Facebook ist auch in der Schweiz unter Beobachtung

In der Schweiz verfolgt der oberste Datenschützer sehr genau, was in der Causa Facebook/WhatsApp nun weiter passiert. Im Gespräch erklärt Datenschützer Adrian Lobsiger, dass er auf eine einvernehmliche Lösung mit Facebook hoffe.

Facebook soll in Deutschland ab sofort keine Nutzerdaten mehr von seinem Tochterunternehmen WhatsApp verwenden dürfen. Das hat der Hamburger Datenschutzbeauftragte angeordnet. Demnach muss WhatsApp die Übermittlung der Daten sofort stoppen und Facebook jene Daten löschen, die es von WhatsApp bereits erhalten hat. Es geht dabei vor allem um die Telefonnummern der 35 deutschen Millionen WhatsApp-User, welche der Dienst an den Mutterkonzern Facebook liefert.

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Eidg. Datenschützer

Eidg. Datenschützer

Adrian Lobsiger ist seit März 2016 Eidgenössischer Datenschützer. Zuvor war er stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Polizei (fedpol).

Facebook will gegen die Anordnung aus Hamburg rechtlich vorgehen, ist laut eigenen Aussagen aber bereit, mit der «Datenschutzbehörde bei dem Versuch zusammenzuarbeiten, deren Fragen zu beantworten und sämtliche Bedenken auszuräumen.» Im Gespräch erklärt der höchste Schweizer Datenschützer, Adrian Lobsiger, was das Vorgehen in Deutschland für die Schweiz und die hiesigen User von WhatsApp bedeutet.

SRF News: Wie bewerten Sie das Vorgehen Ihres deutschen Kollegen?

Adrian Lobsiger: Wir begrüssen es, dass der Fall aufgearbeitet und der Sachverhalt angeschaut wird. Es ist wichtig, dass wir verstehen, wieso sich Facebook diese Telefonnummern übermitteln lässt. Denn eigentlich wäre das nicht nötig – weder für den Betrieb von Facebook, noch für jenen von WhatsApp. Ich hoffe, wir erhalten Klarheit darüber, weshalb Facebook so viel an den Telefonnummern der WhatsApp-User gelegen ist. Dabei ist nicht auszuschliessen, dass Facebook zu einer Verbesserung der Datenschutzlage Hand bieten wird.

Wieso haben Sie gewartet, bis der Datenschützer in Deutschland aktiv wurde, anstatt die Sache selber an die Hand zu nehmen?

«Kommt es zu keiner Lösung, sind alle Optionen offen»

3:09 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.09.2016

Bei Fragen, die globale, europaweit tätige Konzerne betreffen, ist es üblich, dass sich die Datenschutzbehörden untereinander absprechen. Die Hamburger Behörde hatte schon früher mit Facebook zu tun. Wir verfolgen deren Gespräche mit dem US-Konzern nun sehr aufmerksam.

Sollte sich eine Lösung ergeben, werde ich sofort Druck machen, dass die Verbesserungen auch für die User in der Schweiz gültig werden. Sollte es zu keiner Lösung kommen, sind alle Optionen offen. Dann könnte auch der Eidgenössische Datenschützer eine Empfehlung herausgeben.

Facebook will sich gegen die Anordnung aus Hamburg rechtlich wehren. Was wird dabei herauskommen?

Nach unseren Informationen stehen nun zuerst Gespräche zwischen der Datenschutzbehörde und Facebook an. Deshalb ist noch offen, ob es zu einer einvernehmlichen Zusammenarbeit kommen wird, oder nicht. Wir werden den Fall auf jeden Fall eng mitverfolgen.

Das Gespräch führte Eveline Kobler.