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Der Fall Gecaj - 20 Jahre danach
Aus Schweiz aktuell vom 11.01.2019.
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Fall Gecaj jährt sich «Die Bilder aus dem Besprechungszimmer werde ich nie vergessen»

Am 11. Januar 1999 erschütterte der Mord am St. Galler Lehrer Paul Spirig die Schweiz. 20 Jahre später gedenken die Überlebenden den Opfern.

Am Morgen des 21. Januars 1999 klopfte es an der Türe des Klassenzimmers von Lehrer Paul Spirig. Ded Gecaj, Vater einer Schülerin, wollte ein Gespräch mit dem Lehrer seiner Tochter.

Paul Spirig führte Gecaj ins Besprechungszimmer. Statt zu reden zog Gecaj aber eine Waffe und erschoss den damals 36-jährigen Lehrer.

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Prinzing: «Es prägt mich in meinem Leben als Schulleiter»
Aus News-Clip vom 11.01.2019.
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Andy Prinzing hörte einen dumpfen Knall – den Schuss. Der damalige Leiter des Schulhauses Engelwies kann sich noch genau an diesen Tag erinnern: «Plötzlich stand ein Lehrer ganz aufgeregt bei mir im Büro und sagte, ich müsse schnell kommen, es sei etwas Schlimmes passiert. Wir fanden unseren Kollegen Paul Spirig tot im Besprechungszimmer.»

Von da an war im Schulhaus Engelwies nichts mehr, wie es vorher war.

Probleme waren bekannt

Als damaliger Schulleiter wusste Andy Prinzing von den Schwierigkeiten zwischen den Eltern des Mädchens und dem Lehrer. Die Schülerin durfte an keinen Anlässen der Schule teilnehmen; weder an Schulreisen noch Exkursionen.

Wir fanden unseren Kollegen Paul Spirig tot im Besprechungszimmer.
Autor: Andy PrinzingEhemaliger Leiter des Schulhauses Engelwies

Irgendwann vertraute das Mädchen Paul Spirig an, dass sie zuhause sexuell missbraucht werde. «Dieses Mitwissen kostete wohl den Lehrer das Leben», erklärt Andy Prinzing, «Ded Gecaj wollte den Mitwisser eliminieren.»

20 Jahre später laufen die Mechanismen bei Drohungen und Gewalt in der Schule ganz anders. Aufgrund dieses schlimmen Ereignisses wurde im Kanton St. Gallen die Kriseninterventionsgruppe gegründet, welche zum Schulpsychologischen Dienst gehört.

Anlaufstelle wird rege genutzt

Heute arbeiten dort vier Fachpersonen, welche sich ausschliesslich mit Notfällen beschäftigen wie Mobbing, Gewalt, sexueller Belästigung oder Unfällen.

Fall Gecaj

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Fall Gecaj

Am 11. Januar 1999 tötet Ded Gecaj im Realschulhaus Engelwies im Kanton St. Gallen den Lehrer Paul Spirig mit mehreren Schüssen. Der damals 36-jährige Pädagoge unterrichtete die Tochter des Kosovaren. Sie hatte dem Lehrer vor der Bluttat anvertraut, von ihrem Vater mutmasslich sexuell missbraucht worden zu sein.

Nach der Bluttat flüchtet Gecaj in den Kosovo. Im Februar des folgenden Jahres wird er dort festgenommen und von einem Gericht des Balkanstaates wegen Totschlages zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Gecaj selbst wird nach der Hälfte der Strafe aus der Haft entlassen.

Mitte August 2007 wird Ded Gecaj erneut verhaftet und nach langen Hin- und Her an die Schweiz ausgeliefert. Im November 2010 nimmt sich Ded Gecaj in Untersuchungshaft das Leben.

Die Unterstützungsangebote stehen Lehrpersonen, Schulleitungen und Schulbehörden zur Verfügung und werden auch rege genutzt. Rund 80 bis 100 Fälle werden pro Jahr insgesamt über alle Themenbereiche bearbeitet.

Fälle von Gewalt verhindert

Esther Luder, die Leiterin der Kriseninterventionsgruppe hat es oft mit schweren Fällen zu tun: «In den letzten zehn Jahren konnten wir mit dem psychologischen Bedrohungsmanagement in 40 Fällen Gewalt verhindert. Das macht uns stolz», so Esther Luder.

Andy Prinzing arbeitet heute immer noch als Schulleiter, jedoch im Kanton Thurgau in Weinfelden. Was er erlebt hat, bleibt ihm für immer in Erinnerung.

Ich konsultiere vielleicht in meinem Alltag als Schulleiter einmal öfter den Kriseninterventionsdienst.
Autor: Andy PrinzingEhemaliger Leiter des Schulhauses Engelwies

Heute weiss er damit umzugehen. Er wurde gecoacht von einer Fachperson und kann das Erlebte einordnen. Dass nun in allen Kantonen der Schweiz solche Fachstellen gegründet wurden, kann er nur begrüssen: «Ich konsultiere vielleicht in meinem Alltag als Schulleiter einmal öfter den Kriseninterventionsdienst, um die Meinung einer Fachperson zu hören».

Doch ansonsten gehe es ihm gut. «Die Bilder aus dem Besprechungszimmer werde ich sicher nie mehr vergessen. Sie haben sich in meinem Kopf eingeprägt.»

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Schmidlin  (Queren life)
    Unsere Gefängnisse sind kein Spiegel einer gelungenen Integration und Offenheit. Die Zahlen dort belegen eher das Gegenteil. Es gibt auf dieser Welt Kulturen der Gewalt. Wir schützen uns dagegen unter Anderem mit unserer Landesverteidigung. Offen hinschauen und Handeln ist das Richtige.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Sexueller Missbrauch und Vertuschungstaten gibt es in allen Kulturen. Auch durch Schweizer in der Schweiz. Und nicht jeder, der in einem Schweizer Gefängnis sitzt hat auch den Wohnsitz in der Schweiz. Es gibt zB auch viele Frauen, die als Drogenschmugglerinnen missbraucht werden und dann hier ihre Strafe absitzen bis sie abgeschoben werden. Die Prozentzahlen in Gefängnissen sagen über die Integration der hier lebenden gerade gar nichts aus.
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  • Kommentar von ueli hofer  (refoh,parteifrei)
    Kultur ist nicht Rasismus (MFrei). Kultur ist Lebensart, sozusagen Tradition eines Volkes, Stammes, Clans, oder einer Religion (RPauli). Wenn dies der Gast in seinem Gastland nicht akzeptiert, wird es schwierig!
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  • Kommentar von B Näf  (uluru)
    Es gibt Kulturen die passen einfach weder in unsere Gesellschaft, noch auf unser Rechtssystem. Wer sich nicht anpasst gehört raus und nicht gehätschelt. Wer aber willig ist soll einfacher integriert werden.
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    1. Antwort von Michael Frei  (MFrei)
      Immer dieser latente oder weniger latente Rasissmus! Ich kenne viele Kosovaren und Kosovarinnen an Uni's und in normalen Jobs die jeden Tag vorbildlich ihren Teil zur Gesellschaft beitragen. Das hat nichts mit Kultur zu tun sondern mit Charakter und Persönlichkeit. Unsere Kultur ist auch nicht per se schlecht nur weil im Moment der Rasissmus wieder gesellschaftsfähig wird. In allen Kulturen gibt es nette und böse Menschen. Und bei uns wie bei Anderen sind die Bösen oft diejenigen, die Auffallen.
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    2. Antwort von R Pauli  (monospace)
      Wann begreifen die Menschen endlich, dass Kultur nichts mit Herkunft oder Nationalität zu tun hat? So gibt es innerhalb jedes Landes unterschiedliche Kulturen. Ich sage nicht dass dies kein Poblem ist, doch hört endlich damit auf, die Dinge zu vermischen. Das fördert nur den Populismus und bringt uns keinen Schritt weiter!
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    3. Antwort von Lukas Schaub  (Lukas M. Schaub)
      Die Kultur ist das Einte. Der Willen zur Integration und Gestaltung seines Lebens das Andere. Da bringt es nichts, einfach pauschal solche Aussagen zu posaunen. Ich war selber sehr lange Vorgesetzter von vielen Kosovaren, diese waren sehr fleissig und loyal. Ja das liest man nicht gerne, ich weiss. Darum lieber immer das Individuum beurteilen und nicht eine ganze Gruppe, ist doch viel fairer, oder?
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