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Gesunde Ernährung nur noch für Reiche?
Aus Rendez-vous vom 08.12.2020.
abspielen. Laufzeit 04:18 Minuten.
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Ernährung in der Zukunft Ist gesunde Ernährung nur etwas für Reiche?

Toastbrot ist günstiger als Bio-Zucchetti – und ungesünder. Wie kann man künftig günstig, aber trotzdem gut produzieren?

Gesunde Ernährung verlängert das Leben. Umgekehrt verkürzt ungesunde Ernährung das Leben. Etwa 11 Millionen Menschen sterben pro Jahr, weil sie zu viel Süsses, zu viel Fettiges, zu viele Fertigprodukte und zu wenig frisches Obst und Gemüse essen. Die Folgen sind Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes oder auch Krebs. Ein Problem dabei ist, dass gesunde Lebensmittel teuer sind.

Gesunde Ernährung dürfe aber kein Privileg von Reichen sein, stellt Béatrice Conde-Petit klar. Die Lebensmittel-Ingenieurin ist Chefin des «Future of Food»-Programms des Schweizer Maschinenbauers Bühler. Doch sie warnt: Die Gefahr bestehe durchaus. «Wenn alles falsch läuft, haben wir eine geteilte Welt; Gewinner und Verlierer. Und wir sind auf dem Weg dorthin», sagt sie.

Ist Bio gesünder und teurer?

Seine Produkte seien gesund und gut für Mensch und Umwelt, weil biologisch, sagt Urs Brändli, der Präsident von Biosuisse. Und: Sie seien nicht massiv teurer als konventionelle Produkte. Das zeigten Preisvergleiche des Bundesamtes für Landwirtschaft.

«Sie gehen regelmässig einkaufen und vergleichen die Einkaufskörbe. Da wird Bio eingekauft und da wird konventionell eingekauft – und der Mehrpreis ist bei Bio-Produkten tatsächlich beträchtlich. Aufs Jahr hochgerechnet macht es für eine vierköpfige Familie 800 Franken pro Jahr aus», sagt Brändli. Das sei zwar viel Geld für ein dünnes Portmonee, aber auch eine Frage von Prioritäten. Wer verarbeitete Produkte kaufe, bezahle mehr. Denn jeder Teil in der Wertschöpfungskette generiere Kosten, sagt er.

Es gibt keine wissenschaftlichen Grundlagen, die sagen, dass Bio gesünder sei.
Autor: Eva ReinhardChefin Agroscope

Eva Reinhard setzt sich als Chefin von Agroscope ein für eine gesicherte Ernährung einer stets wachsenden Bevölkerung. Und sie kontert: Gute Ernährung müsse nicht zwingend Bio sein. «Wenn ich rein auf die Gesundheit schaue, gibt es keine wissenschaftlichen Grundlagen, die wirklich sagen, dass Bio gesünder sei. Vielleicht für die Umwelt in einzelnen Aspekten. Aber für den menschlichen Organismus haben wir keine solchen Belege.»

Der Bioanbau habe auch ein Problem, nämlich kleinere Erträge. Und weil künftig auf gleich grossen Flächen mehr Ertrag für mehr Menschen erzielt werden müsse, gehe die Bio-Rechnung nicht auf. Gentechnik könne da sicherere Erträge bieten.

Sind Nahrungsmittel aus Tanks die Zukunft?

Eine andere Rechnung macht Claudio Beretta. Der Foodwaste-Spezialist verweist auf die Produktpreise in den Läden. Diese würden nicht die realen Kosten widerspiegeln, mahnt er. Folgekosten für Umweltzerstörung, Verschwendung oder höhere Gesundheitskosten müssten mit eingerechnet werden. «Wenn nur ökologische Produkte angeboten würden, wäre das gesamtgesellschaftlich billiger. Jetzt haben wir viele externe Kosten, die die Allgemeinheit bezahlt – auch die Armen.»

Gefrierfach voller Tiefkühlpizzas in einem Supermarkt.
Legende: Jeder Verarbeitungsschritt kostet Geld – darum sind Fertigprodukte teurer als frische Lebensmittel. Keystone

Um günstig genügend gesunde Lebensmittel zu produzieren, biete modernste Technologie einen Lösungsansatz, ist Béatrice Conde-Petit von Bühler überzeugt. «Das Ackerland der Zukunft ist der Tank. Es können Hefe, Mikroalgen oder pflanzliche Zellen in einem Fermentationstank zum Wachsen angeregt werden. Mikroalgen haben das Potenzial sechsmal mehr Biomasse zu liefern als terrestrische Pflanzen. Man kann sie auch in Teigwaren einsetzen – das Potenzial für Nahrungsmittelproduktion ist riesig.»

Nahrungsmittel aus Tanks oder Indoor-Anlagen – für Tiere oder direkt für Menschen. Die Ansätze der Fachleute sind unterschiedlich, das Ziel ist das gleiche: Die Menschen auch künftig gut ernähren zu können.

Rendez-vous, 8.12.2020, 12:30 Uhr

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Der Beitrag von Netz und Natur hält uns allen besonders aber dem Bund und Bauern den Spiegel vor, wie wir mit unserer Landwirtschaft umgehen. Es ist grob fahrlässig, unser höchstes Gut den Boden und deren Nahrungsmittel die er hergibt mit Pestiziden beackert wird. Die Lebewesen auf dem Acker und unter Boden, alles wird vernichtet, dabei tragen genau diese Lebewesen zu einem gesunden Boden bei. Immer mehr Tiere leiden unter Insektenschwund. Das Grundwasser ist weit über die Grenzwerte belastet.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Ohne Ernährung - kein LEBEN! Also ist es logisch, den eigenen Körper "gesund" zu erhalten mit Wasser/Trinkwasser, Grundnahrungs- und Lebensmitteln, welche logischerweise ohne die Masse an "gesundheitsschädigenden", chemisch-pharmazeutischen Stoffen/Giften belastet ist - dafür nachhaltig öko-logisch! Wer würde schon für die eigene Vergiftung bezahlen wollen, bezahlen? "Gesunde Grundnahrungs- und Lebensmittel" sind absolut bezahlbar! LUXUS-Lebensmittel mit Giftstoffen = teuer für Körper+Finanzen!
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    1. Antwort von Alois Keller  (eyko)
      Wie recht Sie haben. Die Umweltsünden wurden schon vor vielen Jahren mit der Dummheit der Menschen und den Behörden. X-fach Pestizide eingesetzt die jegliche Lebewesen in den Böden vernichteten, Böden durch schwere LW-Maschinen verdichtet, Lebewesen in Bächen und Flüssen werden Opfer von Giftstoffen und Gülle aus der Landwirtschaft, das Grundwasser ist oft weit über die Grenzwerte belastet. Die Lebensgemeinschaften eines natürlichen Ökosystems werden vernichtet. Natur und Umwelt leiden immer.
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  • Kommentar von Martin Wädensweiler  (martin45678987654)
    Die hohen Margen der Detailhändler bei Bio-Produkten sollte in diesem Beitrag auch thematisiert werden. Beim Fleisch machen diese bekannterweise den grössten Teil des Mehrpreises gegenüber konventionellem Fleisch aus (siehe https://www.srf.ch/news/schweiz/neue-preisanalyse-detailhaendler-kassieren-hohe-margen-fuer-label-fleisch) und es ist wohl anzunehmen, dass sich das bei pflanzlichen Lebensmitteln ähnlich verhält.
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