeuge.
    1. Antwort von Franz Heeb  (fheeb)
      Bei E-Fahrzeugen geht die Massenproduktion jetzt richtig los. Dies führt zu tieferen Preisen. Die Infrastruktur im Aufbau, die Akkus werden besser.
      Es ist möglich, dass das Methanol Brennstoffzellen Auto eine Lösung gewesen wäre, denke aber dass der Zug (im PKW-Bereich) abgefahren ist.
      LKW Busse sehe ich noch eine Chance.

      Mit der Reichweite ist es so wie mit unserem Esstisch. Zu Weihnachten sitzen da 10 - 12 Personen und dafür wurde er angeschafft. Den Rest des Jahres sind wir zu zweit.