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Ein Leben ohne Abfall Menstruations-Tasse und Zähneputzen mit Aktivkohle

Legende: Video Leben ohne Abfall abspielen. Laufzeit 8:01 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 10.05.2018.

Kokosnussöl und Aktivkohle. Mit diesem selbstgemachten Mix putzt sich Carla Opetnik täglich ihre Zähne. Sie spuckt die schwarze Zahnpasta in das Waschbecken und sagt: «Am Anfang war es schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber dafür muss ich keine Plastiktube wegwerfen.»

Die Wirkung dieser Zahnpasta ist unter Zahnärzten umstritten. Aber für die 26-Jährige zählt: Sie will möglichst wenig Abfall produzieren. Das wenige, das anfällt, sammelt sie in einem Vorratsglas. In ihrer Küche im Zürcher Kreis 4 zeigt sie das, was im vergangenen Monat angefallen ist: Ohrenstäbchen, eine leere Chia-Samendose, die Verpackung eines Schoko-Osterhasen.

Leere Plastiksäckchen sind nicht das, was den Abfallberg gross macht. «Ja, das ist wahr», sagt Carla Opetnik, «aber ich will nicht zu denjenigen gehören, welche die Erde kaputt machen.»

Ich will nicht zu denjenigen gehören, welche die Erde kaputt machen.

Auch die Rüstabfälle kommen an einen besonderen Ort: In den Wurmkompost, der in der Küche steht. Carla Opetnik wühlt in der Erde und zeigt lächelnd auf einen Wurm. «Über 1000 solche Würmer leben hier drin. Alles meine Haustiere.» Die Erde, die so entsteht, verwendet sie für ihre Zimmerpflanzen.

Die junge Frau macht die gestalterische Berufsmatur und arbeitet freiberuflich für verschiedene Projekte. «Zero Waste», Null Abfall, nach diesem Prinzip lebt sie bereits über ein Jahr. Möglich sei das auch, weil sie in einer Stadt wohne, wo es spezielle Läden für diesen Lebensstil gebe, sagt Carla Opetnik.

In Läden mit verpackungsfreien Lebensmitteln

In Zürich gibt es mehrere Läden, die Lebensmittel verpackungsfrei anbieten oder Produkte im Sortiment haben wie die Menstruations-Tasse, eine Alternative zu Tampons und Binden. Zum Beispiel das «Foifi» nahe der Zürcher Hardbrücke.

Carla Opetnik hat eine grosse Tasche und leere Stoffsäcken und Glasflaschen mitgebracht. In diese füllt sie Pasta und Rohmilch ab. Lokal und saisonal einzukaufen ist ihr wichtig. Nur beim Kaffee und bei der Schokolade mache sie Kompromisse.

Kaputte Kleider werden geflickt

Zum Mittagessen trifft Carla Opetnik eine Freundin im «Palestine Grill» an der Zürcher Langstrasse. Die Freundin bestellt den Falafel mit, Carla Opetnik ohne Verpackung. Sie hat extra ein Gefäss mitgebracht. Jeden Tag konsequent sein, immer an alles denken – das passt nicht in jeden Alltag.

«Für mich ist es den grossen Aufwand wert», sagt Carla Opetnik. Sie will weiterhin möglichst wenig Abfall verursachen. Und andere damit anstecken. Seit kurzem gibt die gelernte Schneiderin Kurse, in denen sie zeigt, wie kaputte Kleider geflickt werden können.

Legende: Video Katharina Locher im Interview mit ETH-Expertin Mélanie Haupt abspielen. Laufzeit 2:38 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 10.05.2018.

«Die Ressourcen und die Energie gehen nicht einfach verloren»

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Wie viel bringt Zero Waste?

Mélanie Haupt*: Viel! Denn wer diesen Lebensstil pflegt, wirft nicht nur weniger weg, sondern lebt meistens ressourcenschonender. Und das ist gut für die Umwelt.»

Weniger wegwerfen - ist es damit getan?

Nein. Denn obwohl jede Schweizerin, jeder Schweizer jährlich gut 700 Kilo sogenannten Siedlungsabfall produziert, sind die Umweltauswirkungen anderer Bereiche deutlich grösser. Die grossen Stellschrauben sind das Wohnen, die Mobilität und die Produktion der Nahrungsmittel.

Was geschieht mit dem Abfall in der Schweiz?

Abfall wird in der Schweiz sehr gut verwertet. Dieser wird zur einen Hälfte verbrannt und zur anderen Hälfte rezykliert. Die Ressourcen und die Energie gehen also nicht einfach verloren.

Mélanie Haupt ist Postdoktorandin in Abfalltechnik am ETH Institut für Umweltingenieurwissenschaften in Zürich.

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59 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Imber (Wasserfall)
    Mich stört die Lebensweise von Frau Opetnlk überhaupt nicht. Mag etwas extrem sein, aber sie stört ja damit niemanden und reduziert für sich den Abfall markant. Da ändert auch nichts dran, wenn Sie ihre Haare färbt etc. Wenn es hilft , dass immer mehr Leute mehr darauf schauen, den Abfall auch nur etwas zu verringern, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Somit sehe ich an der ganzen Sache nichts Negatives. Selber möchte ich es nicht so extrem betreiben aber mehr acht geben schon.
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  • Kommentar von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
    @srf: Bitte erklärt mir doch was an meiner ersten Antwort an Daniel Fueter so schlimm war... Darf ich nicht bemängeln dass er meinem Verzicht indirekte Statements unterstellt oder war es de Witz über mich selbst?
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    1. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      Und? Wo ist die Erklärung?
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  • Kommentar von H Kuhn (K.H.)
    Amüsant, die z.T. idiotischen Kommentare zu sehen. Das sind die gleichen Typen, welche sagen:"ich spende nichts, das Geld kommt ja sowieso nicht dort an wo es sollte". Faule Ausrede! Man muss ja nicht für UNICEF oder World Vision spenden, wo viel zuviel Geld in der Administration versickert. Es gäbe genügend Alternativen. Ich bin weit entfernt vom Lebensstil der Frau Opetnik, schaue aber trotzdem, mich ein bisschen zu ändern. Übrigens, diese Frau bedroht mit ihrer Lebensweise niemanden.
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