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Stabübergabe an der Armeespitze
Aus Tagesschau vom 08.12.2016.
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Neuer Armeechef tritt an Ein Romand an der Spitze der Armee

Philippe Rebord übernimmt im Januar das Kommando von Armeechef André Blattmann. Was wird von ihm erwartet?

Divisionär Philippe Rebord wird am 1. Januar als neuer Armeechef die Führung von André Blattmann übernehmen. Danach will er sich 100 Tage Zeit nehmen, bis er zum ersten Mal richtig Red und Antwort steht. Auf den Neuen warten viele Baustellen innerhalb der Armee. Die Umsetzung der Armeereform, eine neue Führungsstruktur, ein neuer Kampfjet, neue Bedrohungsformen.

Wer ist dieser Neue, der vorläufig schweigt? Fragt man im Bundeshaus in Bern die Politiker, was sie über Rebord wissen, zucken viele mit den Schultern. Der Mann, den so viele Parlamentarier nicht kennen oder bislang nicht wahrgenommen haben, war offenbar in den letzten 30 Jahren als Berufsmilitär gut getarnt.

Hans-Ulrich Bigler, freisinniger Nationalrat und ehemaliger Oberst, hat aber Generalstabskurse mit ihm besucht: «So wie ich kennengelernt habe, ist er überlegt, zurückhaltend im Auftreten und stark in der Analyse.»

So wie ich kennengelernt habe, ist er überlegt, zurückhaltend im Auftreten und stark in der Analyse.
Autor: Hans-Ulrich BiglerFDP-Nationalrat

Ruhig, besonnen, bodenständig, allenthalben respektiert. Studium in Lausanne, Geschichte, Geografie, Französisch. Wandert und liest gern, ist Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Kein Blender, in keiner Partei, einer mit einem trockenen Humor, sagen die, die ihn kennen. Ein militärischer Oberlehrer, ein feldgrauer Bürosoldat, kein Visionär, sagen seine Kritiker.

«Hier, verstanden»

«Was heisst schon Visionär? Ich halte nicht viel von Visionen, ich halte mich lieber an die Realität», gibt Adrian Amstutz, SVP-Sicherheitspolitiker und einst Fallschirmgrenadier zurück. Realität ist: Rebord, der Neue, muss jetzt vor allem die von der Politik befohlene Reform mit dem nichtssagenden Titel «Weiterentwicklung der Arme», durchziehen, betont der frühere Gefreite und heutige CVP-Armee-Spezialist Jakob Büchler. «Das ist eine grosse Kiste. Da kann es nur heissen: ‹Hier verstanden›, auch für den höchsten Chef der Armee.»

Die Truppe verkleinern, neue Führungsstruktur, Ausbildung, Ausrüstung, Mobilisierbarkeit verbessern. Dafür gibts pro Jahr fünf Milliarden Franken.

Seit klar ist, dass Guy Parmelin, der Verteidigungsminister aus der Romandie, Rebord, den Romand, zum Armeechef gemacht hat, murrt es in der Deutschschweiz. Aber Amstutz wehrt ab: «Das ist Blödsinn. Dass ein Armeechef einmal die gleiche Sprache spricht wie sein vorgesetzter Bundesrat, muss es in diesem Land vertragen können.»

Ein falsches Zeichen habe Rebord bei seinem bislang einzigen Auftritt nach der Wahl durch den Bundesrat im Herbst gleich selber gesetzt, monieren die SP-Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé und ihr grüner Kollege Balthsar Glättli.

Der designierte Armeechef sprach dabei zum Erstaunen vieler Klartext: Die Armee habe ein Rekrutierungsproblem, weil der Zivildienst boome.

Dass der Armeechef die gleiche Sprache spricht wie sein vorgesetzter Bundesrat, muss es vertragen.
Autor: Adrian AmstutzSVP-Nationalrat

Auf die Frage, ob der Zivildienst denn zu attraktiv sei, meinte Rebord militärisch knapp: «Scheinbar.» Galladés Urteil: «Das fand ich keinen guten Einstieg. Ich hätte mir einen innovativeren Ansatz erwartet.» Und Glättli meint: «Es ist eine Art Kapitulationserklärung der Armee, wenn es ihr einziges Rezept ist, den Zivildienst unattraktiv zu machen.»

Das Alter als Vorteil

Rebord, der bald 60-jährig ist, erhält nun das dritte Edelweiss auf der Uniform und steht als Armee-Chef zuoberst auf der Karriereleiter. «Weiter nach oben geht es nicht mehr», sagt CVP-Sicherheitspolitiker Büchler lakonisch. Danach geht es in den Ruhestand. Spätestens in sechs Jahren.

Frage deshalb: Ist Rebords Alter eigentlich ein Vor- oder ein Nachteil bei der gewaltigen, heiklen Umsetzung der Armee-Reform? «Wenn man bei heiklen Entscheiden nicht mehr auf die eigene berufliche Zukunft Rücksicht nehmen muss, kann das durchaus ein Vorteil sein. Man muss aber auf jeden Fall geschickt agieren», meint BDP-Nationalrat Lorenz Hess, Oberst im militärstrategischen Stab des Armeechefs.

Könnte heissen: Rebord, der Neue, hat nichts zu verlieren und könnte deshalb noch für die eine oder andere Überraschung gut sein. «Das kann man auch so sagen», sagt Corina Eichenberger, FDP-Nationalrätin und Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission. Auch sie kennt übrigens Rebord noch nicht.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Wo Herr Rebord Recht hat hat er Recht! Der Zivilschutz ist wahrscheinlich wirklich zu attraktiv. Wer keine körperlichen Gebrechen hat, soll zur Armee und dort den Dienst leisten. Die Zeiten sind unsicher und falls der Ernstfall eintritt, kann uns der Zivilschutz nicht verteidigen, sondern, wenn's gut geht, noch die Scherben zusammenwischen. Aber ohne Armee die schützend davor steht, ist auch das schwierig (siehe Aleppo!). Wir haben einfach viele Träumer in der Schweiz, die nie im Ausland waren.
    1. Antwort von roland goetschi  (pandabiss)
      Sie wissen aber schon das es hier um den Zivieldienst geht nicht um den Zivilschutz. Ps. Um einen Zivildienst zu leisten muss man zwingend tauglich sein.
  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Logisch die Reaktion des Linken und des Grünen auf das Argument des neuen Armeechefs aus der Romantik, der Zivildienst sei zu attraktiv. Die beiden gehören ja zum Club der Armeeabschaffer.
    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Man sollte eben Gallandé-& Glättli-Abschaffer ans Werk lassen. (smile)