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Entscheid mit klarem Mehr Ärztevereinigung gegen neue Suizid-Richtlinie

Wegen eines unklaren Rechtsbegriffs fallen die neuen Leitsätze zur Sterbebegleitung bei der Ärztevereinigung FMH durch.

Legende: Audio FMH nimmt Richtlinien Sterben/Tod nicht an abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
01:41 min, aus HeuteMorgen vom 26.10.2018.
  • Die neuen Richtlinien zum Umgang mit Sterben und Tod, die die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften herausgebracht hat, finden in der Ärztevereinigung FMH keine Unterstützung.
  • Der Begriff «unerträgliches Leiden» ist der Ärzteschaft FMH zu ungenau. Es sei eine «eine subjektive Begrifflichkeit, die schwer zu fassen ist.»
  • Nun wolle man versuchen, mit der Akademie eine bessere Formulierung zu finden: «Sobald dieser Passus geändert wird, werden wir die Richtlinien in unsere Standesordnung aufnehmen.»

Wenn Patientinnen oder Patienten den Wunsch äussern sterben zu können, ist das auch für Pflegende und Ärzteschaft eine Herausforderung, ja ein Dilemma. Wie umgehen mit Sterben und Tod?

Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften hat neue Richtlinien dazu erlassen. Doch die Ärztevereinigung FMH verzichtet vorläufig darauf – zu heikel erscheint ihr der Punkt zur Suizid-Beihilfe. Darf ein Arzt Hand bieten, wenn ein Patient nicht mehr länger leben möchte? Das ist umstritten. Nicht nur unter Ärztinnen und Ärzten.

Begriff zu ungenau

Als Orientierungshilfe nennen die neuen Richtlinien bei der Beihilfe zum Suizid das unerträgliche Leiden, das die Betroffenen zu ihrem Sterbewunsch führt. Das kann wegen einer schweren Krankheit sein, wegen Therapien, welche keine Linderung gebracht haben oder als unzumutbar empfunden werden.

Der Begriff «unerträgliches Leiden» ist für die Ärzteschaft FMH zu ungenau. Yvonne Gilli vom Zentralvorstand erklärt: «Weil er eine subjektive Begrifflichkeit darstellt, die schwer zu fassen ist. Zumal es sein kann, dass eben auch Angehörige nach dem Tod auch einen Arzt oder eine Ärztin belangen könnten für die Verantwortung, die ihm bei diesem Akt zukommt.»

Auf der Suche nach besserer Formulierung

Diese fehlende Rechtssicherheit habe den Ausschlag dafür gegeben, die Richtlinien vorläufig nicht zu übernehmen, sie vorläufig also nicht für verbindlich zu erklären.

Nun wolle man versuchen, mit der Akademie eine bessere Formulierung zu finden, sagt Yvonne Gilli: «Sobald dieser Passus geändert wird, werden wir die Richtlinien in unsere Standesordnung aufnehmen.»

Bedeutung für die Praxis unklar

Denn im Grundsatz unterstütze die FMH die neuen Richtlinien zum Umgang mit Sterben und Tod. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften nimmt den Entscheid der Ärztevereinigung zur Kenntnis.

Was der Entscheid für die Praxis bedeute, sei derzeit unklar, heisst es auf Anfrage. Denn die FMH habe in den letzten 20 Jahren alle Richtlinien der Akademie übernommen.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von L. Drack (samSok)
    In den Kommentaren hier (inkl.zustimm/ablehn) überwiegt eine merkwürdige Auslegung von „Selbstbestimmung“. Nur wenige posts stellen klar, was auch im Artikel nicht in Frage gestellt wird, nämlich die Freiheit selber aus dem Leben zu gehen. Dass Ärzte hingegen nicht zur Vollstreckung verpflichtet werden wollen, ist nachvollziehbar.
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  • Kommentar von Albin Eduard - Maurus (albinoluna)
    Wenn ein Mensch sich äussert unerträglich zu Leiden, hat das doch niemand in Frage zu stellen, auch Ärzte nicht. Bei dieser Selbstdiagnose soll die Selbstbestimmung über Leben und Tod, angenommen und akzeptiert werden. Ohne zu Hinterfragen. Wenn Tiere sichtbar unerträglich leiden, spricht man davon, sie zu erlösen. Humanmedizin soll immer human sein. Beim Sterben und beim Leben. Ich meine damit, wenn jemand unerträglich leidet und human sterben will, dann soll niemand ihn daran hindern.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      "wenn jemand unerträglich leidet und human sterben will, dann soll niemand ihn daran hindern" Das tut auch niemand. Sich umbringen ist erlaubt und steht hier auch nicht zur Diskussion. Die Frage ist unter welchen Umständen man dazu Hilfe von einem Arzt einfordern kann und darf.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Die Verhinderungs-Versuche, das Leben aus klaren, unheilbaren, nur noch Schmerzen bereiteten Situationen, selber zu beenden, ist eine reine "egoistische" Berufsbegründung! Die ganze Medizin (Pharmaindustrie, Spitäler und vorallem die Aerzte) leben von all den leidenden Menschen bis zu ihrem Tod nach jahrelangem Leiden (das sie einfach nicht mehr erdulden möchten!). Früher oder später wird sich die Politik ernsthaft mit diesem schmerzvollen Thema beschäftigen müssen und klare Gesetze aufgleisen!
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Suizid ist jedem freigestellt. da mischt sich niemand ein. Es geht um Tötung auf Verlangen. Was, wenn im Nachhinein der Ehepartner den Arzt verklagt, er habe den getöteten dazu überredet oder gar gedrängt? Wer schützt dann den Arzt vor einer Mordanklage?
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      jolanda, da sind wir uns tatsächlich einmal einig. HPMüller, Ihren Bedenken kann man vermutlich mit einer einfachen notariell beglaubigten Aussage entgegentreten. Und ein geregelter Abgang zuhause ohne grosse Sauerei ist bedeutend sinnvoller als die schockierenden Bilder, die sich ansonsten aus einem Suizid ergeben. Noch schlimmer ist der Suizid ausser Haus wie z.B. sich vor den Zug zu werfen oder von einer Brücke, einem Gebäude zu springen und Unbeteiligte zu involvieren.
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Herr Dudle, das ist eben nicht ganz so schwarz-weiss. Es gibt hin und wieder ältere Frauen, denen geht es gut, die sind noch relativ fit, haben noch eine Reserve auf dem Bankkonto, und haben das Gefühl, sie müssten jetzt gehen, weil sie "nutzlos" seien, und die Kinder auf das Haus warteten und das Geld auf dem Konto sonst aufgebraucht wäre bis sie sterben. Soll man so jemandem wirklich helfen, nur damit die Kinder das Erbe früher beziehen können, das sie ja nicht einmal selber erarbeitet haben?
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