Aids-Medikament Ein neuer Schritt in der Aidsprävention

Ein Medikament statt ein Kondom gegen eine Aids-Ansteckung – Experten ziehen eine vorsichtig-positive Bilanz.

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«PrEP ist kein Allerheilmittel»

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Präexpositionsprophylaxe PrEP ist ein Medikament, das HIV-negative Personen einnehmen, um sich vor einer möglichen HIV-Infektion zu schützen.
  • Seit einem Jahr werden PrEPs auch in der Schweiz in der Aidsprävention eingesetzt.
  • Experten ziehen eine vorsichtig-positive Zwischenbilanz: PrEP könne effizient vor einer HIV-Ansteckung schützen. Das Medikament eigne sich aber nicht für alle.

«Eine Revolution sind PrEPs in der Aidsprävention keinesfalls», sagt Daniel Seiler, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz. Sie seien vielmehr ein interessantes neues Element in der Aidsprävention, die insgesamt aber schwierig bleibe. «Diese Präventionsmassnahme PrEP ist ein neuer Baustein in unserer Präventionsarbeit. Weil wir Menschen, die ein sexuell aktives Leben haben, damit eine Alternative zum Kondom geben.»

Für Männer, die mit Männern Sex haben

Für Manuel Battegay, Chefarzt am Universitätsspital in Basel und Präsident der Europäischen Aids-Gesellschaft, ist klar, wo PrEPs ihre Hauptbedeutung haben: «Bei Männern, die Sex mit Männern haben, wo man weiss, dass die Neuansteckungsrate in den letzten Jahren wieder stark anstieg.»

Und PrEPs, ergänzt Battegay, seien, richtig angewendet, äusserst wirksam. Mehrere Studien würden belegen, dass der Schutz durch PrEP sehr hoch sei, zwischen 90 und 99 Prozent.

Das Kondom bleibt für die meisten die beste Alternative

Daniel Koch, Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, sieht das auch so. Dennoch ist ihm wichtig, die Proportionen richtig darzustellen: «In den allermeisten Situationen und für die allermeisten Leute ist das Kondom immer noch die viel bessere Alternative.»

Regelmässige Arztbesuche

Meist ist das Kondom auch die einfachere Variante: Für PrEP sind regelmässige Arztbesuche nötig. Allfällige Nebenwirkungen müssen kontrolliert werden. Und für das Medikament braucht es ein Rezept. Ärzte können es verschreiben, obwohl PrEPs in der Schweiz noch nicht zugelassen sind. Off-Label Use heisst das. Und dann ist da noch die Hürde des Preises: Derzeit kostet eine Monatsversorgung 900 Franken, die der Einnahmewillige selber bezahlen muss. Doch Daniel Seiler von der Aids-Hilfe meint, die Arztbesuche seien vor allem auch aus wirtschaftlichen Gründen zu empfehlen, da günstigere Generika verfügbar seien.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen skizziert Daniel Bach vom Bundesamt für Gesundheit seine Zukunftserwartung an PrEP so: «Ich bin überzeugt, PrEP wird Teil der Prävention bleiben. Es ist ein Gewinn. Aber zu denken, dass dies jetzt das Allerheilmittel ist, wäre sicher falsch.» Nicht Heilmittel aller also, sondern effiziente Vorsorge für Wenige.