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Schweiz Erstes Hotel für Patienten: Das geht ins Geld

In Lausanne hat das erste Patientenhotel der Schweiz seine Türen geöffnet. Patienten, die im Universitätsspital keine Intensivpflege mehr benötigen, können dorthin verlegt werden. Bezahlt wird per Zusatzversicherung – oder aus der eigenen Tasche.

Legende: Video Das erste Patientenhotel der Schweiz abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.11.2016.

Herzpatient Nicolas Schenk aus Yverdon ist begeistert: Statt im Spitalzimmer liegt er in einem Hotelbett und wird von Pflegefachpersonen betreut. Und die Angehörigen können ins Hotel ziehen, um dem kranken Familienmitglied Gesellschaft zu leisten.

Das neu eröffnete Patientenhotel liegt unmittelbar neben dem Universitätsspital Lausanne (CHUV). Patientinnen und Patienten, die keine Intensivpflege benötigen, können ins Hotel verlegt werden. Zur Überwachung tragen sie ein Sicherheitsarmband mit integriertem Notrufknopf, täglich kommt ein Arzt zu Besuch, Pflegepersonal kümmert sich um sie.

Das Hotel wird von der Reliva AG aus Zürich privat betrieben. Ein Dreisternehotel, das auch ganz normal buchbar ist. Knackpunkt sind die Kosten. Das Universitätsspital wirbt mit der Aussage, eine Nacht im Hotel koste bis zu dreissig Prozent weniger als eine Nacht im Spital. Trotzdem könnte es für die Patienten ein böses Erwachen geben, wenn die Hotelrechnung ins Haus flattert.

Gesundheitsökonom Willy Oggier erklärt: «Patientenhotels sind keine Spitäler und auch keine Rehabilitationskliniken. Die Leistungen sollten daher nicht miteinander verglichen werden: Der Grossteil der anfallenden Kosten – abgesehen von jenen von Arzt und Medikamenten – dürften vom Patienten oder einer allfälligen Zusatzversicherung zu zahlen sein.» Das CHUV hingegen ist überzeugt, dass der Aufenthalt über die Fallpauschale abgerechnet werden kann, also von der Grundversicherung bezahlt wird. Groupe Mutuel hat dies gegenüber RTS bestätigt.

Beim Krankenversicherungsverband Santesuisse tönt es anders: «Für die Patienten müsste klar ersichtlich sein, welche Leistungen im Patientenhotel tatsächlich von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen würden und welche nicht. In der Ausrichtung ist es in erster Linie ein Komfortangebot, das – mit Ausnahme der Akut- und Übergangspflege – weitgehend ausserhalb der Leistungspflicht des KVG liegt.»

Das CHUV benötigt dringend zusätzliche Betten, das Patientenhotel bedeutet für den Kanton deshalb eine ideale Zusammenarbeit mit einem privaten Anbieter. Vorbild sind dabei Hotels in Skandinavien und Deutschland. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung zumindest teilweise die Kosten. Gesundheitsökonom Willy Oggier sagt, das schweizerische Modell gleiche dem skandinavischen – dort wird der Patient zur Kasse gebeten: «In Skandinavien steht eher die Erzielung von Mehreinnahmen für das Spital im Vordergrund, indem sich beispielsweise eine Frau nach einer ambulanten Geburt auf eigene Rechnung im Patientenhotel erholt.»

Nicolas Schenk ist einer der ersten Patienten, die sich im Patientenhotel erholen. Als ihm im Spital gesagt wurde, er könne schon wenige Tage nach seiner Herzoperation ins Hotel hinüber wechseln, war ihm das zuerst nicht geheuer. Inzwischen aber fühlt er sich gut betreut und komfortabel aufgehoben.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Yvonne Gilli (ygilli)
    Ein tolles Projekt! Für das Spital und die Versicherung kostensparend, eine individuellere Umgebung für den Patienten und Kontinuität in der Betreuung!
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  • Kommentar von HP Korn (HaPeChe)
    Die Aussage "Das Universitätsspital wirbt mit der Aussage, eine Nacht im Hotel koste bis zu dreissig Prozent weniger als eine Nacht im Spital." klingt ja plausibel - mich würden aber konkrete Zahlen interessieren: Was kostet ein Spitalbett beim CHUV? Was kostet es in anderen CH-Spitälern? Und zwar nur die "Hotellerie" (analog der in Pflegeheimen gebräuchlichen Definition) ohne Arzt- und Pflegeleistungen. Dann erst könnte das mit den Kosten eine Betts in einem "Hotel" vergleichen werden.
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    1. Antwort von Theresia Weber (Resi)
      Gemäss TSR kostet eine Nacht im Hotel CHF 165.-. 30% mehr wären also CHF 215.- (allgemeine Abteilung, also nicht Privatzimmer). Wegen diesen tieferen Preisen, kann ich nicht verstehen weshalb die obl. Grundversicherung dies nicht übernehmen sollte. Von der Preissenkung im Hotel könnten ja nur Privatversicherte profitieren, was die Kosten der Grundversicherung nicht reduzieren würde. Gesundheitsminister Maillard sagte, die obl. Grundversicherung übernimmt die Hotel-Kosten.
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  • Kommentar von E. R. Röthlisberger (sodeli)
    Ein Spital geht andere Wege. Gratulation. Kosten werden gesenkt, der Patient ist besser aufgehoben. Doch der Gesundheitsökonom mekert. Ein Grund die Krankenkassen zu wechseln, die Neuem negativ gegenüber stehen. PS. Das CHUV geht auch in der Haftpflicht neue Wege: kündigte die Patientenhaftpflichtversicherung und regelt den Fall direkt mit dem Patienten.
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