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Bundesgericht verlangt zusätzlichen Sicherheitsnachweis
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 23.04.2021.
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Entscheid am Bundesgericht AKW Beznau muss noch mehr Sicherheitsnachweise liefern

  • Das AKW Beznau ist gewappnet für ein sehr starkes Erdbeben, wie es statistisch nur alle 10'000 Jahre vorkommt.
  • Das Bundesgericht bestätigt diese Aussage der eidgenössischen Atom-Aufsicht Ensi im Prinzip. Trotzdem heisst es eine Beschwerde von Anwohnern teilweise gut.
  • Das Ensi müsse von der AKW-Betreiberin zusätzliche Sicherheitsnachweise einfordern, fordert das höchste Gericht.

Der Streit dauert schon seit Jahren: Bereits 2015 forderten Anwohnerinnen und Anwohner des AKW Beznau im aargauischen Döttingen, das älteste Atomkraftwerk der Schweiz müsse abgestellt werden. Sie deponierten diese Forderung beim eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi.

Der Vorwurf: Das Kernkraftwerk würde einem sehr starken Erdbeben nicht standhalten, es könnte eine gefährliche Menge an Radioaktivität austreten. Das Ensi argumentiert, der Sicherheitsnachweis sei erbracht, dass das AKW auch bei einem 10'000-jährigen Erdbeben sicher sei.

Welcher Grenzwert gilt?

Nun hat sich als letzte Instanz auch das Bundesgericht mit diesem Streit befasst. Es geht im Wesentlichen um die Frage, zu welcher «Störfallkategorie» ein sehr seltenes Erdbeben gehört. Denn diese Kategorie entscheidet über den Grenzwert der Strahlung, der bei einer Havarie nicht überschritten werden darf.

Ein 10'000-jähriges Erdbeben sei der höchsten Kategorie 3 zuzuordnen, sagt das Ensi. Das Bundesgericht bestätigt nun in seinem Urteil diese Haltung. Damit gilt für ein starkes Erdbeben eine maximale Radioaktivitätsbelastung von 100 Millisievert. Die Anwohnerinnen und Anwohner plädieren für einen tieferen Grenzwert von 1 Millisievert, dieser gilt für die Kategorie 2.

Das Bundesgericht bestätigt – sehr indirekt – also die Sicherheit des AKW Beznau. Der Nachweis sei erbracht, dass bei einem extrem seltenen Erdbeben die zulässige Strahlendosis nicht überstiegen werde. Allerdings verlangt es vom Ensi und der AKW-Betreiberin Axpo trotzdem Nachbesserungen.

Zusätzlicher Nachweis nötig

Denn: Untersucht wurde bisher eben nur die Sicherheit bei einem extrem starken Erdbeben. Nun müsse die Axpo auch nachweisen, dass Beznau ein leichteres Erdbeben – der Kategorie 2 also – «aushalte». Es brauche einen zusätzlichen Sicherheitsnachweis, dass dann der tiefere Grenzwert tatsächlich eingehalten werden könne.

Das Ensi erklärte auf Anfrage von SRF, dass die Arbeiten für diesen zusätzlichen Sicherheitsnachweis für einen Störfall Kategorie 2 bereits laufen. Die Schweizerische Energiestiftung reagierte ebenfalls auf das Urteil. Sie spricht von einer «Fehlleistung» der Atomaufsicht. Beznau hätte bereits 2012 ausser Betrieb genommen werden müssen, so die Umweltorganisation.

Entscheid Bundesgericht 2C 206/2019, Link öffnet in einem neuen Fenster

Regionaljournal Aargau Solothurn, 12:03 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Mariano Scholl  (OzoneTheLynx)
    Richtig so! Man muss die Sicherheit von AKWs fordern und ständig kontrollieren. Dann sollte man sich endlich um Endlager kümmern, wenn auch die lokale Bevölkerung teuer kompensiert werden muss. Dann kann der Klimaschutz nämlich auch dem AKW-Ausstieg gegenüber priorisiert werden.
  • Kommentar von Andreas Grünkraut  (Grünkraut)
    Ich denke wir werden in Zukunft fast nicht drum herum kommen, neue AKWs zu bauen. Ein AKW verursacht fast kein CO2, bietet also durchaus sehr sauberen Strom. Natürlich gibt es sehr bedenkliche AStomabfälle welche 10-Tausnde Jahre strahlen. Jedoch wird auch hier geforscht und es soll eine Lösung per Transmutation erarbeitet worden sein welche die Strahlendauer des Atommülls auf etwa 1000 Jahre runter setzen können soll. Mal sehn was die Zukunft bringt in Anbetracht neuer AKW Technologien.
    1. Antwort von Andreas Würtz  (Andhrass)
      Sie haben noch die Unmassen von CO2 vergessen, die beim Abbau des Materials für die Brennstäbe entstehen. Ganz zu schweigen von den radioaktiven Geröllbergen. Und - 1000 Jahre ist ja wohl immer noch weit jenseits des Vertretbaren. Vielleicht kommt ja wirklich mal eine Zeit, in der wir die Kernspaltung von A bis Z im Griff haben. Aber nicht in den nächsten 100 Jahren. Bis dahin STOP.
    2. Antwort von Timo Bucher  (rasifix)
      Der Bau eines neue AKWs würde wohl mindestens 20 Jahre in Anspruch nehmen und Unmengen an Geld verschlingen. Die Methoden zur Reduktion der Halbwertszeit sind noch überhaupt nicht produktionsreif und was wird das kosten? Wenn man AKWs bauen will, so muss man diesmal die vollen Kosten (inkl. Abbau, Entsorgung, Versicherung für Wohneigentum, gesundheitliche Folgen, ...) in den Strompreis einrechnen. Wenn das dann noch rentiert, dann können wir darüber diskutieren.
    3. Antwort von Jonas Keller  (JK)
      Sie möchten also die Probleme vorläufig in die Zukunft verschieben? Vielleicht sind wir in 200 Jahren soweit, dass wir den Müll ins All schicken und alle Probleme sind gelöst, zumindest für uns. Wann endlich lernt der Mensch ganzheitlich (Ego off) zu denken? Es ginge allen besser, auch der Umwelt.
    4. Antwort von Johann Meier  (Hans321)
      @Keller
      Ich denke nicht das das grüne Männchen aus dem All etwas gegen unseren Müll sagen wird. Sobald die Reisekosten massiv gesenkt sind, sowie die Sicherheit gewährleistet ist, wird es möglich sein Atomare Abfälle im All zu entsorgen. Ich denke das geht keine 100 Jahre.
    5. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      JaJa, die alte Leier vom sauberen Atomstrom. Kein CO2 (und woher kommt das Uran), Transmutation (irgendwann geht das dann), ab in die Sonne (irgendwann gibt es auch keine Fehlstarts mehr).
      Dass man damit noch Leute einlullen kann, lässt einen erschaudern.

      Dann gehe ich mal zu einer Bank und leihe mit 10Mio, und bei den Rückzahlungsmodalitäten gebe ich an, irgendwann habe ich einen Job, mit dem ich das alles zurückzahlen kann.
    6. Antwort von Ueli Baumgartner  (Beumli)
      Das ist nicht dein erst?? Das Uran hüpft sauber in einen Stick und ab in den Reaktor..... dank Verschwöhrungstechniker geht es blos noch 1000Jahre um die Hälfte der Strahlung zu verlieren... erschreckend wenn du noch jung bist ... und so weitermachen möchtest
    7. Antwort von Urs Heinimann  (uh4000)
      In 25 Jahren können wir dann einige industriell hergestellte Mini-AKWs von Terrapower hinstellen und das Problem ist gelöst.
  • Kommentar von Timo Bucher  (rasifix)
    und wie will man das einhalten der Grenzwerte beweisen? da sind ganz viele unsichere Annahmen. wirklich wissen tut man es, wenn es eintritt.
    1. Antwort von Markus Zehender-Streb  (Zehender-Streb)
      Da bin ich Ihrer Meinung. Deshalb abschalten und Rückbauen.