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Im Kanton Bern wurde eine innovative Idee abgewürgt
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 19.11.2020.
abspielen. Laufzeit 02:22 Minuten.
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Fehlende Lehrpersonen Quarantäne-Vertretung verzweifelt gesucht

Zurzeit braucht es viele Stellvertretungen in den Schulen. Nicht alle Kantone sind für diesen Fall optimal vorbereitet.

Der Kanton Bern hat auch in normalen Zeiten Mühe, genügend Lehrpersonen zu finden. Grund ist der Mangel an Lehrkräften. Und jetzt kommt auch noch Corona hinzu. Aktuell sind 70 Lehrerinnen und Lehrer in Quarantäne oder Isolation – das ist ein halbes Prozent aller Lehrpersonen im Kanton Bern. Wie soll man da, wenn es sowieso schon zu wenige gibt, im Notfall Leute finden, die einspringen können?

Das System ist Teil des Problems

Das Problem ist nicht nur, dass es zu wenige gibt, sondern auch, dass man sie nicht findet. Jedenfalls im Kanton Bern. Nehmen wir an, eine Schule sucht eine Stellvertretung für das Fach Französisch, denn die Lehrperson muss für 10 Tage in Quarantäne. In diesem Fall macht die Schule ein Inserat auf einer kantonalen Stellenplattform. Dann wartet die Schule, bis sich jemand meldet. Oder – was auch vorkommt – die Schule muss eine andere Lösung suchen, da sich niemand gemeldet hat.

Wir würden gerne helfen.
Autor: Raymond WiedmerStudierendenvereinigung PH Bern

«Es gibt viele Studierende, die gerne helfen würden», so Raymond Wiedmer von der Vereinigung der Studierenden der Pädagogischen Hochschule Bern. Aber diese seien natürlich nicht jede Minute auf diesem Stellenportal.

Das Heft selbst in die Hand nehmen

Da auf der kantonalen Plattform nur die Schulen Inserate schalten können, und die Studierenden oder Lehrpersonen, die ihre Dienste anbieten wollen, nicht, brauche es eine Alternative. Die Studierenden der PH haben auf ihrer eigenen Webseite ein Formular entwickelt, wo man sich einschreiben kann. Rund 800 Personen haben das gemacht.

Nur: Bis diese Daten dann auch bei den Schulen ankommen, dauert es lange. Zuerst kommen sie zum Kanton, der diese wiederum in einer eigenen Liste einträgt und dann den Schulen, wenn diese anfragen, weitergibt. Aber eben, die Schulen müssen sich beim Kanton melden. Lange Rede, kurzer Sinn: Das System ist mühsam für alle Beteiligten.

Computer.
Legende: Ideal wäre laut mehreren Beteiligten eine Plattform, auf der Lehrpersonen wie Schulen Inserate schalten könnten. Keystone

Es ist allerdings ein lösbares Problem. Man könnte eine Plattform machen für alle. Wo die Schulen suchen und sich die Lehrpersonen anbieten könnten. «Das kostet natürlich. Das können und wollen wir nicht selbst tragen. Es ist die Aufgabe des Kantons», so Raymond Wiedmer.

Kantone wie Freiburg oder Wallis haben bereits eine Plattform, andere nicht. Zürich, beispielsweise. Zwei Studierende nutzten die Schwierigkeiten der Schulen bei der Suche nach Stellvertretungen und zogen ein Business auf. Fürs Vermitteln von Lehrkräften verlangen sie von den Schulen Geld.

Und der Kanton Bern?

«Bei uns ist jedes Tool willkommen», sagt Schulleiterin Regine Gfeller. Sie leitet drei Schulen. «Bisher hatten wir Glück.» Es habe immer irgendwie geklappt mit einer Stellvertretung. Dennoch wäre sie froh um bessere Vermittlungsmöglichkeiten bei Vakanzen.

Erwin Sommer ist der Vorsteher des bernischen Amtes für Kindergarten, Volksschule und Beratung. Er sagt: «Eine solche Plattform ist geplant.» Man habe bereits verschiedene Offerten eingeholt, jetzt werde ein solches Tool programmiert, damit der Kanton nicht mehr selbst vermitteln muss.

Aber: Ihre Dienste anbieten können bei diesem Tool nur die Studierenden der PH, keine fertig ausgebildeten Lehrpersonen. Weshalb? «Wir müssen zuerst das andere Projekt auswerten», so Erwin Sommer. Insbesondere was den Datenschutz angehe, brauche es zusätzliche Abklärungen, die jetzt, in dieser Notsituation nicht nötig seien. Jetzt müsse man schnell die Schulen unterstützen, damit die Kinder und Jugendliche nicht plötzlich ohne Lehrperson dastehen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 19.11.2020, 06:30 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Sicher liesse sich hier ein App entwickeln mithilfe derer PH Studierende und Schulen innerhalb von 10 Minuten einen deal betreffs Vertretungen aushandeln könnten.
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  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Ich möchte anhand der erhaltenen Kommentare gerne meine Aussage erweitern:
    Mit allem Respekt, wenn natürlich wie einige der Kommentatoren schreiben, die Schule allumfassend, Ausbildung, Bildung, Sozialerziehung, Familien- Eltern und Freundersatz, Playground und Aufbewahrungsort der Eltern darstellt, die anderweitig beschäftigt sind oder das Gefühl verspüren von der Gesellschaft hierzu genötigt zu werden, ... ja dann sollte man vielleicht die Kinder gleich von Anfang an dem Staat abgeben.
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  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Warum schliesst man die Grossveranstaltung Schule nicht komplett. Ein Jahr ohne Unterricht ist auch keine Tragik. Lebenserfahrung sammeln. Ein Zwischenjahr machen dann später viele von sich aus. Das haben Generationen vor uns auch gemacht (Krieg oder wegen anderen Umständen) und es kam nicht unbedingt schlechter raus, oft besser. Das Leben ist voller Unplanbarkeiten und das gehört auch dazu. Vielleicht auch einmal eine Chance nicht nur nach gesellschaftlichen Mainstream Vorgaben zu leben.
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    1. Antwort von Andrea Oswald  (Hu?)
      Ein Zwischenjahr um Lebenserfahrung in Selbstisolation zu erwerben. Tolle Idee. Ich schätze, dass würde die Schweiz gleichermassen an den ersten Platz der Liste der Informatiknationen und der Liste der psycho-sozialen Krankheiten katapuliteren.

      Verstehen Sie mich nicht falsch. Lebenserfahrung sammeln gewichte ich sehr hoch. Aber in dieser Zeit scheint mir der Vorschlag fast schon zynisch.
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    2. Antwort von Patrick Dörrer  (P.D)
      Ja genau. Warum nich in einer draussen in einer Höhlen leben. Frischluft zur Genüge, Natur ebenso. Wenn da nicht die fehlende Steckdose wäre für die Smartphones usw. auf zu laden.
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    3. Antwort von Martin Gebauer  (Mäde)
      Wir leben nicht mehr zu Ankers Zeiten. Es ist eine Tatsache, dass die Eltern auf die Schule angewiesen sind. Die Schule bildet nicht nur, sie betreut und erzieht die Kinder auch. Zudem fördert die Schulschliessung die Chancenungleichheit. Für Kinder aus Elternhäusern mit wenig Zugang zu Bildung ist es existentiell, dass sie in die Schule können. Die Schulschliessung im Frühling hat gezeigt, dass sehr viele solcher Schüler*innen den Anschluss verloren haben.
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    4. Antwort von Lena Mäder  (lenamaeder)
      Interessante Idee - Sicher gut geeignet als es noch mehr Bauernhöfe und kleine Gewerbebetriebe gab. Was würde ein Jahr Pause heute einem Zweitklässer mit berufstätigen Eltern im Hamsterrad bringen?
      Ich denke wohlsituierte Eltern würden privat für Bildung ihrer Kinder sorgen, die anderen Familien hätten viel mehr Stress.
      Was wiederum die einen oder anderen zur Besinnung auf wesentliche Werte bringen könnte...... Wirklich interessante Idee.
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