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Finanzdaten austauschen Die Angst der russischen Unternehmer

Mit dem Automatischen Informationsaustausch steigt die Gefahr, dass Staatsbedienstete zulangen, befürchten viele reiche Russen.

Symbolbild: Der Kreml in Moskau, fotografiert aus einer Seitenstrasse.
Legende: Die Befürchtungen der russischen Unternehmer betreffen weniger den Kreml selber, als korrupte Staatsangestellte. Reuters

SRF News: Sind die Bedenken in der Schweiz, was den AIA mit Russland angeht, berechtigt?

David Nauer: Ja. Ich habe mit Finanzleuten hier in Moskau gesprochen, und alle sagen, dass die russischen Gesetze im Finanzbereich sehr schwammig formuliert seien und willkürlich angewandt würden. Deshalb schätzten reiche Russen gerade das Schweizer Bankgeheimnis bislang ausserordentlich. Die russischen Anleger sehen den Automatischen Informationsaustausch (AIA) deshalb sehr kritisch und als Sicherheitsrisiko, weil sie dem russischen Staat nicht trauen.

Welche Russen legen ihr Geld in der Schweiz an? Sind das vor allem Kriminelle?

Das sind sehr unterschiedliche Leute. In jenen Fällen, die ich kenne, handelt es sich meist um russische Unternehmer, die ihr Geld ganz normal verdient haben. Viele von ihnen sagen, sie würden das Geld eigentlich gerne in Russland behalten und es auch hier investieren. Doch das private Vermögen sei in Russland zu wenig geschützt. Manche von ihnen fühlen sich vom russischen Staat – oder Leuten aus dem Staatsapparat, wie Polizisten, Richter oder Geheimdienstler – sogar bedroht. Deshalb greifen sie oftmals zu halb- oder illegalen Tricks, um ihr Geld zu schützen. Sie rechtfertigen dieses Vorgehen damit, dass sich auch viele russische Staatsdiener nicht an die Gesetzte hielten.

Die AIA-Informationen könnten an Leute aus dem Staatsapparat weitergegeben werden.

Künftig haben die russischen Behörden dank dem AIA vollen Einblick in solche Auslandsgeschäfte. Ist das nicht eine Gefahr für solche russischen Unternehmer?

Legende: Video So funktioniert der Automatische Datenaustausch abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.09.2017.

Das befürchten tatsächlich auch viele Betroffene in Moskau. Es besteht aber nicht etwa die Sorge, dass der Kreml mit Hilfe dieser Daten gegen die Unternehmer vorgehen könnte. Vielmehr wird befürchtet, dass die «heissen» Informationen an Leute aus dem Staatsapparat weitergegeben werden und diese dann wissen, wer wo wie viel Kapital auf der hohen Kante hat.

Aus Sicht vieler reicher Russen ist das ein Problem, denn manche von ihnen versuchen, sich stets kleiner zu machen, als sie sind, um nicht die staatlichen Stellen auf sich aufmerksam zu machen. In Russland macht in diesen Kreisen denn auch ein bitterer Scherz die Runde: «Man hat mir das Geschäft noch nicht weggenommen, weil ich zu wenig erfolgreich bin». Das Schweizer Bankgeheimnis hat den russischen Unternehmern also bislang dabei geholfen, ihr Geschäft kleiner zu machen als es ist. Das wird mit dem AIA nicht mehr funktionieren.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

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