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Susanne Thellung: «Es war für Schwyz vielleicht eine Überraschung, dass ich gewählt wurde.»
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 22.07.2021.
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Erste Kantonalbank-Chefin Schwyzer Bankdirektorin: «Bringe Frauen als Chefs ins Gespräch»

Die Chefetagen der Schweizer Banken sind fest in Männerhand: In den meisten Finanzinstituten sind Frauen deutlich in der Minderheit, sowohl in den Geschäftsleitungen als auch in den Verwaltungsräten. Ausgerechnet im konservativen Kanton Schwyz jedoch wählte der Bankrat der Kantonalbank im vergangenen Herbst erstmals eine Frau zum CEO: Susanne Thellung wurde damit zur ersten Frau an der Spitze einer Kantonalbank.

Am 1. Februar 2021 trat sie ihr Amt an – und zieht nach einem halben Jahr eine erste Bilanz.

Susanne Thellung

Susanne Thellung

CEO Schwyzer Kantonalbank

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Susanne Thellung wurde im Oktober 2020 vom Bankrat der Schwyzer Kantonalbank zur Vorsitzenden der Geschäftsleitung gewählt. Am 1. Februar 2021 trat sie ihr Amt an. Zuvor war sie von 2004 bis 2018 in verschiedenen Funktionen für die UBS Switzerland tätig, unter anderem als Regionaldirektorin für alle Kundensegmente in den sechs Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden und Zug. Danach leitete sie die Abteilung Business Management Firmenkunden und institutionelle Kunden bei der UBS Switzerland. Susanne Thellung ist 46 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines Sohnes. Sie lebt in Brunnen.

SRF News: Sie sind schweizweit die erste Frau an der Spitze einer Kantonalbank. Sind Sie es leid, darauf angesprochen zu werden?

Susanne Thellung: Nein, ich freue mich darüber. Denn es zeigt, dass es gesellschaftspolitisch nach wie vor von Relevanz ist. Entsprechend bin ich dankbar und empfinde es als Privileg, dass ich diese Rolle ausfüllen darf.

Sie sind Chefin der Schwyzer Kantonalbank, der Bank eines eher konservativen Kantons. Wie sind die Rückmeldungen, die Sie bislang erhalten haben?

Die Kundinnen und Kunden reagieren durchwegs positiv. Letzthin wurde ich an einem Kundenanlass sogar spontan umarmt, das ist mir zuvor noch nie passiert. Ich kann mir zwar vorstellen, dass es eine Überraschung war für Schwyz, dass ausgerechnet die hiesige Kantonalbank die erste war, die eine Frau zur Geschäftsführerin wählte. Aber ich glaube, meine Wahl zeigt, dass die Gesellschaft bereit ist für Frauen in Führungspositionen. Ich treffe immer wieder auf Menschen, die sagen: «So lässig, du bist eine Frau».

Letzthin wurde ich an einem Kundenanlass sogar spontan umarmt, das ist mir noch nie passiert.

Sie haben es an die Spitze einer Kantonalbank geschafft – wie sorgen Sie nun dafür, dass auch andere Frauen in Kaderpositionen Karriere machen können?

Einerseits gibt mir meine jetzige Position die Möglichkeit, als Rollenvorbild zu wirken. Andererseits bin ich sehr aktiv dabei, Frauen darin zu unterstützen, um in Kaderpositionen zu kommen. Nicht nur intern bei der Schwyzer Kantonalbank – ich versuche auch, über mein Netzwerk als Steigbügel zu wirken. Ich möchte Frauen, die ich kenne, ins Gespräch bringen, wenn ich höre, dass in einer Firma eine Chefposition neu zu besetzen ist. Diesen Effort braucht es von Leuten, die wie ich die Möglichkeit dazu haben, um hier einen Schritt weiterzukommen.

Die meisten Leute erledigen ihre Bankgeschäfte mittlerweile übers Internet. Wie lange leistet sich Ihre Bank noch das heutige Netz von 23 Bankfilialen?

Ein Abbau von Filialen ist derzeit kein Thema. Ich bin ein grosser Fan von Filialen, sie sind die Orte, an denen unsere Kunden und wir uns begegnen. Klar, für einfache Bankangelegenheiten nutzen die meisten Leute die digitalen Kanäle. Wenn es jedoch um finanzielle Ziele geht, um Sicherheit und um Träume, ist es für die meisten wichtig, einen persönlichen Kontakt mit jemandem von der Bank zu haben. Ich gehe davon aus, dass diese hybride Nutzung der Bankdienstleistungen noch längere Zeit anhalten wird.

Legende: Filiale der Schwyzer Kantonalbank in Feusisberg: CEO Susanne Thellung will das heutige Netz mit 23 Filialen beibehalten. Keystone

Sie waren rund 21 Jahre für die Grossbank UBS tätig, jetzt leiten Sie eine Kantonalbank, die nicht nur den Kunden, sondern auch den Bürgerinnen verpflichtet ist. Wie spüren Sie das?

Ich spüre nur einen geringen kulturellen Unterschied. Ich habe für die UBS Schweiz gearbeitet, immer sehr regional, ich kenne den Markt – es fühlt sich hier eigentlich an wie ein grosses Heimkommen. Aber natürlich gibt es den Aspekt, dass wir einen Leistungsauftrag vom Kanton haben: Wir sind eine Bank, die versucht, dem Gewerbe und der übrigen Kundschaft Stabilität und Sicherheit zu bieten. Diesem Auftrag kommen wir nach.

Das Gespräch führte Karin Portmann.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 23.07.2021, 17:30 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Philipp M. Rittermann  (airmaster1)
    ich habe bisher leider noch nicht feststellen können, dass die quoten-frauen im schnitt einen besseren job machen als die männer. es scheint aber heute einfach "zum guten ton" zu gehören, dass man eine quote etabliert. zeitgeist.
    1. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Machen sie ihren job den schlechter? Und genau hier liegt der Hund im Pfeffer begraben.
      Und noch was, wo haben wir den Quoten Frauen? Sind für sie alle Frauen in gehobenen Positionen nur dank links/ grünen Forderungen am Ruder? Ich persönlich kenne keine einzige Frau die wegen Quote ihren job macht! Weil wir nämlich nicht mal eine verbindliche Regelung diesbezüglich haben. Das haben die Männer schon zu verhindern gewusst.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Frau Stäheli, ich kann Ihnen nur beipflichten. Da wird über Quote geredet, als sei sie vorhanden/verbindlich, was sie aber nicht ist.
  • Kommentar von Michael Schwyzer  (Michael Schwyzer)
    "nicht nur den Kunden, sondern auch den Bürgerinnen verpflichtet"

    Gendergerecht/-neutral schön und gut, aber sich für eine so missverständliche Variante zu entscheiden, kommt einer Beraubung der deutschen Sprache gleich, da mit solchen Formulierungen dann plötzlich nicht mehr klar ist, ob jetzt absichtlich nur Personen eines Geschlechts gemeint sind oder ob ein Ausdruck nur vom Gendern herrührt.

    Gender-Zeichen (* _ : °) hingegen können u. U. mehr Klarheit bringen, die Sprache bereichern.
    1. Antwort von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
      Unglaublich. Ich werde ständig mit der männlichen Form terrorisiert, aber wenn sie einmal als Bürgerin bezeichnet werden müssen sie ihren Unmut gleich kundtun. Wirklich nicht zu fassen diese über Empfindlichkeit.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Schwyzer, das ist aber wirklich nicht Ihr ernst?
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Freut mich! Eine schöne und eine weniger schöne Nachricht. Schön hat es eine Frau durch ihren Leistungsausweis geschafft, den Posten zu erhalten. Weniger schön, diese Nachricht ist im 2021 nach wie vor eine Schlagzeile wert. Die Besetzung von Kaderstellen bis in die höchste Etage sollte durch m/w/d heutzutage selbstverständlich sein. Ich wünsche ihr viel Glück!