Entwicklungshilfe wird zunehmend gefährlicher

Nach dem Anschlag in Ouagadougou sind viele Schweizer Entwicklungshilfe-Organisationen verunsichert. Wie gefährlich die Situation für Entwicklungshelfer in Burkina Faso wirklich ist, ist schwierig abzuschätzen. Zusätzliche Sicherheitsmassnahmen werden aber bereits umgesetzt.

Drei Männer stehen um eine Holzkonstruktion herum. Einer davon ist vom Deza. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Arbeit der Entwicklungshelfer wird in Zukunft gefährlicher: Deza-Mitarbeiter in Burkina Faso (Archiv). Keystone

Bea Petri hat ihren Flug nach Ouagadougou schon gebucht. Aber die Unbeschwertheit sei weg. Sie befürchtet jetzt ebenfalls zum Ziel von Anschlägen zu werden, denn mit ihrem Hilfswerk engagiert sie sich in Ouagadougou für eine grosse Schule, wo Frauen als Schneiderinnen und Coiffeusen ausgebildet werden. «Es ist nicht im Sinne der Al-Kaida, dass Frauen selbständig im Leben stehen.» Es mache ihr natürlich auch ein bisschen Angst.

Mitarbeiter werden nun geschult

Petri ist eine von vielen Schweizerinnen und Schweizern, die sich privat in der Entwicklungshilfe in Burkina Faso engagieren. Auch Jean-Noël Rey und Georgie Lamon, die am Freitag beim islamistischen Terror-Anschlag getötet wurden, waren für die Entwicklungshilfe unterwegs. Wie viele Schweizer Helfer aktiv sind, könne nicht beziffert werden, sagt Chantal Nico, Chefin der Abteilung Westafrika bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza).

Auch für das Deza selbst ist es ein Schwerpunktland. Es betreibt vor Ort ein Büro mit sechs Mitarbeitern aus der Schweiz. Diese engagieren sich vor allem in der Berufsbildung, der ländlichen Entwicklung und der Unterstützung demokratischer Strukturen. Die Mitarbeiter werden wegen der Anschläge jetzt zusätzlich geschult.

«  Man muss damit rechnen, dass die Entwicklungszusammenarbeit gefährlicher wird.  »

Didier Burkhalter
Aussenminister

Ganz generell müsse man aber damit rechnen, dass die Entwicklungszusammenarbeit gefährlicher werde, sagte Aussenminister Didier Burkhalter gestern im Interview mit dem Westschweizer Radio RTS. Es sei relativ neu, dass auch das Rote Kreuz nicht mehr an allen Orten arbeiten könne.

Logos werden entfernt

Die privaten Entwicklungshilfeorganisation ziehen jetzt Konsequenzen: Bei Helvetas will man etwa keine Sitzungen mehr in internationalen Hotels abhalten, sagt Sprecher Matthias Herrfeld. «Zudem entfernen wir Logos von Fahrzeugen oder Büroräumlichkeiten, um nicht als Ziel für terroristische Anschläge identifizierbar zu sein.»

Die angefragten Organisationen sind sich einig: An ihrem Engagement wollen sie festhalten. Als engagierte Privatperson wolle sie zwar auch Rücksicht auf ihren Mann, ihre Kinder und Enkel nehmen, sagt Bea Petri. «Die Frage ist aber einfach, ob ich den gebuchten Flug nehme oder einen späteren.» Aber dass sie wieder nach Burkina Faso gehen werde, das stehe für sie ausser Frage.