Zum Inhalt springen

Soziale Netzwerke «Filterblase» macht auch vor Schweizer Politik nicht Halt

Plattformen wie Facebook oder Twitter filtern aus der ganzen Informationsflut immer gezielter heraus, was die einzelnen Nutzer interessieren könnte. Die Folge sind «Filterblasen»: Die eigene Meinung wird bestärkt, andere Meinungen ausgeblendet. Ein Trend, der auch die Schweizer Politik erfasst.

Legende: Video Social-Media-Filter prägen Schweizer Politik abspielen. Laufzeit 1:45 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.11.2016.

Facebook registriert, wer mit der Kampagne der Atomausstiegsinitiative sympathisiert. Facebook weiss, wer das Contra-Video auf der SVP-Seite lustig findet. Die sozialen Netzwerke kennen ihre Nutzer immer besser. Der Algorithmus der Plattform berechnet anhand von hunderten Parametern, wer wir sind, und was wir zu sehen bekommen.

Ein Click hier, ein Like da: und schon sind wir in der Blase gefangen. Zum Beispiel in der Filterblase von SP, Grünen, WoZ und Atomkritikern. Oder in der Blase von SVP, AfD und Weltwoche. Ein Trend, der auch in der Schweiz die politische Diskussion zunehmend prägt: «Auch in der Schweiz sehen wir, dass sich die Menschen nach Selbstähnlichkeit sortieren», sagt Politologe Michael Hermann.

Er macht hierfür aber nicht nur die sozialen Netzwerke, sondern auch die Parteien verantwortlich: «Man bewegt sich unter Seinesgleichen. Das führt dazu, dass man nicht mehr das Bewusstsein hat für andere Meinungen und für andere Positionen. Und genau das wäre in unserer Demokratie, die auf Konsens beruht, sehr wichtig.»

Auch Falschmeldungen schleichen sich in Filterblasen

In den jeweiligen Blasen der sozialen Netzwerke werden aber auch Falschmeldungen kolportiert. So habe der Papst angeblich Donald Trump unterstützt, Obama bei seiner Wahl 2008 betrogen, oder Hillary Clinton leide an der Kuru-Krankheit.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat mittlerweise versprochen, Profile, die Falschmeldungen verbreiten konsequenter zu sperren. Doch die Unwahrheit wird zum Instrument der Politik, auch in der Schweiz, sagt der Polit-Marketing-Experte Mark Balsiger: «Die Versuchung, Falschinformationen systematisch zu verbreiten, ist sicher gross – insbesondere bei den vielen Abstimmungsvorlagen, die wir in der Schweiz haben. Da wird es skrupellose Komitees geben, dich sich auf Hinterwegen mit ebenso skrupellosen Anbietern zusammentun und davon profitieren möchten.»

Die bewusste Streuung von Falschinformationen würde zu einem noch zugespitzteren Diskurs führen, den viele Leute anwidert, meint Balsiger weiter. Wie Politiloge Hermann, sieht auch Balsiger eine Gefahr in diesem Trend für das politische System der Schweiz: «Der Demokratie, die in der Schweiz sehr organisch gewachsen und stabil ist, kann das nicht helfen.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Und was Filterblasen nicht schaffen, schaffen Presse und Medien mit ihren gleichgeschalteten News-Drittbezügen oder ihren hausgemachten Ausgrenzungs-Approaches...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Zum Glück gibt es noch gute Bücher. Ich denke die meisten Wähler stehen sich selbst im Weg. Innehalten und wissen was ich wirklich will kostet etwas Zeit, dann aber fällt vielleicht auf, dass es gar nicht im Angebot enthalten ist. In der Zeit der Schnellf-fertig-Menues könnte ein eigenes Rezept die neue Lösung sein. Das Menue Merkel aus Angst selbst zu denken. Wer gut erzogen ist mag ja die Regeln einhalten aber es plockiert die Alternativen und vorallem Kreativität.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Simon Wälchli (ccr)
    Facebook Profil löschen und echte offline Begegnung wagen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von W Streuli (Wernu)
      ®Hr.S.Wälchli Das dürfte manchem"homo sapiens"unterdessen schon schwer fallen,denn wer verliert den schon gerne seine"virtuellen"Freunde,man könnte da doch in der"offline Welt" unweigerlich das ungute Gefühl bekommen,das man plötzlich"alleine" ist und wer will das schon?Man erkennt hoffentlich die Ironie in diesem Beitrag
      Ablehnen den Kommentar ablehnen