Endlich gutes Wetter: Suche nach F/A-18-Pilot geht weiter

Die Schweizer Armee sucht nach dem Absturz eines F/A-18-Kampfjets am Montagabend weiter nach dem vermissten Piloten. Das Wetter lasse nun wieder Suchflüge zu, so Armeesprecher Daniel Reist zu SRF News.

Heli über Berg Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit dem frühen Morgen sind drei Helikopter und Suchtrupps zu Fuss im Sustengebiet unterwegs. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Armee startete am Mittwochmorgen wieder Suchflüge, nachdem das Wetter am Vorabend dies nicht mehr zugelassen hatte.
  • Der Pilot der Maschine wird noch vermisst.
  • Das Flugzeug-Wrack wurde am Dienstag gefunden.
  • Die Ursache des Absturzes ist noch unklar.
  • Die Militärjustiz hat Untersuchungen aufgenommen.
  • Das Kampfflugzeug vom Typ F/A-18C war am Montag abgestürzt.

So sieht die Unfallstelle aus

1:52 min, vom 30.8.2016

Am Dienstagnachmittag war nochmals ein Fünkchen Hoffnung aufgekeimt: Die Schweizer Armee konnte das Wrack des am Montagabend verschwundenen F/A-18 orten. Doch vom Pilotenh fehlt weiterhin jede Spur. Am Abend musste die Suche wegen des schlechten Wetters eingestellt werden.

Seit Mittwochmorgen fliegt die Armee nun wieder Suchflüge im Sustengebiet, wie Sprecher Daniel Reist auf Anfrage von SRF News bestätigt. Im Einsatz stünden mehrere Helikopter der Armee und der Rettungsflugwacht.

Fest steht derzeit: Der Kampfjet ist abgestürzt. Die Wrackteile der Maschine wurden am Dienstagmittag gefunden.

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Protokoll der Medienkonferenz

Die Luftwaffe hat heute erneut an einer Medienkonferenz über das Unglück informiert. Lesen Sie hier das Protokoll.

Luftaufnahmen sollen bei Suche helfen

Die Armee wird im Absturzgebiet grossflächig mit Helikoptern nach dem Piloten suchen, so Reist an der Medienkonferenz vom Dienstag. «Man hat heute viele Luftaufnahmen erhalten – von Satelliten oder anderen Mitteln –, die man nun auswerten kann.» Danach könne gezielter gesucht werden. Gebirgsspezialisten würden dann zum Unglücksort geflogen und müssten sich abseilen und versuchen in die Wand zu gelangen, sich in dem schwierigen Gelände zu bewegen.

«Alle Anstrengungen gelten zuerst der Suche nach dem Piloten, erst dann werden wir an die technische Abwicklung der Bergung der Wrackteile gehen», sagte Reist. «Nachdem der Kontakt zur Maschine abgerissen war, gab es gestern noch ganz kurz einige Notsignale des Flugzeugs, die geortet werden konnten. Vom Piloten hat man seit gestern Montagabend nie Signale erhalten.»

Einschätzungen von SRF-Korrespondentin Mirjam Spreiter

1:03 min, vom 30.8.2016

«Mit jeder Stunde die vergeht, schwindet die Hoffnung, dass der Pilot überlebt hat», sagt SRF-Korrespondentin Mirjam Spreiter in Meiringen (BE). «Die grosse Frage ist, ob er es geschafft hat, sich mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug zu retten.»

Man wisse, dass keines der Notsignale jetzt noch funktioniere. Das Flugzeug, der Schleudersitz und der Pilot selbst waren mit Notsendern ausgestattet. Das deute nun darauf hin, dass alle drei Notsignale beim Aufprall zerstört worden sind.

Notsender gegen Aufprall nicht gesichert

«Die Notsender sind ziemlich resistent», hatte F/A-18-Pilot und zugeteilter Stabsoffizier des Kommandanten Luftwaffe, Pierre der Goumoëns, an der Medienkonferenz gesagt. «Aber irgendwo gibt es eine Grenze. Sie dienen dazu, Piloten zu orten, die sich per Schleudersitz abschiessen konnten. Sie sind nicht dazu konstruiert, um einen Aufprall an einer Felswand zu überleben.»

Zum Unfallhergang machten die Vertreter der Luftwaffe mit Verweis auf die Untersuchung der Militärjustiz keine Angaben. Militärjustiz-Sprecher Tobias Kühne sagte auf Anfrage der sda, die Untersuchungen seien am Montag nach dem Verschwinden der Maschine aufgenommen worden. Sie würden viel Zeit beanspruchen.

Der Ort des Unglücks

0:16 min, vom 30.8.2016

Aus dem Helikopter gesichtet

Nach Angaben des VBS verunglückte die F/A-18 in der Umgebung des 3445 Meter hohen Gipfels Hinter Tierberg. Das Wrack der F/A-18 sei von einem Helikopter aus gesichtet worden.

Oberst Felix Stoffel, Chef des Berufsfliegerkorps und ehemaliger F/A-18-Pilot, hat die Absturzstelle gesehen. Er schilderte seine Eindrücke: «Was wir gesehen haben, ist eine geschwärzte Felsfläche knapp unterhalb des Grates mit einem Durchmesser von circa einer Lastwagenlänge.» Zudem seien Trümmerteile erkennbar gewesen. Diese seien sehr klein und vor und hinter einem Abhang verstreut. Die Bilder seien als Kamerad und Fachmann schwer zu ertragen.

Wegen des Wetters habe die Unfallstelle nicht früher lokalisiert werden können, so Stoffel. Sie lag bis Dienstagmittag in den Wolken.

Das vermisste Flugzeug war am Montag um 16.01 Uhr in Meiringen (BE) gestartet. Zunächst verlief der Funkverkehr normal, der Pilot meldete sich auf einen ersten Aufruf. Um 16.05 Uhr verlor die Einsatzzentrale dann den Kontakt zum Piloten, der sich auf einen zweiten Funkspruch nicht mehr meldete.

Häufung von Unfällen

Mit dem Verlust des Einsitzers verbleiben der Luftwaffe von den ursprünglich 34 noch 30 F/A-18-Flugzeuge, davon 25 Einsitzer und 5 Doppelsitzer. Der Luftpolizeidienst 7x24 ist zwar weiterhin sichergestellt, aber die Fähigkeit, über eine längere Zeit Maschinen in der Luft zu halten, ist eingeschränkt.

Die Armee erkennt in der Häufung von Unfällen kein Muster. Verantwortliche wollen trotzdem nach möglichen Zusammenhängen suchen. Über die gesamte Zeitperiode von 19 Jahren ist die Ausfallquote bei den F/A-18-Kampfjets laut Armee nicht überdurchschnittlich hoch.

Flugunfälle in der jüngeren Geschichte der Schweizer Luftwaffe

29. August 2016Bei einem Trainings-Patrouillenflug bei starker Bewölkung wird im Sustengebiet eine F/A-18 vermisst.
9. Juni 2016Ein F-5-Kampfflugzeug der Patrouille Suisse stürzt in der Nähe des Militärflugplatzes Leeuwarden in den Niederlanden ab. Der Pilot kann sich mit dem Schleudersitz retten.
14. Oktober 2015Eine zweisitzige F/A-18 stürzt im gemeinsamen Trainingsraum mit Frankreich südöstlich von Besançon ab. Der Pilot wird verletzt.
23. Oktober 2013Im Raum Alpnachstad im Kanton Obwalden zerschellt eine zweisitzige F/A-18 am Lopper. Der Pilot und sein Passagier, ein Arzt des Fliegerärztlichen Instituts, werden getötet.
12. November 2002Ein PC-7 kollidiert bei Bonaduz GR mit dem Seil der Luftseilbahn Rhäzüns-Feldis. Zwei Milizoffiziere kommen ums Leben.
12. Oktober 2001Beim Absturz eines Alouette-III-Helikopters oberhalb von Montana (VS) nach der Kollision mit einem Kabel kommen alle vier Insassen ums Leben.
25. Mai 2001Bei einem Grenzüberwachungsflug touchiert ein Alouette-III-Helikopter bei Delsberg (JU) ein Kabel und stürzt ab. Der Pilot und drei Grenzwächter werden tödlich verletzt.
14. Oktober 1998Zwei Trainingsflugzeuge des Typs PC-9 stossen in der Luft zusammen. Während die eine Maschine landen kann, zerschellt die andere bei Oberuzwil (SG). Der Pilot stirbt.
7. April 1998Beim Absturz eines F/A-18-Kampfjets bei Crans (VS) werden beide Insassen getötet. Als Ursache wurde eine räumliche Desorientierung des Piloten angenommen.
12. November 1997Ein Pilatus-Porter PC-6 stürzt bei schlechtem Wetter in der Nähe von Boltigen (BE) ab. Der Pilot und vier Soldaten sterben.
20. März 1997Eine Mirage III RS stürzt bei einem Aufklärungsflug im Raum Ste-Croix (VD) ab. Der Pilot kommt ums Leben.
4. Juli 1996Ein Kampfjet Tiger F-5E bohrt sich in Schänis (SG) nach einem unbeabsichtigten Schleudersitzabschuss in den Boden. Der Pilot überlebt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Vermisster Kampfjet der Schweizer Luftwaffe lokalisiert

    Aus Tagesschau vom 30.8.2016

    Die Absturzstelle ist im Gebiet um den Sustenpass von einem Hubschrauber der Luftwaffe aus gesichtet worden. Noch vermisst wird allerdings der Pilot des Einsitzers. Informationen von SRF-Korrespondentin Mirjam Spreiter aus Meiringen.

  • Was ist los mit den Schweizer Kampfjets?

    Aus 10vor10 vom 29.8.2016

    Es ist das dritte Mal in drei Jahren, dass ein F/A-18 der Schweizer Luftwaffe verunfallt, ausserdem stürzte erst im Juni eine Maschine der Kunstflug-Staffel «Patrouille Suisse» ab. Was ist los mit den Schweizer Kampfjets? Wir fragen nach bei Aviatik-Experte Hansjörg Bürgi, live im Studio.