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Trotz eigenem Fehler zeigt Krankenkasse CSS keine Kulanz
Aus Kassensturz vom 19.01.2021.
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Falsche Prämienrechnungen Trotz eigenem Fehler zeigt Krankenkasse CSS keine Kulanz

Ein treuer CSS-Kunde muss plötzlich über 2000 Franken Prämie nachzahlen, obwohl der Fehler bei der Kasse liegt.

Vor zehn Jahren zieht CSS-Kunde D.K. von Fehraltorf ins 15 Kilometer entfernte Hombrechtikon. Pflichtbewusst meldet er die neue Wohnadresse umgehend seiner Krankenkasse. Während der ganzen Zeit bezahlt D.K. der CSS regelmässig seine Krankenkassenprämien. Alles scheint reibungslos zu laufen.

Bis er letzten Sommer in eine andere Wohnung in Hombrechtikon umzieht. Jetzt bekommt er plötzlich eine höhere Prämien-Rechnung. Die CSS verlangt neu 40 Franken pro Monat zusätzlich. Begründung: «Andere Prämienzone». Doch damit nicht genug! Zusätzlich verlangt die Krankenkasse von D.K. rückwirkend 2'269 Franken. Dass das beim treuen CSS-Kunden sauer aufstösst, ist nachvollziehbar: «Ich war stinksauer und verstand die Welt nicht mehr. Für mich bestand keinerlei Zusammenhang zwischen meinem Umzug im gleichen Dorf und einer Prämienerhöhung.»

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CSS-Kunde D.K.: «Ich verstand die Welt nicht mehr.»
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CSS vergisst beim ersten Umzug die Zonenänderung

Das Problem: Die CSS änderte vor zehn Jahren zwar die Adresse von D.K., nicht aber die Prämienzone. Denn obschon beide Orte im Zürcher Oberland liegen, gehört Fehraltorf zur Krankenkassen-Prämienzone 3 des Kantons Zürich, Hombrechtikon aber zur Zone 2. Diese ist 40 Franken teurer.

D.K. muss nun also Prämien nachzahlen, obwohl er alles richtig gemacht hat. Das will er nicht auf sich beruhen lassen. Er wehrt sich mit etlichen Anrufen an die CSS-Hotline, mit diversen Briefwechseln mit der CSS-Rechtsabteilung und mit Kontaktversuchen über die MyCSS-App. Alles erfolglos. Die CSS gibt zwar in einem Schreiben an D.K. das Versehen zu: «Uns ist bewusst, dass der Fehler unserseits entstanden ist.» Dennoch hält sie an der Forderung fest. Der Kunde soll die Prämienkorrekturen nachbezahlen.

Grundsätzlich kann die CSS diese Rückforderung stellen, allerdings könnte sie in diesem Fall durchaus kulanter sein.
Autor: Ruedi UrsenbacherUnabhängiger Versicherungsberater

Die Krankenkasse bleibt hart

«Grundsätzlich kann die CSS diese Rückforderung stellen», bestätigt der unabhängige Versicherungsberater Ruedi Ursenbacher. Er ist jedoch der Meinung, dass in diesem konkreten Fall die Krankenkasse durchaus kulanter hätte sein können. Schliesslich hat D.K. einen Nachteil erlitten: «Bei einer rechtzeitigen Ankündigung hätte der Kunde zum Beispiel die Möglichkeit gehabt, ein anderes Versicherungsmodell zu wählen, die Franchise zu erhöhen oder sogar die Krankenkasse zu wechseln. Das alles wurde ihm verbaut.»

Zitat CSS
Legende: Auch in der Stellungnahme an «Kassensturz» zeigt sich die Krankenkasse unerbittlich. SRF

Die CSS beharrt auf ihrer Forderung und schreibt «Kassensturz»: «Die CSS handelt streng nach Vorschrift. Herr K. hat mehrere Jahre zu tiefe Prämien bezahlt. Angesichts des für obligatorische Krankenpflegeversicherer geltenden Gleichbehandlungsgebots aller Versicherten ist die CSS gesetzlich verpflichtet, die Prämiendifferenz von CHF 2‘269.20 einzufordern.»

D.K. ist entsprechend enttäuscht: «Ich fühle mich nicht ernst genommen. Es scheint, bei der CSS geht man nicht auf die Kunden und ihre Anliegen ein.» Er zog die Konsequenzen: Mittlerweile hat er die Krankenkasse gewechselt.

Kassensturz, 19.01.2021, 21:05 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Leider muss ich, aus eigener Erfahrung, und Erfahrung Dritter feststellen bei den grossen KK (alle austauschbar) ist es «Hans wie Heiri» wo Mann/Frau/Divers versichert ist. Diese Institutionen haben nur ein Ziel, so wenig wie möglich zu bezahlen. Warum sonst sind dort so viele Juristen*innen beschäftigt. Zudem spielen alle auf Zeit um die Menschen zu zermürben. Das Verhalten der CSS erstaunt mich keineswegs, wäre sie kulant, würde mich das mehr als positiv überraschen.
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    1. Antwort von Erich Singer  (Mairegen)
      Da muss ich jetzt gerade widersprechen: Habe kürzlich eine Brillenrechnung eingereicht obwohl mir gesagt wurde das es keine Beiträge mehr dazu gebe. war deshalb sehr überrascht als ein paar Tage später ein schöner Beitrag von der CSS auf meinem Konto gutgeschrieben war. Fazit. einfach nicht immer alles pauschalisieren!
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Versuchen Sie mal bei diversen Versicherungen die Langzeitfolgen eines schweren Unfalles adäquat behandeln zu lassen. Da werden viele auf die Welt kommen. Es sind nicht die einmaligen, kurzfristigen Behandlungen, die oft ungerecht und problematisch sind. Ohne Rechtsschutzversicherung, respektive Anwalt haben Sie null Chancen, auch wenn sie im Recht sind.
    3. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      @Felix Meier. Stimmt nicht ganz, dass Kassen alle gleich sind. Am meisten unterscheiden sie sich beim Rückerstatten der Rechnungen. Bei den guten Kassen dauert es weniger als zehn Tage und bei den schlechten um ein vieles länger.
  • Kommentar von Ben Utzer  (smi)
    Ich bin jetzt bei der Agrosana(=CSS) versichert, die KK-Karte lautet auf CSS, und die eRechnungen kommen von Sanagate(=CSS). Die CSS ist ein Chaosverein. Keine Antwort vom Kundendienst.
    Wir wählen regelmässig Krankenkassenvertreter ins Parlament. Resultat: Die CSS kann dem Kunden D.K. die Leistungen einstellen, bei einer Betreibung kann sie den Rechtsvorschlag selbst beseitigen, wegen ausstehender Prämien kann D.K. nicht zu einer anderen KK wechseln. Herr D.K. sitzt am kürzeren Hebel.
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  • Kommentar von Constantin Rupp  (Constantin Rupp)
    Das Obligationenrecht sieht für Versicherungsprämien zwar eine Verjährungsfrist von 5 Jahren vor. Das Problem in diesem Falle ist jedoch, dass Herr K. die Forderungen der CSS bezahlen musste. Andernfalls hätte er jetzt nicht zu einem anderen Versicherer wechseln können, da in diesem Falle keine offenen Prämienforderungen des bisherigen Versicherers bestehen dürfen. Und freiwillig wird die Versicherung das Geld jetzt wohl nicht mehr zurückerstatten.
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    1. Antwort von Manuel Nagel  (mkrm)
      Für die Frage, ob ein Anspruch besteht, ist nicht entscheidend, ob Geld geflossen ist. Sollte kein Anspruch bestanden haben, kann das Geld auch zurückgefordert werden.
      In der Praxis macht es natürlich trotzdem einen grossen Unterschied, da davon abhängt, wer wem nachrennen muss, oder halt auch, wer gegen wen prozessieren muss, um zu seinem Recht zu kommen.