Zum Inhalt springen

Header

Video
Karin Keller-Sutter (EJPD): «Niemand ändert das Geschlecht aus einer Laune»
Aus News-Clip vom 11.06.2020.
abspielen
Inhalt

Einträge beim Zivilstandsamt Ständerat ebnet Weg für einfacheren Wechsel des Geschlechts

  • Bei den Behörden das eingetragene Geschlecht ändern – das soll künftig einfacher gehen. Dafür hat sich der Ständerat ausgesprochen.
  • Er will, dass für Personen mit Transidentität künftig eine Erklärung beim Zivilstandsamt reichen soll, um diese Änderung vorzunehmen.
  • Heute muss ein Gericht die Änderung des eingetragenen Geschlechts feststellen. Als nächstes befasst sich der Nationalrat mit der Vorlage.

Menschen mit einer Transidentität und Menschen mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung sollen Geschlecht und Vorname im Personenstandsregister unbürokratisch ändern lassen können.

Jede Person, die innerlich fest davon überzeugt sei, das Geschlecht wechseln zu wollen, solle mit einer Erklärung gegenüber dem Zivilstandsamt eine Änderung des Eintrags bewirken können, sagte Beat Rieder (CVP/VS) im Namen der einstimmigen Rechtskommission. «Es ist ein wichtiges Geschäft für eine ganz kleine Personengruppe in der Schweiz.»

Video
Beat Rieder (CVP/VS): «Dieses Gesetz treibt mich als Erzkonservativen nicht an die Grenzen»
Aus News-Clip vom 11.06.2020.
abspielen

Bis vor wenigen Jahren war die Änderung des Geschlechtseintrags erst nach einer chirurgischen Sterilisation und einer operativen Geschlechtsumwandlung möglich. Das ist heute zwar nicht mehr Bedingung. Da es aber keine klare gesetzliche Regelung gibt, müssen Transmenschen weiterhin grosse Hürden überwinden.

Kein Einfluss auf bestehende Ehe

Nun soll das Zivilgesetzbuch entsprechend angepasst werden. Die kleine Kammer stimmte der Änderung mit 31 zu 7 Stimmen bei 7 Enthaltungen zu.

Video
Andrea Caroni (FDP/AR): «Mit neuem Geschlecht kann man sich neuen Zutritt verschaffen»
Aus News-Clip vom 11.06.2020.
abspielen

Die Änderung im Personenstandsregister hat keinen Einfluss auf eine bestehende Ehe oder registrierte Partnerschaft. Auch Eltern-Kind-Verhältnisse bleiben unverändert.

Warnung vor Missbrauch

Im Ständerat ergriff nur Werner Salzmann (SVP/BE) das Wort gegen die Vorlage. Das heutige System stehe verschiedenen Lebensrealitäten nicht im Weg. Das sei auch richtig so. Jedoch sei ein ordentliches Verfahren vonnöten.

Video
Werner Salzmann (SVP/BE): «Das angeblich einfache Verfahren birgt Missbrauchspotenzial»
Aus News-Clip vom 11.06.2020.
abspielen

Das nun vorgeschlagene einfache Verfahren berge Missbrauchspotenzial, warnte Salzmann. «Die innerste Selbstüberzeugung ist schwer zu beweisen.» Für Zivilstandsämter handle es sich um eine «Verkomplizierung der Abläufe».

Kein drittes Geschlecht

Textbox aufklappenTextbox zuklappen

Jedes Jahr werden in der Schweiz 20-100 Kinder geboren, deren Geschlecht nicht eindeutig bestimmt werden kann. In diesen Fällen wird von einer Variante der Geschlechtsentwicklung gesprochen.

Transidentität liegt vor, wenn die tatsächlich empfundene Geschlechtsidentität nicht mit den äusserlichen Merkmalen übereinstimmt. Betroffene geben häufig an, als Mann im Körper einer Frau zu leben respektive als Frau im Körper eines Mannes. Wie viele Menschen mit Transidentität in der Schweiz leben, ist nicht klar.

Die binäre Geschlechterordnung (männlich/weiblich) wollte der Bundesrat nicht infrage stellen. Eine dritte Geschlechtskategorie – etwa «unbestimmt» – wird nicht eingeführt. Allerdings erstellt der Bundesrat im Auftrag des Parlaments einen Bericht zu dieser Frage.

Justizministerin Karin Keller-Sutter konterte, dass der Verband der Zivilstandsbeamten einhellig hinter der Vorlage stehe. Es sei nun an der Zeit, das Gesetz an die gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Transmenschen seien jahrzehntelang behördlich bevormundet worden. Das dunkle Kapitel müsse nun geschlossen werden.

Höhere Hürden für Minderjährige

Wer eine Erklärung für eine Geschlechtsänderung abgeben will, muss urteilsfähig sein. Minderjährige und Menschen mit umfassender Beistandschaft müssen die Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters einholen. Eine linke Minderheit wollte auf die Zustimmung des gesetzlichen Vertreters verzichten, unterlag aber mit 27 zu 15 Stimmen bei 2 Enthaltungen.

Viele betroffene Jugendliche befänden sich in schmerzhaften Konflikten mit ihren Eltern, argumentierte Lisa Mazzone (Grüne/GE) erfolglos. Für sie bedeutete das Einholen einer Erlaubnis eine zu grosse Erschwernis.

SRF 4 News, 11.06.2020, 11.30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mark Weber  (markweber)
    Ist schon verwunderlich, dass hier fast niemand kritisch Stellubg nimmt. Man will ja nicht in die PC Falle treten. Die Schrifstellerin JK Rawling sagt ihre Meinung, ist auf ihrer Website zu lesen. Es geht darum, dass echte Frauen mit solchen Regeln weniger vor Missbrauch geschützt sind. Dass nur gerade die SVP auf dieselbe Idee kommt, ist schon erstaunlich...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
    Liebe FDP und CVP nächstes mal nicht wundern wenn eure Prozente stark schrumpfen werden, so kommt wenn ständig zusammen mit links bis weit Links gestimmen wird. Die Meldungen die seit 2 Tagen aus dem Parlament kommen, haben nichts mehr mit die Realität, sondern nur mit die Ideologie zu tun.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thrum Amstalden  (Thrumugnyr)
      Das hat mit Ideologie wenig zu tun, sondern halt mit Rechten für gewisse Minderheiten. Betrifft nicht viele, klar, aber genau das zeichnet eine gute Demokratie aus: dass sie sich um ALLE kümmert. Die Situation für transidente Personen war bisher ziemlich mühsam. Ist gut, wenn sich da was tut.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Vor Kurzem habe ich zwei Hunde gesehen, die... Sie wissen schon. Es waren zwei Männchen. Aber ich muss wohl falsch gesehen haben, denn so etwas unnatürliches gibt es ja in der Realität gar nicht... (Ironie aus).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen