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Ernsthafter Jux Thurgauer Polizei chattet mit Online-Betrügern

Internetbetrüger locken mit Millionengewinnen. Die Kantonspolizei Thurgau zeigt auf Facebook, wie die Betrüger vorgehen.

Mann tippt am Laptop.
Legende: Man darf gespannt sein, was die Betrüger noch alles fordern. Colourbox

«Liebe, Wie geht es der Familie. Ich bin Frau Lorena Elonso, aus Spanien schreibe ich, um Sie über meine Absicht zu beziehen, mein Geld (3,5 Millionen Euro) für Wohltätigkeitsarbeit in Ihrem Land zu verwenden.»

Dieses E-Mail landete kürzlich in der Mailbox der Kantonspolizei Thurgau. Normalerweise rät die Polizei, solche Mails auf keinen Fall zu beantworten, sondern gleich zu löschen. Der Präventionsbeauftragte und Mediensprecher Daniel Meili ging jedoch bewusst auf das Angebot ein.

Unter falschem Namen antwortete er der angeblich reichen und todkranken Witwe, welche unbedingt die Millionen ihres verstorbenen Mannes loswerden möchte. Er heuchelte Interesse. «Lorena» reagiert euphorisch auf die Antwort von Hans Muster. So lautet das Pseudonym des Polizisten: «Nachdem ich deine prophetische Botschaft gelesen habe, fühle ich Stärke überall in mir. Ich weiss und glaube, dass Gott mich heute berührt hat.» Inzwischen haben Hans Muster und «Lorena» ihre Adressen ausgetauscht und die Spanierin bittet um die Bankverbindung ihres Chat-Partners.

Textnachrichten
Legende: Auszug aus dem Chat mit Kommentar der Kapo. Screenshot Facebook / Kapo Thurgau

Ziel ist ein Vorschuss-Betrug

Den gesamten Mailverkehr veröffentlicht die Kantonspolizei Thurgau fortlaufend auf ihrer Facebook-Seite. «Wir möchten die Leute damit etwas sensibilisieren», sagt Daniel Meili. Auch wenn die Falle offensichtlich scheint, fallen immer wieder Menschen auf solche Betrüger herein. Er probiere mit diesem Experiment herauszufinden und aufzuzeigen, wie diese Betrüger arbeiten.

Hintergrund der E-Mails von «Lorena» sei mit grosser Wahrscheinlichkeit ein sogenannter Vorschuss-Betrug, sagt Meili: «Und da erwarte ich eigentlich auch, dass von Lorena bald die Meldung kommt, wir sollen doch für Bankspesen 10’000, 20’000 oder 30'000 Franken vorschiessen.» Geld, das dann natürlich für immer verloren wäre.

Kaum Aussicht die Täter zu fassen

Deshalb solle man eigentlich gar nicht auf solche E-Mails eingehen, sondern sie gleich löschen, rät der Präventionsspezialist. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand: «Weshalb sollte diese Lorena ausgerechnet mich anschreiben und 3,5 Millionen Euro loswerden wollen.» Da sollten bereits alle Alarmglocken läuten. Aber wenn es um viel Geld gehe, mache der gesunde Menschenverstand bei einigen Menschen offenbar einen Schritt zurück. Dafür werde die Gier geweckt, stellt Daniel Meili fest.

Der Polizist ist gespannt, wie das Experiment weitergeht und freut sich, dass er damit die Betrüger wenigstens eine Zeitlang sinnlos beschäftigen kann. Zur Strecke bringen kann sie die Polizei damit jedoch nicht. Dahinter stecke die sogenannte «Nigeria-Connection», welche dieses Betrugsgeschäft schon seit den 80er-Jahren professionell betreibe.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Bevor ich hier mein Votum abgeben kann,werde ich gefragt,ob es in den Chefetagen mehr Frauen brauche.Gebe ich da eine Antwort ein,geht das Spiel weiter.Am Schluss steht dann ein Einverständnis über Unverständliches.Was ist da der Unterschied zu solchen Betrugsspielen?Wer garantiert mir,dass meine Antworten nicht in falsche Dateien geraten? Werden diese Daten verwendet,um mein Profil zu schärfen und aus diesem Profit zu schlagen?
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    1. Antwort von SRF News
      «Wer bekommt meine persönlichen Daten?» Das Fragetool erfasst drei Arten von Daten: Ihre Identifikationsdaten (Name, Postleitzahl, Alter und Geschlecht), Ihre Kontaktdaten (Telefonnummer und E-Mail) und Ihre Antworten. Das Tool wird von den Kollegen von «Zeit online» entwickelt und betrieben. Theoretisch sind für «Zeit online» alle Daten einsehbar. Darum haben sich alle Partnermedien verpflichtet, mit Ihren Daten keinen Unfug zu betreiben (Abowerbung und Ähnliches) und alle personalisierten Daten nach Ablauf der Aktion «Die Schweiz spricht» zu löschen. Wir sehen ebenfalls alle Daten, damit wir sicherstellen können, dass Sie echt sind. Wenn Sie mit der Teilnehmerin eines Partnermediums verbunden werden, sieht dieses Medium Ihren Namen und Ihre Antworten. Und Ihr Gesprächspartner sieht Ihren Namen, Ihre E-Mail (nicht aber Ihre Telefonnummer) und Ihre Antworten, wenn Sie beide Ihr Einverständnis für ein Treffen gegeben haben. Für weitere Informationen finden Sie hier die Datenschutzerklärung: www.mycountrytalks.org/die-schweiz-spricht.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Ich verstehe nicht, dass man sich noch aufregen kann, wenn die Polizei klar sagt, dass man gegen die Nigeria-Connection juristisch nicht vorgehen kann, weil ihre Urheber in Nigeria sitzen und wohl auch dort einer erfolgreichen Strafverfolgung entgehen. Kein Wunder: wenn sogar die Amis russischen Attacken quasi hilflos ausgesetzt sind und die Russen ihren eigenen Troll als Präsidenten installiert haben, wer will dann noch behaupten diesen Kriminellen das Handwerk legen zu können?
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  • Kommentar von Danny Kinda (Kinda)
    Ist sicher witzig aber Ist sich die Polizei sicher dass ihr Handeln Legal ist? Normalerweise wird die Polizei nie Müde zu erwähnen das private Leute solche Dinge nicht machen sollen und rechtliche Konsequenzen drohen.
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