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Legende: Audio Angenehmer Duft verleitet zum Geldausgeben abspielen. Laufzeit 05:13 Minuten.
Aus Espresso vom 19.12.2018.
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Einfluss von Düften Angenehmer Duft verleitet zum Geldausgeben

Das Wichtigste in Kürze

  • Den Trick mit dem frischen Brot haben unterdessen fast alle Lebensmittel-Läden umgesetzt: Direkt im Laden Brot aufbacken sorgt fast rund um die Uhr für einen angenehmen Duft im Laden.
  • Aber auch Spitäler, Versicherungen, Autohändler oder Banken setzen unterdessen auf Duftmarketing. Mit dezenter Raumbeduftung wollen sie ein möglichst angenehmes Ambiente schaffen.
  • Das angenehme Umfeld soll im Spital beruhigen – im Autohaus den Umsatz ankurbeln. Denn wo wir uns wohlfühlen, bleiben wir länger und geben nachweislich mehr Geld aus.

Wir alle kennen den Moment, wenn man einen Laden betritt und einem der Geruch nach frischem Brot in die Nase steigt. Wenn Ihnen dann spontan ein «mmh, hier riecht es fein!» entfährt, hat das Geschäft sein Ziel ziemlich sicher erreicht: Denn Kundinnen und Kunden geben nachweislich mehr Geld aus, wenn es im Laden angenehm duftet. Je nach Studie liegen bis zu 15 Prozent mehr Umsatz drin.

Der Ofen, der fast rund um die Uhr den Geruch nach frisch gebackenem Brot im Laden verteilt, ist vermutlich die am weitesten verbreitete Art von Duftmarketing. Es gibt aber auch unerwartete Orte, an denen Duftmarketing zum Einsatz kommt.

Weniger Angst im Zahnarzt-Wartezimmer

Antje Welge-Lüssen ist leitende Ärztin an der Hals-, Nasen-, Ohren-Klinik des Universitätsspitals Basel. Als Riech-Expertin weiss sie, welchen Einfluss Düfte auf unser Wohlbefinden haben. So sei nachgewiesen, dass Patienten weniger Angst hätten und weniger aufgeregt seien, wenn das Wartezimmer des Zahnarztes auf eine bestimmte Art beduftet sei.

Genau das ist das Prinzip von Duftmarketing: Bestimmte Düfte im Raum steigern das Wohlbefinden der Kundschaft, diese verweilt länger im Laden. «Und dass ich dann eher bereit bin, etwas zu kaufen als wenn ich den Laden gleich wieder verlasse, ist einleuchtend», sagt Welge-Lüssen.

Für problematisch hält sie den Einsatz von Düften dann, wenn sie an der Schwelle zum Wahrnehmbaren eingesetzt werden. «Dann habe ich den Eindruck, dass wir in den Bereich der Manipulation kommen, weil der Einsatz eben unterschwellig ist.»

Grapefruit in der Notaufnahme

Marcel Hetzel ist Geschäftsführer der Goodair AG in Abtwil (SG). Seit 17 Jahren bietet das Unternehmen Duftmarketing an. Zu den Kunden zählen Spitäler, Versicherungen, Banken, Reisebüros. Der Detailhandel mache nur einen sehr kleinen Teil des Kundenstamms aus, sagt Hetzel.

Beispielsweise hat Goodair die Notaufnahme des Kantonsspitals St. Gallen «beduftet». Hier wollte der Auftraggeber den typischen Spitalgeruch neutralisieren und gleichzeitig eine beruhigende und frische Atmosphäre schaffen. Zum Einsatz kommt nun eine dezente Grapefruit-Note.

«Wir setzen die Leute nicht unter Drogen!»

Den Vorwurf der Manipulation kennt Experte Marcel Hetzel. Er sagt dazu: «Jede Art von Werbung ist manipulativ. Aber wir setzen die Leute ja nicht unter Drogen, niemand verliert wegen uns die Selbstkontrolle. Sondern wir versuchen, der Kundschaft ein gutes Umfeld zu bieten.» Das sei letztendlich das Interesse von jedem Händler und jedem Anbieter. Denn wenn sich Kunden wohlfühlten, falle ihnen möglicherweise auch der Kaufentscheid leichter.

Nur ein Detailhändler setzt auf Duftmarketing

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Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» hat grosse Elektronik-Händler, Modehäuser, den Detailhandel und andere Anbieter gefragt, ob sie Duftmarketing einsetzen. Von den angeschriebenen Unternehmen gibt lediglich Globus an, in seinen Modefachgeschäften Duftmarketing einzusetzen – und zwar eine «elegante, feminine» Komposition für die Damenmode und einen «holzig-herben, maskulinen» Duft in der Herrenabteilung. Erotikmarkt richtet aus, einen Versuch mit Duftmarketing wegen ausbleibender Erfolge wieder abgebrochen zu haben. Die übrigen Unternehmen setzen nach eigenen Angaben kein Duftmarketing ein – oder setzen in ihren Lebensmittelgeschäften auf den Einsatz eines Ofens, um den Geruch von frischem Brot im Laden zu verteilen.

Bewusst wahrnehmen soll die jeweilige Kundschaft eines Unternehmens die Raumdüfte nicht. Niemand soll von einer Duftwolke erschlagen werden. «Man muss Düfte dezent einsetzen», sagt Marcel Hetzel und räumt mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: «Viele glauben, wir würden Räume parfümieren – und das stimmt nicht. Sondern wir schaffen Atmosphäre mit Hilfe von Duftstoffen.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Da haben die Duftnötler natürlich recht. Leider wird in vielen Geschäften das MusikRadio aus der „Retorte“ gespielt. Die Schweizer sind wohl auch noch stolz auf diesen Musikwahnsinn. Da werden angebliche Hits durch die ach so verehrten Algorythmen ausgelesen. Wenn aber die Grundlage voller Nachahmerstücke und Interpretationen die sich kein Mensch anhören würde ist, kann selbst mit einem Algorythmus nichts gutes präsentiert werden. Spätestens beim Einsetzen der JimmyHendrix Tirade muss ich raus!
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Ich habe mich noch nie von solchen Düften in Einkaufszentren und Läden beeindrucken lassen. Oft stören diese Düfte auch. Habe meinen Einkaufzettel, kaufe was ich brauche und verlasse den Laden wieder. Von Verführung keine Spur, bin eher froh draussen wieder frische Luft atmen zu können.
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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Zitat: Jede Art von Werbung ist manipulativ. Aber wir setzen die Leute ja nicht unter Drogen, niemand verliert wegen uns die Selbstkontrolle.

    Nein es wird bloss das Unterbewusstsein der Kunden manipuliert. Was hier schön verschwiegen wird ist, dass manche Düfte nicht nur Wohlbefinden sondern Schlüsselreize wie Hunger oder andere auslösen. Sich gegen das Unterbewusstsein wehren gelingt wohl den wenigsten von uns....
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