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Kostenvergleich zwischen Spitälern liegt vor
Aus Rendez-vous vom 24.09.2020.
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Fallkostenvergleich Wie effizient behandeln Schweizer Spitäler?

Erstmals lassen sich die Kosten von Spitälern und Geburtshäusern untereinander vergleichen. Die Unterschiede sind markant.

Die Gesundheitskosten in der Schweiz steigen fast jährlich. Und mit ihnen die Krankenkassenprämien. Um die Ausgaben in den Griff zu bekommen, wurde bereits 2012 eine neue Spitalfinanzierung eingeführt. Diese sollte unter anderem die Wirtschaftlichkeit der Spitäler fördern. Doch welche Spitäler behandeln kostengünstig – und welche überdurchschnittlich teuer? Diese Frage blieb lange unbeantwortet.

Nun hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Austausch mit der schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) eine Liste, Link öffnet in einem neuen Fenster erarbeitet. Diese macht es erstmals möglich, schweizweit die Kosten von Akutspitälern und Geburtshäusern zu vergleichen. Sie zeigt anhand von sogenannten schweregradbereinigten Fallkosten, wie viel eine durchschnittliche stationäre Behandlung in einem bestimmten Spital im Jahr 2018 kostete.

Interessant: Vergleich von grossen Spitälern

Auf den ersten Blick sind die Unterschiede markant. So gibt es Spitäler, die für den gleichen standardisierten Fall mehr als doppelt so hohe Kosten verbuchten als andere. Doch nicht alle Vergleiche sind sinnvoll. Ein Rückschluss von den Kosten auf die Arbeitsweise in den Spitälern ist nicht direkt möglich. Höhere Kosten bedeuten nämlich nicht unbedingt Ineffizienz, sondern können auch aufgrund einer falscher Abbildung real erbrachter Leistungen erfolgen.

Interessant ist ein Vergleich unter den grösseren Schweizer Spitäler mit gleichem Leistungsauftrag. So operieren die meisten der grossen Schweizer Spitäler im Kosten-Mittelfeld, im Bereich von rund 10'000 Franken pro durchschnittliche stationäre Behandlung. Auffällig ist das Universitätsspital Genf (HUG), das rund ein Sechstel höhere Kosten aufweist als die meisten anderen Unispitäler.

Hinzu kommt, dass nicht alle Institutionen den Kantonen ausreichend Fallkosten geliefert haben – und deren Zahlen für einen Vergleich entsprechend wenig geeignet sind (gelb markiert).

Die Liste soll als Instrument für verschiedene Akteure im Gesundheitswesen dienen. Den Kantonen ist es damit besser möglich, die kantonalen Tarifvereinbarungen zu genehmigen. Zusätzlich hilft es ihnen bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit ihrer Spitäler – und bei der Entscheidung, welche geschlossen oder von der Spitallliste gestrichen werden könnten. Und zuweisenden Ärztinnen und Ärzten sowie Patienten kann sie als Entscheidungshilfe dienen.

Allerdings sind diese schweregradbereingten Fallkosten nur ein Kriterium für solche Entscheide, da sie noch keine Aussage über die Qualität der Behandlung beinhaltet.

Das BAG betont, dass die schweregradbereinigten Fallkosten alleine nicht ausreichen, um die Effizienz eines Spitals oder Geburtshauses zu bestimmen. Dafür würden die Fallpauschalen bei gewissen Leistungen zu schlecht die tatsächlichen Kosten abbilden.

Über die Methode

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Vier Parteien sind in die Erhebung der Daten involviert, die es für einen Vergleich der Betriebskosten zwischen den Spitälern benötigt. Wie bis anhin erfassen die Spitäler der stationären Akutsomatik und die Geburtshäuser ihre tarifbestimmenden Kosten selbst. Für einen Vergleich herangezogen werden nur die kantonal gelisteten Institutionen. Die Kantone überprüfen daraufhin die Plausibilität dieser Kostenausweise der Spitäler und gewährleisten ihre Vergleichbarkeit. Dies geschieht nach Vorgaben der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), die dazu die beiden Formulare «Prüfung der Plausibilität der Kostendaten Spitäler durch den Standortkanton» sowie «Herleitung der schweregradbereinigten Fallkosten» bereitstellt. Auf Basis dieser Angaben zu den Kosten erstellt das BAG ein Ampelsystem, das die Vergleichbarkeit abschliessend beurteilt. Der so erstellte Betriebskostenvergleich soll künftig Grundlage für die Spitaltarife sein. Durch das Selbsterfassen der Leistungen in Spitälern ist ein abschliessender Vergleich über deren Effizient jedoch nach wie vor schwierig.

SRF 4 News, Rendez-vous vom 24.9.2020

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Bock  (Andybock)
    Es ist unverantwortlich eine solche Liste unqualifiziert zu veröffentlichen. Ungefähr so sinnvoll wie sämtliche Früchte und Gemüse eines Marktplatzes nach Preis zu rangieren. Das Patientgut und damit die Kosten zwischen einem Unispital und einer spezialisierten Klinik die nur Gelenk-Wahleingriffe sind verschiefene Welten!
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Diese Statistik setzt beim falschen Ziel an. Viel interessanter wären Komplikationsrate, Mortalitätsrate und Re-Hospitalisierungsrate zu vergleichen (unter Berücksichtigung der Morbidität der Patient*innen). Wenn ein Spital sehr günstig operiert, aber dafür die Qualität leidet, wird das System insgesamt teurer.
  • Kommentar von Ernesto Asher Meng  (Ashi Ernesto)
    Diese Unterschiede müssen aufhören. Dass es kleine Unterschiede geben kann, ist gut so. Es soll ein Wettbewerb geben. Dass aber die gleiche Arbeit fast doppelt so teuer zu stehen kommt, das muss aufhören. Bin erstaunt, dass die KK da nicht sikh wehren. Hoffe der BR greift sanft ein.
    1. Antwort von Leo Nauber  (leo999)
      Wo sagt der Artikel, die Liste, dass GLEICHE Arbeit da doppelt so teuer als dort verrechnet wird. Zudem, was ist gleiche Arbeit? OP eines Blinddarms an einem 6 Jährigen, einer 40 Jährigen, eines 70 Järigen? An einem sonst schon anderweitig Schwerkranken oder sonst top gesunden Jungen Mann? Usw. Usw. Sinnlos, diese Liste ohne detaillierte Listung der Arbeiten, der benötigten Infrastruktur, der Komplexität der verschiedenen Patienten und und und... Und erst noch Publikation für absolute Laien.