Studie zum Tabakkonsum Ein halbes Päckchen pro Tag? Stimmt nicht!

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Schweizer rauchen mehr als sie zugeben

  • Laut Suchtmonitoring des Bundes qualmen Raucher im Schnitt zehn Zigaretten pro Tag.
  • Verkaufszahlen lassen aber darauf schliessen, dass es mehr als 18 Glimmstängel sind.
  • Zu diesem Schluss kommen Forschende der Universität Neuenburg, die eigentlich nur herausfinden wollten, wie viele Tabakwaren in der Schweiz versteuert werden.

Die Antwort auf die Hauptfrage der Studie vorweg: Fast alle in der Schweiz gerauchten Zigaretten werden in der Schweiz versteuert. Im Ausland gekaufte oder geschmuggelte Raucherwaren machen weniger als zehn Prozent aus.

Quasi als Nebenprodukt haben die Forschenden der Universität Neuenburg aber herausgefunden, dass in der Schweiz deutlich mehr gequalmt wird als bisher angenommen – regelmässige Raucherinnen und Raucher kommen auf fast ein Päckchen pro Tag. Sie rauchen im Durchschnitt mehr als 18 Zigaretten statt nur gut zehn, wie es im Suchtmonitoring des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) heisst.

Gelegenheit macht auch Raucher

Dieser Unterschied sei mit den verschiedenen Erhebungsmethoden zu erklären, sagt Roy Salveter, der beim BAG für Prävention zuständig ist. Die Neuenburger Studie basiere auf Hochrechnungen zu Verkaufszahlen, während das Suchtmonitoring Raucherinnen und Raucher zu ihrem Zigarettenkonsum befrage.

«Ein Teil dieser Befragten schätzt den täglichen Zigarettenkonsum tiefer ein, als er in Wirklichkeit ist», sagt Salveter. «Andere geben an, Nichtraucher zu sein, obwohl sie gelegentlich oder regelmässig rauchen.» Für die Präventionsarbeit sei jedoch nicht entscheidend, wie viel genau geraucht werde. «Uns ist der Trend wichtig. Wir wollen wissen, wie die Entwicklung in den letzten Jahren war.»

Prävention über das Portemonnaie

Aus Sicht der Präventionsfachleute ist allerdings auch der Trend nicht wirklich erfreulich. Lange ging der Anteil der Raucherinnen und Raucher an der Gesamtbevölkerung zwar zurück. Seit 2011 bleibt er aber mehr oder weniger gleich. Nur höhere Abgaben auf Tabakprodukte könnten das ändern.

«Es ist bekannt, dass die wirksamste Massnahme in der Prävention die Preisgestaltung ist», erklärt Salveter. «Das gibt vor allem bei den Jugendlichen den Ausschlag, aber auch bei den regelmässig Rauchenden.» Politisch haben höhere Zigarettenpreise im Moment allerdings keine Chance. Erst vergangenes Jahr hat das Parlament einen entsprechen Antrag des Bundesrates versenkt.