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Mitarbeitende sind geschockt über die Schliessung des Spitals Münsingen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 23.03.2023. Bild: Keystone/Peter Klaunzer
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Fachkräftemangel in Bern Insel-Gruppe macht Spitäler dicht: «Stimmung wie an Beerdigung»

1000 Mitarbeitende der Insel-Gruppe sind vom Spital-Abbau betroffen. Der Schock im Spital Münsingen ist gross.

Die Insel-Gruppe zieht die Reissleine: Wegen des Fachkräftemangels und Kostendruck machen das Spital Münsingen und das Tiefenau-Spital in der Stadt Bern noch dieses Jahr dicht.

Im Spital Münsingen gehen die Lichter bereits Ende Juni aus. Bei Labor-Teamleiterin Katharina Radosavljevic sitzt der Schock tief. «Es herrscht beim Personal eine Stimmung wie an einer Beerdigung. Denn wir beerdigen den Standort Münsingen», sagt die Bernerin, welche Mitglied der Personalkommission der ganzen Insel-Gruppe ist.

Katharina Radosavljevic
Legende: Adieu Münsingen: Labor-Teamleiterin Katharina Radosavljevic muss bald an einem anderen Standort der Insel-Gruppe arbeiten. SRF/Dominik Meienberg

Man verliere in den kommenden Monaten «unglaublich wertvolle Menschen», mit denen man Höhen und Tiefen durchgemacht habe. «Wir sind immer füreinander eingestanden. Dass wir bald nicht mehr zusammenarbeiten sollen, ist für mich ganz ganz schwierig», so Radosavljevic.

Entlastet die Spital-Zusammenlegung das Personal?

Warum kommt es überhaupt zur abrupten Schliessung? «Durch den Fachkräftemangel und dadurch gesperrte Betten konnten wir dramatisch viele Patienten nicht behandeln», sagt Uwe E. Jocham, Direktionspräsident der Insel-Gruppe.

Deswegen haben man sich entschlossen, die beiden vom Personalmangel besonders betroffenen Standorte Tiefenau und Münsingen zu schliessen und das Personal und die Angebote an den anderen Standorten zu konzentrieren.

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Spital-Schliessungen in Bern erhitzen die Gemüter
Aus Schweiz aktuell vom 23.03.2023.
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Aber bedeutet die Zusammenlegung der Standorte tatsächlich eine Entlastung für das Personal? Die Spitalschliessungen könnten neben Nachteilen durchaus Chancen bringen, sagt Katharina Radosavljevic. «Wenn man auf einer Abteilung arbeiten kann, wo genug Personal da ist, bedeutet dies eine höhere Lebensqualität für die Mitarbeitenden.»

Dies, wenn man etwa Freitage wieder beziehen – oder schon nur mal ohne Stress aufs WC gehen könne.

Dennoch würden bestimmt nicht alle Mitarbeitenden von Münsingen etwa an das Berner Inselspital wechseln wollen. «Es kann sich eine Eigendynamik entwickeln. Ich wünsche mir aber, dass so viele wie möglich wechseln und die Leute wieder zusammenfinden.» Die meistgestellte Frage bei den Angestellten derzeit sei, wo sie ab Juli arbeiteten.

Ende mit Schrecken

Meret Schindler von der Gewerkschaft VPOD setzt sich für das Gesundheitspersonal sein. Sie sei zwar überrascht, dass die Insel-Gruppe die Spitäler Knall auf Fall schliesse. Aber: «Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wichtig ist, dass man die Leute halten kann und an anderen Standorten weiterbeschäftigen könne.»

Trotzdem: 200 Personen müssen mit einer Kündigung rechnen, 800 Leute müssen den Arbeitsplatz wechseln. «In den Kliniken gibt es unterschiedliche Arbeitskulturen, es braucht viel Feingefühl, um so Synergien zu schaffen.»

Wichtig sei jedoch auch, dass die Insel-Gruppe nicht nur Personal abbaue, sondern auch anderswo spare - etwa bei geplanten Investitionen. «Das ist ein wichtiges Zeichen und fair dem Personal gegenüber», so die Gewerkschafterin Meret Schindler.

Das Ende der Regionalspitäler?

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Das Ende der Spitäler Tiefenau und Münsingen sind nur zwei Beispiele von vielen. Viele Kantone scheinen nicht mehr bereit zu sein, aus regionalpolitischen Gründen die Regionalspitäler mit Steuergeld zu erhalten: In Baselland wurde 2020 das Spital Laufen geschlossen. Die stationären Patienten und Patientinnen wurden in andere Spitäler verlegt. Im Kanton St. Gallen hat das Parlament entschieden, gleich vier der neun kantonalen Spitälern zu schliessen.

Weniger Spitäler in der Ostschweiz

Die vier Spitalstandorte Uznach, Grabs, Wil und St. Gallen sollen erhalten bleiben, die fünf weiteren – Wattwil, Flawil, Rorschach, Altstätten und Walenstadt – sollen in regionale Gesundheits- und Notfallzentren umgewandelt werden. Auch hier ist der Fachkräftemangel ein zentrales Problem. Ebenso macht das Spital in Heiden im Appenzell dicht.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 23.03.2023, 06.31 Uhr;

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