«Achtung!», schreit ein Mann hoch oben im Baum. Er ist Gärtner in Brig-Glis VS, an einem Seil gesichert, und hält eine kleine Säge in der Hand. Zehn Meter tiefer macht sein Kollege ein paar Schritte zur Seite, blickt nach oben und ruft: «Güet!» Ein grosser Ast – er ist nicht saftig grün, sondern braun und vertrocknet – fällt hinunter.
-
Bild 1 von 3. Die Briger Stadtgärtnerei entfernt dürre Äste vom 40-jährigen Baum. Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 3. Grosses Sicherheitsrisiko: Viele Bruchstellen werden erst jetzt im Frühling sichtbar. Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 3. Mehr als ein Viertel der Bäume auf dem Briger Stadtgebiet kam zu Schaden. Bildquelle: SRF/Sabine Steiner.
«Die dürren und eingeknickten Äste müssen weg, sie sind eine Gefahr», erklärt René Werlen, Leiter der Stadtgärtnerei. Der starke Schneefall im April vor einem Jahr sorgt noch immer für viel Arbeit. Im ganzen Kanton sind Förster und Gärtner damit beschäftigt, Schäden zu beseitigen. «Die Folgen werden uns auch in Brig noch Jahre beschäftigen», so der Stadtgärtner.
Rückblick: Es war Mitte April 2025, das Osterwochenende stand vor der Tür. Über Nacht fiel im Wallis viel Schnee – und sorgte für Chaos. Strassen wurden gesperrt, Schulen geschlossen, Seitentäler waren von der Aussenwelt abgeschnitten. Die Behörden riefen die «besondere Lage» aus. Sie forderten die Bevölkerung auf, daheimzubleiben, und warnten vor Lawinen und umstürzenden Bäumen.
Schneechaos kurz vor Ostern 2025
-
Bild 1 von 5. Gesperrt: Das Saas- und Mattertal waren von der Aussenwelt abgeschnitten. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 2 von 5. Sicherheitsproblem: Viele Bäume hielten der Schneelast nicht Stand und knickten ein. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 3 von 5. In Teilen des Wallis fiel bis zu einem halben Meter Schnee innert weniger Stunden. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 4 von 5. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, ihre Bewegung aufs Nötigste zu beschränken. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott.
-
Bild 5 von 5. Der Schnee kurz vor dem Osterwochenende 2025 überraschte viele. Bildquelle: Keystone/Jean-Christophe Bott.
Nicht nur in Brig hielten die Bäume den Schneemassen nicht Stand. Besonders in den Wäldern des Kantons kam es zu enormen Schäden. Es werde Jahrzehnte dauern, bis sich der Wald erholt habe, so der Kanton, der die Schadholzmassen auf 140'000 Kubikmeter schätzt. Das entspricht einer Jahresproduktion der Walliser Forstwirtschaft.
Dazu kommen Schäden an Kantonsstrassen, Seitengewässern und am Rhoneufer. Rund 20 Millionen Franken hat der Kanton für die Instandsetzung gesprochen.
Funksystem für Rettungskräfte fiel aus
Der Aprilschnee sorgte aber nicht nur für umstürzende Bäume: In Seitentälern wie dem Matter- und Saastal fielen der Strom und das Mobilfunknetz aus. Die Dörfer waren also nicht mehr erreichbar – weder per Auto noch per Telefon oder E-Mail. Auch das nationale Funksystem Polycom hatte Ausfälle. In der Folge konnten Rettungskräfte nicht mehr kommunizieren.
«Zum Glück gab es in dieser Zeit im Dorf keine Notfälle», sagt Bernd Kalbermatten. Er ist Gemeindeschreiber von Saas-Fee und sitzt für die Mitte im Kantonsparlament.
Für den Betrieb und den Unterhalt der Polycom-Antennen ist der Kanton zuständig. Kalbermatten hat in einem überparteilichen Vorstoss die Kantonsregierung zum Handeln aufgefordert. «Die Regierung hat zwar Massnahmen in Aussicht gestellt, bislang ist aber nicht viel passiert.»
Zum Glück gab es während des Ausfalls keine Notfälle im Dorf.
Das stimme nicht, kontert der zuständige Regierungsrat Stéphane Ganzer. «Wir haben mittlerweile 16 kritische Standorte mit Generatoren und Batterien ausgestattet.» Ausserdem laufe derzeit eine Ausschreibung, um den Grossteil der über 100 Antennen im Wallis aufzurüsten. «Ich hoffe, dass wir vor dem nächsten Winter die neuen Batterien installieren können.»
Mehraufwand bis 2030
Zurück nach Brig. Mittlerweile haben alle Stadtgärtner wieder festen Boden unter den Füssen. Sie zerkleinern mit Sägen die Äste für den Abtransport. Über 550 Bäume, also mehr als ein Viertel der Bäume in der Stadt, sind stark beschädigt. Bäume ausserhalb des Stadtgebiets und Wald der Gemeinde nicht mitgezählt.
-
Bild 1 von 3. Auch am Rhoneufer in Steg laufen derzeit Aufräumarbeiten. Die niedergedrückten Bäume müssen weg. Bildquelle: SRF/Sabine Steiner.
-
Bild 2 von 3. Per Helikopter werden die Stämme – sie sind bis zu 20 Meter lang – für den Abtransport an die andere Uferseite geflogen. Bildquelle: SRF/Sabine Steiner.
-
Bild 3 von 3. Stromleitungen, grosse Maschinen, schwere Baumstämme: Die Arbeiten verlangen von allen Beteiligten hohe Konzentration. Bildquelle: SRF/Sabine Steiner.
«Wir rechnen damit, dass die Folgen des Aprilschnees uns bis 2030 beschäftigen und die Pflege der Bäume insgesamt über 650'000 Franken kosten wird», so der zuständige Stadtrat Christian Gasser. Die Arbeit geht der Stadtgärtnerei also so schnell nicht aus.