Expo 2015: Der Schweizer Auftritt gibt zu reden

Der Auftritt der Schweiz an der Weltausstellung diesen Sommer in Mailand gibt zu reden. Der Grund: Nestlé ist Hauptsponsor und Syngenta sponsert den Städteauftritt von Basel. Soll die Expo Grossunternehmen ein so grosses Schaufenster bieten?

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Bildlegende: Modell des Schweizer Expo-Pavillons für die Weltausstellung in Mailand. Keystone

An der Medienkonferenz über die Schweizer Beteiligung an der Weltausstellung ist man mittendrin im schönsten Basler Knatsch: Vorne auf dem Podium sitzt der grüne Basler Regierungspräsident Guy Morin. Er verteidigt gerade, dass der Agrar-Konzern Syngenta an der Expo Mailand eine Ausstellung machen darf.

Im Medienpulk ist auch Florianne Köchlin, Gentechkritikerin, frühere Weggefährtin Morins. Ihr leuchtet es nicht ein, das sich Basel von Syngenta sponsern lässt.

Kritische Auseinandersetzung? «Eben nicht»

So ein Streit sei ganz normal, betont Morin. «Diese kritische Auseinandersetzung mit unseren multinationalen Unternehmen gehört zu Basel. Wichtig ist, dass diese Auseinandersetzung stattfindet.»

Eine kritische Auseinandersetzung sei es eben nicht, findet eine Koalition von Nichtregierungs-Organisationen. Denn Syngenta könne sich an der Weltausstellung präsentieren wie es der Agro-Multi wolle, sagt Florianne Köchlin. «Syngenta kann dort ihre Strategie, wie Hunger und Armut bekämpft werden können, präsentieren, wie sie will. Basel macht zu dieser Zeit nichts. Das finde ich hochproblematisch.»

Umstrittener Auftritt Syngentas

In Basel ist Feuer im Dach, seit bekannt ist, dass sich Syngenta mit 200'000 Franken am Auftritt Basels beteiligt, der insgesamt fast eineinhalb Millionen kostet. Basel geht zusammen mit Zürich und Genf an die Expo. Die Städte präsentieren gemäss ihnen eine «innovative, nachhaltige, kulturelle und urbane Schweiz».

Der Auftritt von Syngenta, der Saatgut- und Pestizid-Herstellerin, passt zum Thema der Expo «Die Welt ernähren». Das findet zumindest Regierungspräsident Morin. «Syngenta will einen Beitrag leisten, dass mehr Nahrungsmittel für die zunehmende Bevölkerung zur Verfügung gestellt wird», sagt er. «So verstehe ich dieses Unternehmen.»

Syngentas und Nestlés-Propagandashow zuerst

Zudem, betont Morin, erhalten am Städte-Auftritt auch Bio-Organisationen ihren Platz. So sei ein Dialog gewährleistet. Eben nicht, entgegnen die Kritiker, wie Roman Künzler von der Organisation Multiwatch: «Der kritische Dialog, wenn es denn einer ist, erfolgt erst Monate später mit einigen NGOs. Die Propagandashow von Syngenta kommt aber zuerst. Das ist für uns inakzeptabel.»

Multiwatch weitet die Kritik aus. Denn der Lebensmittelkonzern Nestle ist für die Schweiz Platinum Partner – sprich: Hauptsponsor und hat eine eigene Ausstellung beim Schweizer Auftritt.

Lässt sich die Schweiz vor den Karren der Multinationalen Unternehmen spannen? Nein, sagt Organisator Nicolas Bideau von Präsenz Schweiz. «Nestlé macht nicht mehr als 15 Prozent des Gesamtbudgets aus.»

«Multis gehören zur Schweiz»

Ausserdem gehörten die Multis auch zur Schweiz, sagt Bideau. «Ich glaube, es gibt jetzt ein paar kritische Stimmen was die Beteiligung dieser grossen Unternehmen an der Expo betrifft. Aber generell spüre ich einen grossen Willen von der Schweiz, an dieser Expo teilzunehmen oder zumindest nach Mailand zu gehen.»

Die Expo Organisatoren lassen sich also nicht vom Kurs abbringen. Und die kritischen Organisationen haben immerhin ein Ziel erreicht, nämlich dass über Syngenta öffentlich diskutiert wird – auch wenn es keine direkte und inhaltliche Diskussion ist.