Ethos-Studie: Managerlöhne steigen um zwei Prozent

Die Stiftung streicht heraus: Die Steigerung der Zahlungen ist durchaus nicht in allen untersuchten Fällen mit einer Verbesserung der Unternehmensleistung zu rechtfertigen. Weiter kritisiert Ethos, dass der Anteil an Frauen in Schweizer Verwaltungsräten nach wie vor bescheiden sei.

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Managerlöhne steigen – trotz teils sinkender Reingewinne

0:05 min, aus 10vor10 vom 29.9.2016

Laut Ethos haben die Manager der börsenkotierten Schweizer Unternehmen im vergangenen Jahr mehr verdient. Die Transparenz und das Bewusstsein für die Rechte der Aktionäre hätten sich verbessert.

Kleinere Unternehmen unter Zugzwang

Die Summe der Vergütungen, die an die Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte der 204 SPI-Unternehmen ausbezahlt wurden, ist 2015 gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent gestiegen. Das hat Ethos aufgrund der Abstimmungen zu den Vergütungen an den Generalversammlungen berechnet.

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Bildlegende: Nach wie vor eine Männerdomäne: die Verwaltungsräte von Schweizer Unternehmen. Imago

Ethos-Direktor Vincent Kaufmann stellte am Donnerstag vor den Medien vor allem bei den kleineren Unternehmen «einen gewissen Aufholeffekt» fest. Bei den ganz grossen Unternehmen habe es hingegen für einmal – auch wegen Einmaleffekten wie CEO-Wechseln – keine Steigerung gegeben.

Spendable Grossbanken Credit Suisse und UBS

Die absoluten Beträge hätten gleichwohl auch bei den grösseren SMI-Unternehmen auf «global gesehen sehr hohem Niveau» verharrt. An die CEO der zwanzig Blue-Chip-Unternehmen seien im Schnitt 7,2 Millionen Franken ausbezahlt worden, an die SMI-Verwaltungsratspräsidenten je 2,4 Millionen Franken.

Die Bandbreite bei den CEO-Löhnen (Roche: 15,6 Millionen, Geberit: 1,8 Millionen Franken) und bei den VR-Präsidenten ist gross (Nestlé: 6,5 Millionen, Actelion: 395'000 Franken). Die höchsten «Vergütungspakete» wiesen laut Kaufmann die beiden Grossbanken auf.

Stirnrunzeln wegen tiefem Frauenanteil in Verwaltungsräten

Ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der variablen Vergütung und der Unternehmensleistung war laut der Anlagestiftung nicht systematisch vorhanden. Zum Beispiel habe bei der Hälfte der analysierten Unternehmen der Rückgang des operativen Gewinns nicht zu einer Verringerung des Bonus geführt.

Im Hintertreffen sei die Schweiz ferner, was den Frauenanteil in den Verwaltungsräten angehe. Bei den SPI-Firmen betrage er «bescheidene» 14 Prozent. In Frankreich (37 Prozent) sowie Deutschland und Grossbritannien (je 27 Prozent) sei der Anteil deutlich höher.

«  Es gibt mehr Druck auf die Verwaltungsräte, und das ist positiv. »

Dominique Biedermann
Ethos-Präsident

Es gibt auch Lob – Minder-Initiative sei Dank

Doch es gab auch Lob: So hat sich laut Ethos die Transparenz der Vergütungssysteme markant verbessert. Die Stiftung schreibt dies den Bestimmungen der Minder-Initiative zu. «Es gibt mehr Druck auf die Verwaltungsräte, und das ist positiv», sagte Ethos-Präsident Dominique Biedermann.

Positiv gewürdigt wurde ausserdem, dass inzwischen 57 Prozent aller SPI-Firmen eine Obergrenze für variable Vergütungen hätten und diese in den allermeisten Fällen nicht das Dreifache des Fixlohnes ausmache. Zufrieden ist Ethos auch damit, dass immer weniger Unternehmen eine variable Vergütung an ihre Verwaltungsräte auszahlen.