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Besuch auf der Antilopenfarm
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 16.06.2021.
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Erste Schweizer Antilopenzucht Von der afrikanischen Savanne auf die Aargauer Weide

Zwei Freunde haben die erste Antilopenzucht der Schweiz aufgebaut. Nun wollen sie das Fleisch unter die Leute bringen.

Im Aargauer Dorf Herznach weiden nicht nur Kühe, Ziegen und Schafe, sondern auch weitaus exotischere Tiere: Elenantilopen. Seit 2013 züchten die beiden Freunde Christoph Kläusler und Marco Jäger die grossen Tiere. Eine nicht ungefährliche Arbeit, können Elenantilopen doch so gross werden wie Kühe und haben lange Hörner.

Ein etwa drei Meter hoher Zaun trennt deshalb Menschen und Tiere. «Wir schauen immer, dass etwas zwischen uns ist. Ich würde nie hinein gehen», sagt Christoph Kläusler. «Der Respekt ist da, das sind 500 Kilo pure Muskeln, die Antilopen sind 70 Stundenkilometer schnell. Man muss nicht meinen, man habe nur den Hauch einer Chance, ihnen davonzukommen.»

Es war eine Bieridee, die in Namibia in den Ferien entstanden ist.
Autor: Marco JägerAntilopenzüchter

Die Antilopenfarm in Herznach ist die einzige der Schweiz. «Es war eine Bieridee, die in Namibia in den Ferien entstanden ist», erzählt Kläusers Freund und Geschäftspartner Marco Jäger. Zurück aus den Ferien, bauten die beiden einen grossen Stall. Inzwischen weiden im Aargauer Dorf 16 Antilopen, künftig sollen es doppelt so viele sein.

Zwei Männer stehen vor Zaun, dahinter Weide .
Legende: Christoph Kläusler (links) und Marco Jäger (rechts) haben die Antilopenzucht in Herznach aufgebaut. SRF/Beni Minder

«Wir haben einen guten Start erwischt, wir werden immer bekannter und sind optimistisch, dass wir weiter wachsen können», sagt Christoph Kläusler. Die Antilopenfarm soll künftig nämlich weit mehr als ein Hobby sein. Haben die Antilopenzüchter das Fleisch bisher direkt an Private verkauft, wollen sie bald auch Restaurants damit beliefern. «Wir führten bereits letztes Jahr Gespräche mit Gastronomen. Nun, da die Restaurants wieder offen haben, sind wir auf gutem Weg.»

Die Antilopen und das Schweizer Klima

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Die hiesigen klimatischen Verhältnisse stellen laut den Aargauer Züchtern für die Elenantilopen kein Problem dar. Bei kühlen Witterungsverhältnissen stünden den Tieren ein Stall mit Auslauf zur Verfügung. Dieser sei gut isoliert, so dass nie unter 5 Grad kalt werde.

Bei Temperaturen über 30 Grad sei es den Tieren sogar zu warm. Im Sommer seien sie daher nur am Morgen und Abend auf der Weide. Am Mittag kommen sie freiwillig zurück in den kühlen Schatten des Stalls, sagen die Antilopenfarmer.

150 Franken kostet ein Kilo Antilopenfilet, 120 Franken ein Kilo Antilopensteak. Der hohe Preis lässt sich laut Marco Jäger dadurch erklären, dass die Tiere oft draussen sind, kein Kraftfutter wie importiertes Soja erhalten und es zweieinhalb Jahre dauere, bis man sie schlachten kann.

Zwei junge Antilopen im Stall beschnuppern sich.
Legende: Nachwuchs auf der Antilopenfarm: Angefangen haben die Aargauer mit Antilopen aus europäischen Zoos, inzwischen züchten sie die Tiere selber. zvg

Trotz des hohen Aufwands und Preises ist Jäger überzeugt, dass sich sowohl Zucht und Verzehr lohnen. Denn: «Das Fleisch ist sehr feinfaserig, hat praktisch kein Fett, es ist eiweisshaltig und cholesterinarm.» Einen richtigen Eigengeschmack habe das Antilopenfleisch nicht, es erinnere etwas an Pferd oder Rind.

Wir werden nie davon leben können.
Autor: Christoph KläuslerAntilopenzüchter

Auch wenn aus der Bieridee in Namibia inzwischen ein kleines Geschäft entstanden ist und die beiden Freunde dieses Jahr zum ersten Mal vermutlich schwarze Zahlen schreiben, bleiben sie realistisch. «Wir werden nie davon leben können. Das Tier steht im Vordergrund, wir hoffen aber, dass das Finanzielle nun auch kommt», sagt Christoph Kläusler, der hauptberuflich Lagerist ist. Jäger arbeitet als Disponent.

Antilopenherde in hohem Gras.
Legende: Die Antilopenart, die im Aargau gezüchtet wird, zählt nicht zu den gefährdeten Tierarten. zvg

Angst, dass schon bald Konkurrenz auftaucht und weitere Antilopenfarmen hierzulande entstehen, haben die Aargauer Züchter nicht. Denn: «Am Anfang ist es ziemlich mit Kosten und Aufwand verbunden, es gibt viele Auflagen und man muss viele Kontakte knüpfen. Ich bezweifle deshalb, dass andere auf diesen Zug aufspringen», sagt Marco Jäger.

Einen Hauch afrikanischer Serengeti mit einer Antilopenherde unter freiem Himmel gibt es in der Schweiz also vermutlich auch weiterhin nur im Aargauer Dorf Herznach zu bestaunen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 16.06.2021;

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Komisch bei Lamas, Straussen und Alpacas beschwert sich keiner. Wo ist der Unterschied?
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Beutler: Darüber beschwere ich mich durchaus, nur bisher nicht hier.
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Die Welt verändert sich seit ihrer Entstehung und der Mensch hat seit vorgeschichtlichen Zeiten seinerseits die Welt verändert. Das festhaltenwollen am momentanen Zustand zeigt nur die verbreitete Verunsicherung gegenüber der Veränderung. Jedenfalls freue ich mich über diese Antilopenherde im Fricktal, wie ich mich jeweils über den Anblick einer Zebraherde am Bodensee gefreut hatte. Schliesslich werden die Tiere artgerecht gehalten und sind nicht überzüchtet.
  • Kommentar von Juli Julson  (Hans W. Heiri)
    Hunde überzüchten, Pferde, Rinder, Schweine, Hühner, Muscheln und andere Meerestiere essen ist ok. Aber wenn 2 Menschen Antilopen importieren; das geht gar nicht? Scheinheilige Schweiz
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Julson: Leiden nicht schon genug Tiere um uns Menschen zu ernähren, müssen es jetzt noch Antilopen sein? Was wird als nächstes in die Schweiz geholt um geschlachtet zu werden, Bisons, Giraffen, usw. ? Wo ist die Grenze?
    2. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @a.volkart:
      Wenn auf dieser Aargauer Weide keine Antilopen weiden würden, dann wären es wohl einfach andere Tiere, die dort als Fleischlieferanten weiden würden. (Z.B. Rinder o.ae.)

      Was macht das netto gesehen für einen Unterschied?
    3. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Frau Müller: Der Unterschied wäre das Rinder und somit Kühe schon seit Generationen für diesen Zweck gezüchtet sind, Antilopen für diesen Zweck jedoch neu sind. Es braucht nicht noch ein wildes Tier das für den Hunger der Menschen leiden muss.
    4. Antwort von Jasmine Fernkorn  (Fej)
      @Alex Volkart: nur als absolut wertfrei gemeinte Information: in Afrika ist es absolut normal, dass Antilopenfleisch verzehrt wird. Ähnlich, wie bei uns Rindfleisch gegessen wird. So gesehen ist das nichts Neues. Und erklärt vlt auch, weshalb die zwei Herren in Afrika auf diese Idee gekommen sind.
    5. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Herr Volkart diese Antilopen leiden eindeutig deutlich weniger als unsere Hühner, Schweine und Kühe in Massentierhaltung. Sie werden nicht mit Antibiotika und Kraftfutter vollgestopft.
    6. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Herr Volkart in Afrika wird Antilopen Fleisch schon lange gegessen. Dann dürften sie auch keine Bananen, Avocados oder Muscheln essen. Die gibt es in der Schweiz auch nicht. Bisons gibt es in der Schweiz schon und auch Galloway Hichlandrinder. Alles nicht einheimisch.