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Legende: Audio Die Herkunft der Medikamenten-Wirkstoffe bleibt weiterhin geheim abspielen. Laufzeit 07:09 Minuten.
Aus Espresso vom 13.05.2019.
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Fehlende Deklaration Die Herkunft der Medikamenten-Wirkstoffe bleibt weiterhin geheim

Apotheker, Konsumentenschützer und Politiker fordern eine Herkunftsdeklaration. Doch die Pharmabranche blockt ab.

«Auf T-Shirts und Lebensmitteln steht, wo sie hergestellt wurden, aber ausgerechnet auf den Medikamenten nicht», ärgert sich ein Apotheker im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Für ihn gehört eine Herkunftsdeklaration ganz klar mit auf die Verpackung oder die Packungsbeilage. Er würde seine Kunden gerne entsprechend beraten.

«Ein Grossteil» der Generika enthält Zutaten aus China oder Indien

So wie der Apotheker fordern unter anderem auch der Verband der Schweizerischen Patientenstellen, der Konsumentenschutz und Politiker eine Herkunftsdeklaration bei Medikamenten.

Skandale um verunreinigte Medikamente haben das Vertrauen in die Qualität und Kontrollen erschüttert. Zuletzt im Jahr 2018 der Fall Valsartan. Es stellte sich heraus, dass der Wirkstoff, der in vielen Blutdrucksenkern steckt, verschmutzt und potenziell krebserregend ist. Hergestellt wurde der Inhaltsstoff in China.

Und dabei wurde auch wieder einmal publik, woher viele Zutaten unserer Medikamente stammen: Aus Billigproduktionsländern wie China oder Indien. Vor allem Generika sind «zum Grossteil» dort produziert, wie der Branchenverband «Intergenerika» gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» offen zugibt.

Warum steht dann nicht auch «Made in China», «Made in India» oder zum Beispiel «Made in Switzerland» auf der Verpackung? Ein Grund: Es ist nicht vorgeschrieben. Der Gesetzgeber hat die Medikamentenproduktion umfassend reguliert, aber eine Herkunftsdeklaration ist darin nicht vorgesehen. Dafür müssen seit dem 1. Januar 2019 alle Inhaltsstoffe aufgelistet sein, neben diversen Informationen zu Wirkung, Nebenwirkungen, Anwendung oder Haltbarkeit.

Herkunft: «Nebensächlich»

Die Branche könnte aber freiwillig den Schritt machen und bei der Bewilligungs- und Kontrollbehörde Swissmedic eine Herkunftsdeklaration beantragen. Sie will aber nicht. Eine «Made in»-Angabe sei etwas Nebensächliches: «Im Zentrum steht der Therapieerfolg für den Patienten», sagt Anita Geiger, Sprecherin des Verbandes «Interpharma».

Sie verweist auf die Bewilligungs- und Kontrollbehörde Swissmedic: Diese kenne und überprüfe die Herkunft aller Inhaltsstoffe und dies garantiere die höchstmögliche Sicherheit für die Patienten.

Ins gleiche Horn stösst das Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Die Packungstexte sollen sich auf Angaben beschränken, welche für die eindeutige Identifikation und die sichere Anwendung eines Arzneimittels erforderlich sind. Die Vorgaben bezüglich Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit gelten für alle zugelassenen Arzneimittel, unabhängig von ihrer Herkunft», schreibt das BAG auf Anfrage.

Wieder vermehrt in der Schweiz produzieren

Die Befürworter einer Herkunftsdeklaration erhoffen sich hingegen mehr Vertrauen seitens der Patienten in die Pharmaindustrie und mehr Druck auf die Branche, wieder von der Verlagerung zu fragwürdigen Billigproduktionsstätten im fernen Ausland wegzukommen und vermehrt in der Schweiz und im nahen Ausland zu produzieren.

Es gehe nicht an, dass die Pharmaindustrie mit Rückendeckung des BAG weiter «im Geheimen wursteln» dürfe, kritisiert etwa Konsumentenschützerin Sara Stalder.

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