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«The Circle»: Ein neuer Stadtteil oder eine zukünftige Geisterstadt?
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 05.11.2020.
abspielen. Laufzeit 03:28 Minuten.
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Eröffnung des «Circle» Hoffen und bangen im neuen Zürcher Flughafenquartier

Der neue Stadtteil eröffnet inmitten der Krise. Trotz schwieriger Ausgangslage habe das Projekt Zukunft, sagen Experten.

Die Dimensionen sind gewaltig: zahlreiche Restaurants und Bars, zwei Hotels, ein Kongresszentrum, das grösste Ambulatorium der Schweiz und Büros für tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Kloten wurde am Donnerstag auf einer Fläche von 21 Fussballfeldern das Milliardenprojekt «Circle» eröffnet.

«The Circle» - die Baustelle

Aushub360'000 Kubikmeter
Verbauter Beton167'000 Tonnen
Verbautes Eisen22'000 Tonnen

Fünf Jahre lang wurde auf der grössten Baustelle der Schweiz gearbeitet. Entstanden ist in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Zürich ein Projekt der Superlative. Eine Milliarde Franken haben die Bauherrinnen Swiss Life AG und Flughafen Zürich AG investiert, nun können 6500 Menschen ihre Büros nutzen und die beiden Hotels ihre 500 Zimmer den Kundinnen und Kunden anbieten.

«The Circle» - die Zahlen

Gesamtfläche160'000 Quadratmeter
Ladenfläche25'000 Quadratmeter
Bürofläche70'000 Quadratmeter
Kongresszentrum2500 Gäste
Konferenzsaal1500 Gäste
Büroflächen6500 Arbeitsplätze
Ambulatorium1000 Patienten
Hotels500 Zimmer

Die Eröffnung kommt für die Verantwortlichen des Megaprojekts zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Ursprünglich sollte die feierliche Zeremonie im September stattfinden, bauliche Verzögerungen und die Coronapandemie führten allerdings zu Verspätungen. Die Eröffnung jetzt in einer Zeit, in der Restaurants wenig Kunden haben, Bars geschlossen sind und vermehrt auch Hotels schliessen, hätte sich der Flughafen sicherlich anders gewünscht.

Video
Aus dem Archiv: Auf der grössten Baustelle der Schweiz
Aus 10vor10 vom 13.05.2019.
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Mischnutzung als Erfolgsrezept

Patrick Schnorf, Leiter Researchl bei Wüest Partner, sieht die Situation allerdings nicht dramatisch: «Natürlich gibt es Nutzungen wie die Verkaufsflächen, die durch die behördlichen Einschränkungen gefordert sind. Aber wir haben keinen zweiten Lockdown und das Projekt ist hervorragend positioniert mit den Mischnutzungen.» Der Mix aus verschiedenen Branchen – vom Gesundheitswesen über Büro, IT bis zur Gastronomie mit Erholungsraum und Parkmöglichkeiten – werde für die Nutzung sorgen. Weiter müsse das Projekt für 50 Jahre und nicht für die nächsten sechs Monate funktionieren.

Auch kein Nachteil sei, dass die Frequenzen am Flughafen Zürich durch den mageren Flugbetrieb nicht gegeben seien. «Die Abhängigkeit vom Flughafen ist bei diesem Projekt sehr gering», sagt Schnorf weiter. «Die Verkaufs- und Gesundheitsflächen sowie die Hotellerie sind mit verschiedensten Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar.» Der Flughafen sei eher als eine Art Bonus anzusehen.

Homeoffice als Hürde für die Zukunft?

Für Belebung sorgen sollen also die unterschiedlichsten Bereiche: die Kunden in den Geschäften, die Patientinnen im Ambulatorium des Universitätsspitals und vor allem auch die tausenden Mitarbeiter in den Büroflächen. Ob dies in Zeiten von Homeoffice dann auch der Fall sein wird, muss die Zukunft zeigen. Zudem könnte dem Projekt auch der hohe Leerstand von Büroflächen in der Flughafenregion zum Verhängnis werden, dieser beträgt aktuell 20 Prozent.

Immobilienexperte Beny Ruhstaller sagt: «In der ganzen Region Zürich Nord gibt es aktuell sehr viel Büroraum.» Und wegen Corona stehe vermutlich noch etwas mehr als normal zur Verfügung. Dies könnte lokal zu einem kleineren Konkurrenzkampf führen, glaubt er. Zugutekommt dem «Circle» allerdings, dass die Büros im Gegensatz zu vielen anderen Büroflächen in der Umgebung top modern sind und der Ort durch Läden und Erholungsflächen attraktiv ist.

Alles ist noch nicht offen

Die Chancen, dass das Konzept des «Circle» funktioniert, ist laut den Experten also gegeben. Heute erfolgt zumindest der Startschuss – ein Startschuss, dem allerdings noch nicht alle Restaurants, Bars und Geschäfte folgen. Neun Läden und vier Gastronomiebetriebe eröffnen heute, das Ambulatorium des Unispitals ist bereits offen. Und in den nächsten Wochen und Monaten folgen beispielsweise noch Hotels, Büros und Fitnesscenter.

SRF 1, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Leo Nauber  (leo999)
    Als „Freiwilliger Rotkreuzfahrer“ muss ich oft das Unispital in der Stadt anfahren. Oft mühsam, pünktlich (nicht zu früh, nicht zu spät) dorthin zu kommen. Und das Parkieren! Es gibt zwar das Parkhaus, für solche Fahrten gratis. WENN es Platz hat. Ich bin gespannt, ob das ins „The Circle“ einfacher oder noch viel mühsamer wird. Wie nahe kann man mit massiv gehbehinderten Patienten fahren?
    Woher nimmt das Spital genügend Personal für 1000 Patienten/Tag? Ärzte und alle anderen Funktionen?
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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Das Konzept ist clever: Den Flughafen als Einkaufs-, Hotellerie- und Tagungszentrum weiter auszubauen, wenn der Flubgetrieb nachhaltig webricht (ja, das wird er tun, davon bin ich überzeugt, schon wegen der unvermeidbaren, aber umwelttechnisch formidablen Airline-Pleiten), ist ein geschickter Schachzug für die Peripherie der überlaufenen Städte Züri und Winterthur. Jetzt müssen sie nur noch kapieren, dass man fürs Einkaufen nicht 6.-- fürs blosse Einfahren ins Parkhaus nehmen kann...
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  • Kommentar von Adriano Granello  (adgr)
    Zitat:"Die Verkaufs- und Gesundheitsflächen sowie die Hotellerie sind mit verschiedensten Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar. Der Flughafen sei eher als eine Art Bonus anzusehen." Das klingt absurd und ist absurd, wer reist denn aus der Stadt Zürich und dem Umland zum lärmigen Flughafen,um dort in einer angesagten Bar ein überteuertes Bierli oder Cüpli zu trinken oder hinter 4-fach-Verglasung im Hotel zu übernachten, wenn nicht am nächsten Tag zu früher Stunde ein Flug auf dem Programm steht?
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