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Schweiz Ein Millionenprojekt bändigt die wilde Linth

Es ist das grösste Wasserbauprojekt der Schweiz: Heute ist das Linthwerk offiziell der Bevölkerung übergeben worden. Zur Festgesellschaft zählte auch Bundesrätin Leuthard. Vorausgegangen ist ein 15jähriges Hickhack zwischen Umweltverbänden und Landwirtschaft – alles für den Schutz vor Hochwasser.

Kartenausschnitt mit beiden Kanälen.
Legende: Das Linthwerk umfasst den Escher- und den Linthkanal zwischen Mollis und Walensee sowie Walensee und Zürichsee. SRF

Die wilde Linth war der Bevölkerung in den Kantonen Glarus, Schwyz und St. Gallen schon im späten 18. Jahrhundert ein Dorn im Auge. Hochwasser und ständige Überflutung bedrohten das Leben der Menschen. Der ungeregelte Lauf des Flusses erschwerte auch die Schifffahrt nach Zürich und behinderte den Handel über die Alpenpässe.

Legende: Video Sanierung der Dämme am Linthkanal abspielen. Laufzeit 1:45 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.04.2013.

Retter in der Not wurde anno dazumal die einflussreiche Zürcher Persönlichkeit Hans Konrad Escher. Er machte sich daran, die katastrophalen Verhältnisse zu verbessern. Seine Idee: Die Linth in den Walensee umleiten. Der See sollte als Geschiebesammler und Ausgleichsbecken dienen. Die Bauarbeiten an diesem neuen so genannten «Escherkanal» dauerten von 1807 bis 1811.

Bis heute fliesst der Escherkanal von Mollis (GL) in den Walensee und von dort als Linthkanal auf kürzestem Weg in den Zürichsee. Im Verlauf der Zeit gab es jedoch neue Schwierigkeiten: Die altersschwachen Dämme liessen das Wasser immer wieder ansteigen und über die Ufer treten. So kam es in den Jahren 1910, 1953, 1999 und 2005 zu Hochwasser und Überschwemmungen.

Dass etwas geschehen muss, war der Linthkommission – bestehend aus Vertretern der Kantone Glarus, Schwyz, St. Gallen und Zürich – schon vor dem Hochwasser 1999 klar: 1998 gab die Kommission eine Studie für einen neuen Hochwasserschutz in Auftrag. Die Dämme wurden geprüft, das künftig zu erwartende Wasseraufkommen in den Kanälen hochgerechnet, die Fauna und Flora analysiert und das Verhalten des Wassers innerhalb der Flussrinnen und die möglichen Überflutungen per Computer simuliert.

Mehr natürliche Umgebung

Bis die Baumassnahmen umgesetzt werden konnten, sollte es aber noch einmal rund zehn Jahre dauern. Nicht alle waren nämlich mit dem Projekt einverstanden, wie Linth-Ingenieur Markus Jud zu SRF News Online sagt: «Die Bauern wollten das Land nicht hergeben. Und die Umweltverbände wollten mehr Ökologie.»

Letztlich wurden die Streitereien teils gar vor Bundesgericht ausgefochten. Im September 2008 erfolgte in Mollis der Spatenstich – am gleichen Ort, an dem Hans Konrad Escher schon 1807 mit dem Bau des Escherkanals begonnen hatte. Das Projekt Linthwerk ging in die finale Phase. Die altersschwachen Dämme wurden verstärkt und verbreitert. Flussausweitungen und Uferrenaturierungen führten zurück zu einer ursprünglicheren Linth. Es entstanden natürliche Gewässer, Riedflächen, Blumenwiesen und Waldreservate.

Auch für die Besucher wurde die Region attraktiver gemacht: Es entstanden laut Markus Jud Beschilderungen und Aussichtsplattformen. Naturfans können in der Linthebene spazieren, joggen, inline skaten oder Velo fahren.

Mehr als 120 Millionen Franken hat das Projekt gekostet. Etwas mehr als ein Drittel davon zahlt der Bund. Der Rest wird unter den Trägerkantonen St. Gallen, Glarus, Schwyz und Zürich aufgeteilt. Für das Linthwerk wurden 70 Hektaren Land und Wald erworben, 160'000 Tonnen Blocksteine verbaut und 1,5 Millionen Kubikmeter Erde bewegt.

Obwohl die Baumassnahmen abgeschlossen sind – fertig ist das Linthwerk nicht. Es benötigt ständig Überwachung und Unterhalt. Die Natur braucht zudem einige Jahre, bis sie sich den neuen Gegebenheiten angepasst hat.

Am Samstag wurde die Landschaft direkt am Fluss bei Benken (SG) offiziell der Bevölkerung übergeben. In einer Festansprache würdigte Bundesrätin Doris Leuthard das Projekt aus Sicht des Bundes. Auch der Präsident der Linthkommission, der St. Galler Regierungsrat Willi Haag, hielt eine Rede. Zudem waren zahlreiche Behördenmitglieder aus den betroffenen Kantonen vor Ort.

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